Wer hat Angst vor Netanyahus roter Linie?

Blog | Andreas Hackl
4. Oktober 2012, 19:22
  • Der Premier und der Comic in New York.
    foto: reuters/lucas jackson

    Der Premier und der Comic in New York.

Experte für Abschreckungspolitik: "Abhängigkeit von einer Supermacht senkt die Glaubwürdigkeit der eigenen Drohungen"

Lange Zeit war es immer wieder Muammar al-Gaddafi, der die UN-Generalversammlung mit schrägen Auftritten unterhielt. Als der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu vergangene Woche eine Zeichnung zum Thema Iran präsentierte, fühlten sich einige Kommentatoren in diese Tage zurückversetzt. Dabei war das Thema durchaus ernst: Wann ist das Atomprogramm des Iran nicht mehr durch einen Angriff zu stoppen? 

Netanyahu markierte diesen Punkt mit einem Filzstift als rote Linie auf einer Zeichnung, die mehr an einen Comic als an ein Diagramm erinnerte. Und schon wenige Minuten danach hatten mehr als 17.000 Menschen auf Twitter ihre Kommentare hinterlassen. Die meisten davon waren zynisch und kritisch. "Eine Comic-Zeichnung?", lautete der Tweet eines israelischen Journalisten. "Wer in Netanyahus Delegation hat dieses Diagramm vorher gesehen und trotzdem zu ihm gesagt: Großartig. Mach das!" Wenig überraschend war die Zeichnung auch für die iranische Nachrichtenagentur Fars ein gefundenes Fressen: "Die Grafik einer runden Bombe mit einer Zündschnur, wie man sie aus dem Road-Runner-Trickfilm kennt."

Ist die rote Linie ein gutes Schreckgespenst?

Eine effektive politische Rede hat meist ein bestimmtes Zielpublikum und strebt eine konkrete Wirkung an. Netanyahu schien vor allem bei internationalen Verbündeten wie den USA um Unterstützung für einen Angriff auf den Iran zu werben. Andererseits wollte er vermutlich auch den Iran und seine Verbündeten abschrecken.

Der israelische Analyst Nahum Barnea schrieb in der Zeitung "Yediot Ahronot", wenn man Netanyahus Worte ernst nehme, werde Israel schon in wenigen Monaten alleine angreifen, sollte der Iran nicht abgeschreckt sein und sollten die USA nicht mit angreifen.

"Speak softly and carry a big stick"

Die Rede hat einerseits zu mehr Abschreckung beigetragen, weil Netanyahu mit dem Festlegen einer roten Linie Israel für einen bestimmten Zeitpunkt unter Handlungsdruck setzt, sagt der Politikwissenschaftler Elli Lieberman, ein Spezialist zum Thema Abschreckungspolitik im Nahen Osten und Autor eines neuen Buches zum Thema. "Israel wird handeln müssen, oder es verliert an Glaubwürdigkeit", so Lieberman.

Gleichzeitig habe die Rede die Abschreckungswirkung aber auch gesenkt. Denn durch den ständig wiederholten Appell an die USA und den Westen, Israel bei einem möglichen Angriff zu unterstützen, werde immer klarer, dass Israel zögert oder sogar unfähig ist, den Iran alleine anzugreifen. "Abhängigkeit von einer Supermacht senkt die Glaubwürdigkeit der eigenen Drohungen", sagt Lieberman. So sei das auch 1956 in der Suez-Krise gewesen, als Israel gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich Ägypten angriff, nachdem Gamal Abdel Nasser den Suezkanal verstaatlicht hatte. 

Um durch Rhetorik eine politische Abschreckungswirkung herzustellen, hätte Netanyahu eine andere Strategie verfolgen sollen. "Speak softly and carry a big stick", wäre Liebermans Vorschlag. "Stattdessen spricht er zu laut, hauptsächlich zu westlichen Akteuren. Eine klare Drohung, gefolgt von Stille, wäre wirkungsvoller gewesen." (Andreas Hackl, derStandard.at, 4.10.2012)

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Guter Artikel zu dem Thema:

http://www.iranreview.org/content/D... srael-.htm

...und nebenbei wiedermal der Verstoß gegen internationales Recht:
http://dailystar.com.lb/News/Loca... z28hqDUJSh

Ich denke Iran ist viel zu religiös eingestellt als dass eine rote Linie sie abschrecken würden.
Die Frage ist nur, ist Israel das auch...?

Immer diese doppelzüngigkeit...tsts...

Was wollt ihr denn sein?
Demokraten oder Theologen?

Beides geht nicht liebes Israel...

Auf euren König wartet ihr so ewig

Wenn er sich beim Zeichnen nicht erinnern kann wie eine Nuklearwaffe aussieht, soll er in den Keller gehen und abzeichnen.

Als der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu vergangene Woche eine Zeichnung zum Thema Iran präsentierte, fühlten sich einige Kommentatoren in diese Tage zurückversetzt

'
Ich weiss nicht, warum mich diese Zeichnungen eher an eine andere Präsentation im Sicherheitsrat erinnert...

Er macht sich zusehends lächerlich. Angst ist nicht angebracht...

vor diesem Lärm aus dem Nahen Osten.
Schließlich weiss Israel genau, dass es nach einem Bombenangriff auf den Iran lang jeder Art von Gegenangriffen ausgesetzt sein wird - und diese sind dann legitim!

Ich habe keine Angst

denn Angst ist bekanntlich schlechter Ratgeber. Was jedoch sehr beunruhigend ist, dass diesselben Leute, die gegen Atomtechnik übehaupt an ihren PC's auf ihre Plüschbarikaden steigen, sich so für ein Regime, dass Frauen steinigt, Schwule an Baukränen baumeln lässt, Israel ausradieren will einsetzen, damit es auch ihre Kerne spalten kann, und es sind keine Kürbiskerne. Schlimm wird, wenn die rote Linie überschritten wird. Es darf nicht dazu kommen. Nenanyahu hat offensichtlich zu einem Mittel gegriffen, weil er es nicht wahrhaben will, dass es die Weltgemeinschaft gar nicht stört, neue Denkmäler und Gedenkstätten für ermordete Juden zu bekommen.

Iran ist keine Gefahr für den Weltfrieden. Das hat die Geschichte bewiesen.

NATO-Länder und Israel sind die größte Gefahr für den Weltfrieden. Das hat ebenfalls die Geschichte bewiesen. Das sehen auch die meisten Menschen so, lt. Umfragen.

Der Nahe Osten ist ein Pulverfaß und Washington, Paris, London und Jerusalem zündeln mit ihren Streichhölzern herum.

Sollten NATO+Israel einen Angriffskrieg gegen den Iran starten, könnte es zu einem Dritten Weltkrieg mit Russland und China kommen.

wer genau soll sich jetzt für das mullahregime eingesetzt haben?

nur weil man einen angriffskrieg auf ein land nicht billigt, dem die zivile nutzung der atomtechnik ausdrücklich zusteht und dem eine verletzung des npt keineswegs nachgewiesen wurde, heißt das doch nicht, daß man dessen regime gut heißt!

wenn es keine "neuen Denkmäler und Gedenkstätten für ermordete Juden" mehr geben soll, empfehle ich dem jüdischen staat als erstes, sich mit seinen nachbarn zu vetragen, anstatt sie zu kujonieren und drangsalieren

werde immer klarer, dass Israel zögert, oder sogar unfähig ist, den Iran alleine anzugreifen

Eigentlich eh klar dass Israel zumindest auf eine Unterstuetzung von der USA hofft. Ein Angriff Israels auf die iranischen Nuklearanlagen ist ein grosses Risiko wo sehr viel schief gehen kann, speziell wenn die Israelis nicht mit einem einzigen Schlag erfolgreich sind.

NPT beitreten

Wer Wasser predigt und Wein trinkt ist so glaubwürdig wie ein Staat, der selbst Atomwaffen hat, aber anderen dies nicht zugesteht.

Viele rote Flecken - von Israelis unrechtmäßig besetztes Land - warten lange schon auf Rückgabe

Zorn

Man kann eigentlich nur Zorn gegenüber den ganzen Trotteln in der Region empfinden. Die Israelis unterscheiden sich da nicht von ihren Nachbarn.

wer droht permanent, dass er die juden zurück ins meer werfen und vernichten wird ?

"wer droht permanent, dass er die juden zurück ins meer werfen und vernichten wird ?"

Niemand?
Das einzige was gesagt wurde war sowas in der Art: 'Die Herrschaft des Zionistischen Regimes muss Geschichte werden'

seit der Ermordung Rabins

hat es in Israel keine dem Frieden dienede Politik mehr gegeben.
Rabin hat gezeit wie es gehen könnte.

Sie meinen den Rabin, den "Vater des israelischen Atomprogramms"?

der Befehl an die IDF Palästinensischen Kindern die Arme zu brechen ...

wurde wohl durch andere Befehle ersetzt! Bessere- für wen?

Rabins Linie war, den Konflikt vor der Haustür zu beruhigen, um sich gegen die persische Atomgefahr wirksam wehren zu können. (schon damals). Er wollte Bomber mit weiterem Opertionsradius besorgen. Nicht zufällig war sein Mitstreiter und Konkurrent, Shimon Perez, der Organisator der atomaren Ausrüstung Israels.

In einem Tweet des "Free Gaza Movements" posteten die Betreiber

der Organisation ein Video, das mit dem Satz "Zionists operated the concentration camps" betitelt ist.

(http://tinyurl.com/9z8x33s)

Das Video zeigt einen Amerikaner, der nicht bloß den üblichen antisemitischen Schwachsinn erzählt ("die Rothschilds regieren die Welt", etc.), sondern noch eins drauf setzt und behauptet, dass die Vernichtungslager von den "Sonderkammanndos" geleitet wurde und diese nichts anders als Bataillone jüdischer (bzw. "zionistischer") Soldaten gewesen sind, die übrigens auch hinter Hitler gestanden wären und den Holocaust organisiert hätten. usw., usw.

Das ist die zeitgeistige Ideologie der "Israelkritik" a la Iran, wie sie im iranischen TV als Fernsehserie "Zero Degree Turn" lief.

Und was interessiert uns die Vergangenheit? (geschichtlich sicher interessant, ausgen. die halben Wahrheiten eines Herrn Guido Knopp)

Oder sollen sie die Taten Israels, der Gegenwart, rechtfertigen?

"Und was interessiert uns die Vergangenheit?"

.
"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."
George Santayana

aber wie man hier sehen muss, hatte wohl auch Gandhi (leider) recht:
http://www.zitate-online.de/sprueche/... s-die.html

Außer ihnen rechtfertigt hier niemand etwas

Wenn sie die Leugnung der Shoah nicht interessiert, heißt das sie rechtfertigen diese Leugnung.

Wenn sie die Vergangenheit nicht interessiert, heißt das, die Gegenwart hat keine andere Bedeutung für sie, als sich "die Taten Israels" herbei zu konstruieren, auf eine Weise, die ihnen gestattet die Wirklichkeit des Holocausts zu ignorieren.

Wer das tut, weiß warum.

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