Steirische Schlachtfirma insolvent

4. Oktober 2012, 14:49
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Jöbstl GmbH übernahm sich mit Investition und litt unter Preisverfall bei Schweinefleisch

Graz - Die südsteirische Fleischverarbeitungsfirma Rudolf Jöbstl ist mit rund 6 Mio. Euro überschuldet und musste beim Handelsgericht Graz Insolvenz anmelden, wie die Kreditschutzverbände AKV und KSV am Donnerstag bekanntgaben. Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung wurde eingeleitet, der Betrieb soll fortgeführt werden. Betroffen sind rund 290 Dienstnehmer, die Zahl der Gläubiger steht noch nicht fest. Ursache der Insolvenz sei laut Informationen der Kreditschützer ein hohes Investitionsvolumen der vergangenen Jahre sowie Preisverfall bei Schweinefleisch. Zum Verwalter wurde der Grazer Rechtsanwalt Michael Pacher bestellt.

Die im Familienbesitz stehende Rudolf Jöbstl, Vieh und Fleisch, Handel und Transport GmbH in Strass im südsteirischen Bezirk Leibnitz betreibt ein Schlachtunternehmen sowie die Weiterverarbeitung des Rohfleisches zu Fleischprodukten. Dabei angeschlossen ist der Handel mit Schlacht- und Nutzvieh. Die Aktiva der Firma belaufen sich mit Stichtag Ende April auf rund 15,3 Mio. Euro, die Passiva kommen auf 21 Mio. Euro, woraus sich eine Überschuldung von 5,7 Mio. Euro ergibt. Laut Sanierungsvorschlag sollen die Gläubiger eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes erhalten.

Umfangreicher Ausbau

Die Gründe für die Schwierigkeiten sollen bis ins Jahr 2007 zurückreichen - damals wurde ein umfangreicher Ausbau der Zerlegung von Schlachtvieh sowie der Schockfrostanlage durchgeführt. Trotz eines Kapitalzuschusses von 0,7 Mio. im Jahr 2011 hat laut KSV die geringe Eigenkapitalbasis noch zusätzlich zur Schieflage des Unternehmens beigetragen. Eine weitere Insolvenzursache sei im Marktpreisverfall für Schweinefleisch zu suchen - dieser hat zu einer starken Erlösschmälerung geführt. Die drückender werdende Tilgungs- und Zinsenlast aus den Bankenverbindlichkeiten habe ihr Übriges zur Verschärfung der Situation beigetragen, hieß es seitens der Kreditschützer.

Der gesamte Betrieb - Viehankauf, Schlachtung, Zerlegung sowie die Vermarktung von Schweinen und Schweinefleischprodukten - sollen auch während des Insolvenverfahrens weitergeführt werden. Man verfüge über einen großen und "loyalen Kundenstock", hieß es seitens des Unternehmens.(APA, 4.10.2012)

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