Wiener Stadtwerke kämpfen mit Pensionsdruck

4. Oktober 2012, 14:19
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Unternehmen erwartet heuer 930 Millionen Euro Minus. Einmalige Pensionsrückstellungen und Abschreibungen drücken Ergebnis

Wien - Die Wiener Stadtwerke erwarten heuer bedingt durch Einmaleffekte massive Verluste vor allem wegen der Neubewertung der Pensionsrückstellungen, aber auch Abschreibungen auf Gaskraftwerke und Inlands-Beteiligungen. In Summe werde das Ergebnis heuer bei minus 930 Millionen Euro liegen, gaben Generaldirektorin Gabriele Payr und ihr Stellvertreter und Finanzvorstand Martin Krajcsir am Donnerstag vor Journalisten bekannt. 2013 werde man aber bereits wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen und 2014 wieder in die Gewinnzone kommen.

Nicht zahlungswirksam

Die Rückstellungen für die mittelbaren Pensionsverpflichtungen von derzeit 2,2 Mrd. Euro werden wegen neuer Rechnungslegungsvorschriften um rund 750 Millionen Euro aufgestockt. Es handle sich um einen Bewertungseffekt, der nicht zahlungswirksam ist. Die Liquidität werde nicht geschmälert. Die Abschreibungen auf Gaskraftwerke und Inlands-Beteiligungen (EconGas und Verbund-Anteile aus der Kapitalerhöhung) werden zusammen mit rund 150 Millionen Euro erwartet. Das normale Jahresergebnis aufgrund der schlechten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen - relativ hohe Gaspreise bei relativ niedrigen Strompreisen - wird mit minus 30 Millionen Euro prognostiziert. Bei Auslandsprojekten gebe es keine Abschreibungen, betonte Krajcsir. Die Eigenkapitalquote werde dann 36 Prozent betragen, das entspreche einem guten Branchen-Mittel.

Der Cash-Flow bleibe unverändert positiv, betonte Payr. Die Stadtwerke würden in den kommenden fünf Jahren 4 Mrd. Euro in den Infrastrukturausbau, in Öffis und Modernisierung von Energienetzen investieren. Ins Stromnetz etwa werden pro Jahr rund 190 Millionen Euro investiert, das seien um 50 Millionen Euro mehr als 2010/11. Eine Strompreiserhöhung sei aus heutiger Sicht nicht geplant.

Die Veranlagungsergebnisse bei den Pensionsfonds seien heuer bis Ende September mit gut vier Prozent im Plus gewesen, so Krajcsir. Seit der Auflage im Jahr 1999 hätten die Fonds eine durchschnittliche Performance von 4,1 Prozent pro Jahr erzielt.

Pensionsverpflichtungen für 7.400 Mitarbeiter

Die Wiener Stadtwerke haben im Zug der Ausgliederung die Pensionsverpflichtungen der Stadt Wien für insgesamt 7.400 Mitarbeiter übernommen, ausgenommen die Wiener Linien. Von den 7.400 Mitarbeitern sind rund 2.700 aktiv und 4.700 in Pension. Für die Pensionsrückstellungen gelten ab 2013 neue Bewertungsvorschriften (Änderung beim sogenannten "Korridor"), die nicht nur die Wiener Stadtwerke, sondern auch alle anderen Unternehmen betreffen, die diese anwenden. Die Stadtwerke haben sich entschieden, dies heuer einmalig zu ändern, es wäre auch eine Verteilung auf fünf Jahre möglich. Dies sei vom Ergebnis her ein "schmerzhafter Schritt". Die Pensionsrückstellungen nach der Neubewertung in Höhe von rund 3 Mrd. Euro entsprechen bei den Stadtwerken rund 25 Prozent der Bilanzsumme.

Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter liege derzeit bei 57 Jahre. Man setze aber auf Umschulungen und habe den Schwerpunkt auf Gesundheitsvorsorge, sagte Payr. Insgesamt beschäftigten die Wiener Stadtwerke rund 16.000 Mitarbeiter.

2011 haben die Wiener Stadtwerke ein EGT von plus 15 Mio. Euro erzielt. Effizienzsteigerungen und Sparprogramm sollen 2014 wieder Gewinne ermöglichen. Innerhalb des Konzerns würden Synergien gehoben, die zu niedrigeren Kosten und besseren Dienstleistungen für die Kunden führen würden, so Payr. Das Sparprogramm habe nichts mit den Stromausfällen des heurigen Sommers zu tun, es habe nicht mehr Stromausfälle gegeben. Im Energiebereich sei es Ziel, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu reduzieren - zugunsten von mehr Erneuerbaren Energien. Die Wien Energie produziert den Strom derzeit zu rund 90 Prozent aus Gas. Ziel ist es, den Anteil der ölpreisinduzierten Verträge auf 25 Prozent zu reduzieren, derzeit sind es 50 Prozent.

Aus dem Sparprogramm werden jährlich 40 Mio. Euro Ergebnisverbesserung erwartet. Es würden keine Mitarbeiter gekündigt, wurde heute neuerlich betont. Es gebe vor allem reduzierte Nachbesetzungen, bessere Arbeitszeitmodell und auch im Sachkostenbereich wird gespart. (APA, 4.10.2012)

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