Private Tanzszenen und ein bisschen mehr

4. Oktober 2012, 19:07
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"Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen" zum Saisonstart in den Kammerspielen in Innsbruck

Innsbruck - Nach erfolgreichen TV-Formaten wie Dancing Stars setzt nun auch der neue Intendant des Tiroler Landestheaters Johannes Reitmeier auf Tanzbegeisterung. Mit Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen von Autor Richard Alfieri eröffnete die Saison an den Kammerspielen. Die Boulevard-Komödie wurde 2001 in Los Angeles uraufgeführt, sie schaffte es an den Broadway und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Universal Pictures plant eine Verfilmung.

Die Handlung des Zwei-Personen-Stücks ist simpel, das Happy End unausweichlich. Lily, eine gutsituierte Witwe in ihren 70ern, lässt sich zwecks Zeitvertreib einen privaten Tanzlehrer für sechs Unterrichtsstunden in ihre Wohnung kommen. Mit Michael platzt ein hitzköpfiger junger Mann in ihre vier Wände, der auch noch schwul ist. Schon die erste Begegnung wird zum Desaster, und der Deal droht zu platzen. Doch bei Swing, Tango und Walzer entwickelt das ungleiche Paar mit der Zeit so etwas wie Freundschaft. En passant streift das Duo Themen wie die Nazivergangenheit Österreichs, Einsamkeit im Alter oder Vorurteile von Südstaaten-Predigern, um sich sogleich wieder im Rhythmus zu wiegen.

Mit Eleonore Bürcher und Gerhard Kasal ist das Paar exzellent besetzt. Beide sind langjährige Mitglieder am Tiroler Landestheater und wurden von der neuen Intendanz übernommen. Die Inszenierung von Carsten Kochan ist solid, birgt aber auch keine Überraschungen. Für das extravagante Wohnzimmer mit üppigem Blumendekor und Panoramafenster und die schicken Kostüme zeichnen Susanne Füller und Matthias Schaller verantwortlich. Charmant gelöst sind die Übergänge zwischen den Tanzstunden. Die Bühne dreht sich vorbei, und der Blick fällt von außen durch das Fenster auf das Paar als tanzende Silhouette. (dns, DER STANDARD, 5.10.2012)

  • Gerhard Kasal und Eleonore Bürcher in "Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen".
    foto: tiroler landestheater / rupert larl

    Gerhard Kasal und Eleonore Bürcher in "Sechs Tanzstunden in Sechs Wochen".

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