Whisky statt Sparschwein

11. Oktober 2012, 05:30
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Immobilien sind zu teuer, am Sparbuch kriegt man nichts. Da bleibt nur noch Whisky, aber nicht nur zum Tschechern

Ein bisschen Torf, ein wenig Toffee, Vanille und vielleicht sogar Wiesenblumen. Brennt beim Trinken, brennt beim Schlucken, schmeckt nach Erde. Whisky ist kein Kompromiss. Whisky mag man oder nicht. Doch Liebe hin oder her: Das Geschäft mit dem "Lebenswasser" boomt weltweit, deswegen mögen auch immer mehr Anleger Whisky. Und das nicht nur, um auf einen Deal anzustoßen.

Whiskey oder Whisky?

Ob den Getreidebrand die Iren oder die Schotten erfunden haben, darüber streitet man sich heute noch. Whiskey für den Iren oder Whisky für den Schotten, der Name leitet sich von einem schottisch-gälischen Wort ab, das "Lebenswasser" bedeutet. Die Schreibweise zeigt die Herkunft an und der Einfachheit halber nennen die Schotten ihren Whisky Scotch - dann weiß man gleich, was man hat.

Gemein ist beiden der Herstellungsprozess. Single Malts werden aus gemälzter Gerste einer einzigen Destillerie hergestellt. Blended Malts sind quasi der Cuvée unter den Whiskys - Brände verschiedener Destillerien werden gemischt. Weltweit verkauft sich Blended Whisky am meisten, rund 90 Prozent der Whisky-Flaschen, die über die Ladentheke wandern, gehören zu dieser Kategorie. Allerdings besteht so eine Mischung größtenteils aus Grain-Whisky, einem Brand, für den jede Art von Getreide verwendet werden kann.

Genießer schwören vor allem auf Single Malts. Jede Brennerei verwendet zur Herstellung Wasser aus nahegelegenen Quellen. Das ist eine der Zutaten, die zur Einzigartigkeit eines Whiskys beiträgt. Die zweite ist das Fass, in dem der Brand für mehrere Jahre gelagert wird. Oft hatten die Eichenfässer ein früheres Leben als Sherry oder Portwein-Fass, was seine Spuren im Geschmack des Whiskys hinterlässt. 

Nichts zum Tschechern

In erster Linie ist Whisky eine Genussquelle, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr vom Alte-Herren-Image wegentwickelt hat. Auch Junge entdecken den bernsteinfarbenen Brand zunehmend. Ein Trend, den auch Whisky-Importeur und -Händler Mario Prinz bestätigt. Seit 20 Jahren bringt er den Österreichern den Whisky näher, per Beratung, Verkostung oder Verkauf. Es sei der Rückzug ins Private und der Wunsch nach bewusstem Genuss, der dem Whisky zu wachsender Beliebtheit verhilft, glaubt er: "Einen Single Malt nimmt man nicht zum Tschechern." Wär ja auch schade darum, schließlich bleibt Whisky ein Luxusprodukt, selbst wenn man gute schon ab 30 Euro kaufen kann.

Besonders in Russland und Asien erfreuen sich hochpreisige Brände großer Beliebtheit. Die Nachfrage steigt ungebrochen. Zum reinen Trinkvergnügen gesellt sich denn auch die Jagd nach hochprozentigen Wertsteigerungen. Noch im Oktober kommt in Schottland ein Whisky der Destillerie Bowmore unter den Hammer. Rufpreis je Flasche: 100.000 Pfund (knapp 126.000 Euro). Der Erlös wird gespendet. Der 54 Jahre alte Brand wurde 2011 abgefüllt, laut Brennerei gibt es nur zwölf Flaschen davon. Zum Vergleich: einen 1957er Bowmore, 38 Jahre alt, kriegt man um zirka 3.300 Euro.
Nicht jede Flasche eignet sich zum Rendite-Knüller. Exorbitante Wertsteigerungen sind überhaupt Einzelfälle, sagt Whisky-Experte Prinz. Was aber nicht heißt, dass man sofort die Finger vom Whisky-Investment lassen soll. Verknappung als Prinzip funktioniert nämlich auch hier ganz großartig. Limitierte Auflagen oder Sonderabfüllungen gelten als Sammlerstücke mit Potenzial. 

Ersabfüllung oder Lost Destillery

Auch mit Erstabfüllungen ist man auf der sicheren Seite unterwegs. Prinz schlägt zum Beispiel Daftmill, eine junge Brennerei kurz vor dem Start, vor. Am St. Andrew's Day 2005 (16. Dezember) wurde erstmals destilliert. Seitdem lagert der Brand im Fass, wann die Erstabfüllung erfolgt, ist noch nicht klar, ein Wertsteigerungspotenzial aber vorhanden. So war es auch bei Kilchoman, erklärt Prinz. Die Erstabfüllung 2009 wurde um 55 Euro verkauft, mittlerweile zahlen Sammler um die 300 Euro.

Lost Destilleries bieten ebenfalls gute Aussichten auf ein lukratives Geschäft. Von diesen geschlossenen Brennereien existieren zum Teil noch alte Fässer, die hin und wieder auch per Zufall gefunden werden. Sie werden abgefüllt und gerne auch mit Marketing-Hintergedanken in limitierter Auflage verkauft. Port Ellen wurde 1983 geschlossen. Ein 1982er, zwölf Jahre gelagerter Whisky der Destillerie kostete Mitte der 1990er Jahre um die 40 Euro, heute ist dieser Port Ellen weit über 700 Euro je Flasche wert. Glenlochy oder Glen Albyn sind laut Prinz ebenfalls gute Anwärter auf Wertsteigerung, Port Ellen sei mittlerweile schon zu teuer. Allerdings nicht zum Trinken, nur mit großen Renditen kann man hier nicht mehr rechnen.

Whisky stellt übrigens keine Ansprüche bei der Lagerung. Schlecht wird ein Whisky nicht, nur weil er alt ist, ganz im Gegenteil. Die Flasche soll stehen. Im Liegen wird der Korken angegriffen und porös. Das tut weder dem Inhalt gut, noch freut es den Besitzer. Wer den Whisky nicht trinken, sondern als Sparbuch verwenden möchte, hebt außerdem die gesamte Verpackung mit allem Drum und Dran auf, also die Schachtel und alle Zetterl oder Taferl, die an der Flasche hängen. 

Eine Garantie für Wertsteigerung gibt es auch beim besten Whisky nicht. Die Tränen über eine verlorene Rendite kann man aber wenigstens in einem guten Glas davon ertränken. (Daniela Rom, derStandard.at, 11.10.2012)

  • Ein paar Lost Destilleries-Goldstücke, die noch mehr wert werden könnten.
    foto: briana pfaffel

    Ein paar Lost Destilleries-Goldstücke, die noch mehr wert werden könnten.

  • Sammlerstücke mit Wertsteigerungspotenzial.
    foto: briana pfaffel

    Sammlerstücke mit Wertsteigerungspotenzial.

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