Darabos stoppte Reform

Interview4. Oktober 2012, 18:29
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Generalstabschef Edmund Entacher ist nach wie vor Befürworter der Wehrpflicht. Er würde diese allerdings attraktiver gestalten

Verteidigungsminister Norbert Darabos hat Reformen in der Ausbildung von Grundwehrdienern gestoppt, als er sich vor bald zwei Jahren vom System der Wehrpflicht abgewendet hat und zum Berufsheer-Befürworter wurde. Das erklärt Generalstabschef Edmund Entacher im Gespräch mit dem STANDARD.

Noch 2010 hatte es Versuche gegeben, den Grundwehrdienst durch eine erlebnisorientierte Ausbildung attraktiver zu machen. Auch sollte die Zahl der Systemerhalter sinken. Diese Versuche seien gut gelaufen, sagt Entacher. Anders der Minister: Er klagte, die Militärs hätten die Verbesserungen nicht mitgetragen.

STANDARD: Es werden ständig neue Wehrpflichtige zum Bundesheer eingezogen. Ist deren Dienst wirklich sinnlos - wie das der Minister kürzlich gesagt hat?

Entacher: Die Rekruten werden auf der Basis der derzeitigen Gesetzeslage einberufen und rücken aufgrund dessen zum von der Verfassung vorgeschriebenen militärischen Dienst ein und durchlaufen verschiedene Ausbildungen.

STANDARD: Heißt das, dass mit dem System alles in Ordnung ist?

Entacher: Es hat Schwächen - zum Beispiel, dass wir zu viele Einrückungstermine haben.

STANDARD:  Das heißt, dass der Grundwehrdienst effizienter gestaltet werden könnte?

Entacher: Tatsache ist, dass wir zu viele Soldaten für die Systemerhaltung brauchen.

STANDARD: Es gab ja Bestrebungen, den Grundwehrdienst zu reformieren, ihn attraktiver zu machen. Warum ist das nicht passiert?

Entacher: Wir haben im Jahr 2010 Truppenversuche zur Optimierung des Grundwehrdienstes und zur Verringerung der Zahl der Funktionssoldaten gestartet. Diese Versuche sind sehr, sehr gut gelaufen.

STANDARD: Und warum ist das nicht in der Truppe spürbar?

Entacher: Nach dem inhaltlichen Schwenk unseres Ministers weg von der Wehrpflicht konnte das nicht mehr umgesetzt werden, die Versuche mussten abgebrochen werden.

STANDARD: Dies hat Minister Darabos anders dargestellt. Er erklärte, da habe es Widerstand in der Truppe gegeben.

Entacher: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich diese Erklärung des Ministers nicht kenne. Ich kenne aber die Berichte, die durchwegs positiv waren. Und ich habe die Versuche besucht und gesehen, dass sie funktionieren.

STANDARD: Was muss man sich da vorstellen?

Entacher: Zunächst: dass man nicht am falschen Platz spart. Man muss die Ausbildung um jene Elemente anreichern, die jemand als Erlebnis erwartet, wenn er schon zum Heer muss. Man muss die Zahl der Systemerhalter reduzieren. Aber man muss auch den Rekruten, die in der Schreibstube sitzen, Ausbildung bieten: Schießen, Stationsmärsche, auch Nachtübungen.

STANDARD: Das, was man einmal "Abenteuer Bundesheer" genannt hat?

Entacher: Man kann Ausbildungsinhalte durchaus unterschiedlich abenteuerlich gestalten.

STANDARD: Sie haben vor bald zwei Jahren einen massiven Konflikt um die Wehrpflicht mit Ihrem Minister ausgetragen. Sie haben sich den Weg zurück ihn Ihre Funktion erstritten. Im Jänner werden Sie für die Wehrpflicht stimmen?

Entacher: Ja, natürlich.

STANDARD: Und bei Ihren Kameraden dafür werben?

Entacher: Ich versuche, mit meiner Haltung zu überzeugen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 5.10.2012)

Edmund Entacher (63) ist eines der wenigen SPÖ-Mitglieder im Generalstab. Er wurde 2007 Generalstabschef und blieb es im Vorjahr trotz Konflikts mit dem Minister.

  • "Tatsache ist, dass wir zu viele Soldaten für die Systemerhaltung brauchen", sagt Generalstabschef Edmund Entacher über das Bundesheer.
    foto: der standard/newald

    "Tatsache ist, dass wir zu viele Soldaten für die Systemerhaltung brauchen", sagt Generalstabschef Edmund Entacher über das Bundesheer.

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