Post, die sensibilisiert

4. Oktober 2012, 18:47
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Mit der Aktion "Post" thematisieren Literaten in Graz, wie man mit Kunst die Gesellschaft aufrütteln kann

Graz - Auch Literaten beschäftigen sich im Steirischer Herbst mit der Frage, ob und wie Kunst die Gesellschaft verändern kann und mit welchen Mechanismen man Massen erreicht. Das Forum Stadtpark versucht es mit der Aktion Post. Das ist eine Postwurfsendung an Haushalte, an der etwa Autorin Ann Cotten, der Lyriker Ulf Stolterfoht oder das Herausgeber- und Literaturkollektiv gruppe p (Helmut Schranz und Ralf B. Korte), Evelyn Schalk sowie die Künstler Manfred Pernice, Andreas Heller und Veronika Hauer beteiligt sind.

Die Post, die bereits ausgeschickt wurde und am Freitag im Forum präsentiert wird, wird jene, die sie bekommen, vielleicht verstören, sicher aber sensibilisieren. Vor allem durch den Text "knechtschaft à la lettre" von Cotten, den Rahmen der Aussendung.

In diesem fingierten Brief einer Hausverwaltung wird mitgeteilt, dass in Kürze jemand kommt, um Möbel abzuholen, und kurz danach die Adressaten selbst abgeholt würden, da sie dem ja zugestimmt hätten. Was kafkaesk klingt, soll an Briefe erinnern, die in Österreich tatsächlich zugestellt werden. Bescheide an Menschen, die abgeschoben werden, egal wie sehr sie sich hier zu Hause fühlen.

Gleichzeitig erinnert das Schreiben auch an Deportationen, die zur NS-Zeit auch in Graz stattfanden, wenn es heißt, man werde um "sechs Uhr morgens von einem Lkw abgeholt, der Sie in Ihr neues Domizil transportieren wird. Bitte nehmen Sie aufgrund des begrenzten Platzes im Lkw nicht mehr als ein Stück Gepäck mit." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 5.10.2012)

Forum Stadtpark, 19.00

  • Autorin Ann Cotten schreibt im Rahmen der Aktion "Post" verstörende Texte.
    foto: : max höfler/forum stadtparlk

    Autorin Ann Cotten schreibt im Rahmen der Aktion "Post" verstörende Texte.

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