Akte Personaler ungelöst

4. Oktober 2012, 17:02
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Irgendwo zwischen den Sesseln der Führung und der Mitarbeiter stehen sie - Zwischen Anonymität und Geheimniskrämerei, ein spannendes Berufsfeld

Die nächste Absage, bereits die dritte in Folge: "Leider können wir dieses Interview doch nicht führen, die Führungsebene hat uns das nicht abgesegnet." Die Personalabteilung eines großen österreichischen Unternehmens, wird auch nicht beantworten können, wo der Personaler nun zwischen Basis und Führung steht und welche Schwierigkeiten sich da ergeben. Ein heißes Eisen? Oder ist es einfach nur die strenge Einhaltung eines Berufsethos? Aus gutem Grund werden Personaler im Normalfall überdurchschnittlich für ihre Geheimnisträgertätigkeit bezahlt, immerhin wissen sie von jedem Mitarbeiter das Gehalt und einige weitere erhebliche private Details. So argumentiert auch ein weiterer Kontakt, der nicht einmal anonymisiert in einem Artikel darüber reden möchte.

Auf der Mitarbeiterseite gibt es mehr Redseligkeit. Auffällig auch hier: niemand möchte mit vollem Namen oder gar mit Unternehmen genannt werden. Klar, man möchte trotz verhaltener Kritik weiter ungestört in der Firma sein können.

Negative Erfahrung

Maria F. ist Mitte vierzig und arbeitet in einem Betrieb mit rund eintausend Mitarbeitern. Dieses Unternehmen setzt sich grundsätzlich stark für die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter ein. Als sich für Maria die Möglichkeit ergibt, einen Lehrgang zu besuchen, der sich nach Abschluss auch auf ihr Gehalt ausgewirkt hätte, bekommt sie zu spüren, wie wenig Einfluss die Personalabteilung auf die Führung hat. Aus unternehmenspolitischen Gründen wird ein anderer Mitarbeiter, ein jüngerer Mann, auf die Fortbildung geschickt und erhält auch nach Abschluss einen besseren Posten im Unternehmen.

Das ist schon ein paar Jahre her und Maria F. hat heute ihren Frieden damit geschlossen. Zur Position der Personaler zwischen den Sesseln denkt Maria F.: "Das kommt auf mehrere Dinge an: Welche Führungsstruktur in einem Unternehmen herrscht, auf die Persönlichkeit des Personalers und auf die Erfahrungen mit denen der Personaler ins Unternehmen kommt."

Schutz durch Personalabteilung

Elfriede P. ist gerade nach elf Jahren guter Zusammenarbeit von ihrem Betrieb gekündigt worden. In dem kleinen Betrieb waren auf Grund der schlechten Wirtschaftslage Einsparungen notwendig. Der Kündigungsgrund: ein Mitarbeiter musste eingespart werden und Elfriede P. war als einzige verheiratet. Ihr Mann könne sie ja erhalten, sagte man ihr, als ihr die Geschäftsführung das Ende des Dienstverhältnisses mitteilte. "Ich glaube, dass mir das in einem größeren Betrieb mit einer Personalabteilung nicht passiert wäre. Es hat in den elf Jahren keine Beschwerde über meine Arbeit gegeben, auf Grund meiner Ausbildung und meiner Erfahrung war ich dem Betrieb immer eine nützliche Mitarbeiterin. Wir hatten nur eine Personalverrechnerin, die natürlich keinen Einfluss auf Personalentscheidungen der Geschäftsführung hatte."

Balanceakt

Im Verlauf eines Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber steht der Personaler immer wieder vor der Schwierigkeit, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Basis und Führung berücksichtigen zu müssen. Sei es beim Entgeltmanagement, wo er zwischen den Forderungen der Arbeitnehmer und den Grenzen des Arbeitgebers sitzt, bei der nachhaltigen Personalführung oder beim Balanceakt einer sinnvollen Aus- und Weiterbildung zwischen den Vorstellungen der Arbeitnehmer und den Vorgaben und Notwendigkeiten des Unternehmens. Trotz der beiden negativen Beispiele, steht außer Frage, dass Personaler in anderen Situationen oder Unternehmen sehr wohl mitarbeiterfreundlich agieren und diese fördern soweit sie können.

Warum sich nun die Personaler zu ihrer Positionierung zwischen Basis und Führung nicht äußern wollen ist für Claudia Krenn, Psychologin, kein großes Geheimnis. Gegenüber derStandard.at verdeutlicht sie die Beweggründe für das Schweigen: "Der Personaler ist in einer Sandwichposition. Würden Sie öffentlich darüber reden? Der Personaler kann es im Prinzip niemandem recht machen. Egal was er zu dem Thema sagt, er kann nur etwas Falsches sagen." (Madeleine Harbich, derStandard.at, 4.10.2012)

  • Personalabteilungen kämpfen oft mit dem Balanceakt, zwischen den Sesseln von Führung und Mitarbeitern zu stehen.

    Personalabteilungen kämpfen oft mit dem Balanceakt, zwischen den Sesseln von Führung und Mitarbeitern zu stehen.

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