Amerikanischer Präsident macht Untote kalt

  • Abraham Lincoln (Benjamin Walker, li.) muss gegen 
Lichtscheue die Axt ergreifen.
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    Abraham Lincoln (Benjamin Walker, li.) muss gegen Lichtscheue die Axt ergreifen.

In "Abraham Lincoln: Vampirjäger" wird der 16. Präsident der Vereinigten Staaten mit der Axt auf den blutsaugenden Plantagen-Adel losgeschickt. Ein unentschiedener Blockbuster zwischen Kostümklamotte und Metzelfilm

Wien - Der Vampir, melancholische Schauerfigur des ewigen Lebens, ist einfach nicht totzukriegen. Gemäß seinem Charakter als Verführer und Parasit ist sein Wirken längst nicht mehr nur aufs Horrorgenre beschränkt. Er hat Musicalbühnen erobert und Mädchenzimmer, er hat Komödien affiziert, und mit ihm macht man Kasse.

Aktuell schreibt er im Kino die Geschichte neu, und man erfährt, dass seinesgleichen während des US-amerikanischen Sezessionskriegs für einen militärischen Vorteil des Südens sorgte sowie für schleichende Unterwanderung des Nordens - bis ein wackerer Vampirjäger namens Abraham Lincoln (verkörpert vom Hünen Benjamin Walker) dem blutsaugenden Plantagen-Adel mit einer großen Axt Einhalt gebot.

Dass der honorige 16. Präsident der Vereinigten Staaten nun Unsterbliche fällen muss, das verdankt er einem Kindheitstrauma beziehungsweise der Fantasie und dem Geschäftssinn des US-Autors Seth Grahame-Smith. Dieser hat auch schon den Bestseller Stolz und Vorurteil und Zombies (um)geschrieben (The Classic Regency Romance - Now with Ultraviolent Zombie Mayhem).

Ein Trend zum kreativen Übergriff, der übrigens auch vor Winnetou (mit Werwölfen), Märchenkaiserin Sisi und Goethe (Die neuen Leichen des jungen Werther) nicht haltmacht - und der einen überraschenden Mehrwert frei werdender Rechte darstellt.

Horror in schlierigem 3-D

Das Drehbuch nach seinem Roman Abraham Lincoln Vampirjäger hat der Autor dann doch lieber selbst verfasst, produziert hat Tim Burton (dessen Dark Shadows Grahame-Smith zuvor ebenfalls geschrieben hat). Als Regisseur hat man den Russen Timur Bekmambetow engagiert, der sich mit seiner Wächter-Fantasy-Horrorserie als Mann für grobe Blockbuster empfohlen hat und auf frühere Zusammenarbeit mit dem US-B-Movie-Mogul Roger Corman verweisen kann.

Der Look des Vampirjägers in schundig schlierigem 3-D mag diesem Hintergrund geschuldet sein - schöner wird er davon nicht. Vor allem in den (Schlacht-)Panoramen zerfließt das Bild in seine Bestandteile, alles wird konturlos. Das lässt sich auch vom Film insgesamt sagen, der einmal Kostümklamotte sein möchte, dann wieder Metzelfilm, und der sich auch nicht entscheiden kann, ob er seine Vampirismusidee und seine Figuren ernst nehmen oder lieber doch nur in Zeitlupe ausbluten lassen will.

"Nur Lebende können die Toten töten", heißt es einmal. Der Vampir legt sich derweil schlafen, bis die nächste Auferstehung dräut.  (Isabella Reicher, DER STANDARD, 5.10.2012)

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