Zwei Juwelierräuber in Salzburg zu langen Haftstrafen verurteilt

4. Oktober 2012, 14:41
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Zehn Jahre und sieben Jahre Gefängnis - Uhren und Schmuck im Gesamtwert von 1,8 Mio. Euro erbeutet

Salzburg - Zwei Serben sind am Donnerstag wegen vier Überfällen auf Juweliere in Wien und Salzburg am Landesgericht Salzburg zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Mihajlo M. (30) und Nikola B. (24) sollen Schmuck und Uhren im Gesamtwert von 1,8 Mio. Euro erbeutet haben. Sie haben sich Mitte Mai in Begleitung ihres Anwaltes Nikolaus Rast der Wiener Polizei gestellt und saßen seither in Salzburg in Untersuchungshaft.

Angst vor Hintermännern

Die beiden Männer zeigten sich geständig, mehr sagten sie aus Angst vor Hintermännern aber nicht. Der 30-Jährige erhielt wegen schweren Raubes zehn Jahre Haft, der 24-Jährige sieben Jahre. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Die Angeklagten trugen Hand- und Fußfesseln, als sie von vier Justizwachebeamten in den Verhandlungssaal Nummer 129 geführt wurden. Mehrere Cobra-Beamte überwachten den Prozess. Das Gericht hatte die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, denn die beiden sollen der "Cacak-Connection" angehören, einer Untergruppe der weltweit agierenden Räuberbande "Pink-Panther" mit weit über 100 Mitgliedern mit Sitz auf dem Balkan.

Am 18. Jänner 2012 nahm das Duo das Juweliergeschäft Kornmesser am Graben in Wien ins Visier. Der Wert der Beute betrug 1,35 Mio. Euro. Am 1. Februar scheiterte der Überfall auf den Juwelier Haasmann in Salzburg. Am 3. Februar raubten sie aus dem Juweliergeschäft Thurzo in Wien Schmuck im Wert von 198.000 Euro. Der Überfall am 24. Jänner 2011 auf den Juwelier Karner in Salzburg wird nur Mihajlo M. vorgeworfen. Er entkam mit Schmuck um 32.000 Euro, 46 Uhren um insgesamt 232.000 Euro und 1.000 Euro Bargeld. Auch weitere, bisher unbekannte Täter sollen sich an den Überfällen beteiligt haben.

Brutales Vorgehen

Die beiden Angeklagten sind bei den Überfällen in Wien und Salzburg laut Staatsanwältin Sandra Lemmermayer äußerst brutal vorgegangen. Angestellte wurden mit einer Waffe bedroht und teils auch gefesselt.

Verteidiger Nikolaus Rast sagte heute zum Vorsitzenden des Schöffensenates, Richter Manfred Seiss, dass bei den Überfällen nur eine Plastikpistole verwendet wurde. "Die beiden sind spielsüchtig, dann haben sie die falschen Personen kennengelernt. Sie machten das aus Dummheit. Aus einer Notsituation heraus ließen sie sich dazu hinreißen", legte der Anwalt das Tatmotiv dar. Die beiden hätten sich dann von den Hintermännern nicht mehr unter Druck setzen lassen - Nikola B. sei sogar angeschossen worden - und reinen Tisch machen wollen. "Sie sind freiwillig vom Balkan hierhergekommen, um sich der Polizei zu stellen - so etwas ist sehr selten. Mehr können sie nicht sagen, sie haben Angst um ihr Leben. Von der Beute haben sie auch nichts gehabt."

Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung angemeldet

Opferanwalt Stefan Rieder legte dem Vorsitzenden ein Schreiben vor, wonach eine der beiden Angestellten des Juweliers Thurzo eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten hat, die einer schweren Verletzung gleichkommt. "Sie hatte Todesangst", sagte Rieder. Die Staatsanwältin erweiterte daraufhin die Anklage um diesen Zusatz. Der Verteidiger wies darauf hin, dass kein Gutachten über eine mehr als 24-tägige, posttraumatische Belastungsstörung vorliege. Die Frau hätte diese zudem auch bei einem anderen Überfall erleiden können. Im Zweifel für die Angeklagten müsse das Gericht zudem annehmen, dass keine echte Waffe verwendet worden sei. Deshalb handle es sich nicht um einen schweren Raub (Strafrahmen fünf bis fünfzehn Jahre), sondern um einen Raub (Strafrahmen ein Jahr bis zehn Jahre), betonte Rechtsanwalt Rast in seinem Plädoyer.

Der Schöffensenat kam aber zu dem Ergebnis, dass die Überfälle mit einer echten Waffen verübt worden seien. Zum einem seien die Täter sehr professionell vorgegangen, zum anderen hätten sich aus den Lichtbildern Indizien ergeben, dass es sich um eine echte Waffe gehandelt habe, erklärte Richter Seiss. Der Verteidiger meldete daraufhin Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. (APA, 4.10.2012)

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