Starke Leistung bei 0:2 in Charkiw kein Trost

4. Oktober 2012, 23:25
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Metalist tat sich lange Zeit weit schwerer als erwartet, gewann aber schlussendlich relativ locker 2:0, weil Rapid sämtliche Topchancen vernebelte - Rot für Burgstaller kurz vor Schluss

Charkiw - Metalist ist eigentlich eine südamerikanische Mannschaft mit einem ukrainischen Tormann. Da sie aber 1925 in Charkiw gegründet wurde, zählt sie nicht zu Argentinien oder Brasilien, sondern gehört in die Ukraine und darf deshalb in der Europa League mittun. Der Gast Rapid stammt eindeutig aus Wien, acht Österreicher standen in der Startformation. Metalist hielt mit sechs Argentiniern und drei Brasilianern dagegen, ein Senegalese war auch dabei.

Trainer Peter Schöttel freute sich auf die Partie, er bestand darauf, keine Angst zu haben. "Vor einer richtig guten Mannschaft." Man wollte den richtig Guten nicht beim Tanzen und Künsteln zuschauen und ihnen respektvoll applaudieren, sondern dagegenhalten. Um nicht allzu kühn zu wirken, ließ Schöttel Stürmer Terrence Boyd auf der Bank, an seiner Stelle rutschte Thomas Prager in die Elf. Er agierte rechts vor Christopher Trimmel, Kapitän Steffen Hofmann werkte in der Mitte, Deni Alar war eine aus der Tiefe kommende Spitze.

Fahrlässig vor dem Tor

Rapid begann selbstbewusst, mutig, forsch. Und erarbeitete sich Chancen. Speziell Hofmann glänzte mit nahezu perfekten Vorlagen, in der 20. Minute köpfelte Trimmel an die Stange, Guido Burgstaller verwertete den Abpraller nicht. Weitere gute Chancen folgten. Die Führung lag in der berühmten Luft, aber sie blieb dort liegen. Es war natürlich nicht so, dass von Metalist nichts zu merken war, der Brasilianer Taison kann richtig gut kicken und tanzen. Aber Rapid war gefährlicher und lieferte den Beweis, dass der Marktwert ab und zu eine untergeordnete Rolle spielt, 16 Millionen mussten sich vor 80 Millionen nicht genieren. Und 40.003 Zuschauer (minus 500 Rapid-Fans) pfiffen ihre Tänzer in die Pause.

Rapid blieb quicklebendig, Alar (48.) und Burgstaller (52.) versuchten es aus aussichtsreichen Positionen, wieder nichts, Kaltschnäuzigkeit kann man halt nicht kaufen. Und es kam, wie es kommen musste (eine im Fußball gebräuchliche Floskel), Metalist erzielte in der 61. Minute das 1:0. Freistoßflanke Jose Sosa (Argentinien), der eine Viertelstunde zuvor eingewechselte Edmar köpfelte relativ unbedrängt ein. Edmar ist Brasilianer, besitzt aber auch einen ukrainischen Pass. Rapid riss eine leichte Depression auf, Lukas Grozurek ersetzte Alar (75.). Die Depression nahm an Gewicht zu, als Cleiton (Brasilien) nach einer wunderbaren Kombination das 2:0 köpfelte (80.). Da hätte man durchaus applaudieren können. Der Marktwert ist so unwesentlich auch wieder nicht.

Burgstaller fliegt raus

Burgstaller wurde in der Nachspielzeit nach einem Foul an Villagra (Argentinien) verdientermaßen ausgeschlossen. Rapid wird in der Gruppe K wohl nicht aufsteigen, sie begann ja mit dem unsäglichen 1:2 im Geisterspiel gegen Rosenborg Trondheim. Immerhin hat Metalist-Trainer Miron Markewitsch Recht behalten, er stufte Rapid "deutlich besser" als Red Bull Salzburg und die Austria ein, mit diesen beiden Mannschaften hatte es Charkiw in der Vorsaison richtig lustig. Rapid ist diese Art von Humor wurscht.

Der Verein macht weiter. Am Sonntag geht es in der Meisterschaft daheim gegen Wiener Neustadt, da sind die Hütteldorfer marktwerttechnisch Metalist. Und Charkiw empfängt Schachtar Donezk, da sind sie marktwerttechnisch Rapid. Die Europa League wird am 25. Oktober fortgesetzt, Bayer Leverkusen kommt ins Happel-Stadion. Über den Marktwert sei der Mantel des Schweigens gehüllt. (Christian Hackl, DER STANDARD, 5.10.2012)

Europa League, Gruppe K, 2. Runde:

FK Metalist Charkiw - SK Rapid Wien 2:0 (0:0)
Stadion Metalist, 40.003 Zuschauer (ausverkauft), SR Menashe Masiah (ISR)

Tore:
1:0 (65.) Edmar
2:0 (80.) Cleiton Xavier

Charkiw: Gorjainow - Villagra, Gueye, Torsiglieri, Fininho - Torres (51. Edmar), Cleiton Xavier - Sosa (83. Marlos), Blanco, Taison -
Cristaldo (74. Willian)

Rapid: Königshofer - Trimmel, Sonnleitner, Gerson, Katzer - Heikkinen, Ildiz - Prager, Hofmann (88. Kulovits), Burgstaller - Alar
(76. Grozurek)

Rote Karte: Burgstaller (93., Foul)
Gelbe Karten: Torsiglieri bzw. Ildiz

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    Trotz passablem Spiel war es nicht der Tag von Rapid und Steffen Hofmann.

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    Weitaus glücklicher, weil effektiver: Metalist Charkiw und Torschütze Edmar.

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