EZB belässt Leitzins bei 0,75 Prozent

EZB-Präsident Draghi hat die Bereitschaft zum Staatsanleihenkauf bekräftigt. Der Euro sei unumkehrbar

Ljubljana/Frankfurt - Das Rettungspaket der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Euro-Krisenstaaten ist geschnürt - nun müssen Spanien und Co. nur noch zugreifen. "Die Entscheidung, das Anleihenprogramm zu starten, liegt allein in Händen der Regierungen", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der auswärtigen Ratssitzung im slowenischen Ljubljana. "Die EZB kann das Handeln von Regierungen nicht ersetzen."

EZB will unabhängig sein

Anfang September hatten die Währungshüter beschlossen, notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen, um so die Zinslast für angeschlagene Schwergewichte wie Spanien und Italien zu drücken. Die Staaten müssen jedoch zuvor einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds EFSF/ESM stellen. Selbst dann gebe es keinen Automatismus für ein Eingreifen der Währungshüter an den Anleihenmärkten, betonte Draghi: "Die EZB handelt unabhängig."

Madrid zögert einen neuen Hilfsantrag in Brüssel hinaus - unter anderem aus Sorge über zu harte Daumenschrauben der Euro-Partner. "Bedingungen müssen keine Strafe sein", warb Draghi. "Die Reformen beinhalten Kosten und Nutzen - und wenn sie durchdacht sind, überwiegt der Nutzen." In spanischen Medien wird bereits spekuliert, Spanien könnte bereits am Wochenende die EU-Partner um Hilfe bitten.

Staatsanleihenkäufe machen Sinn

Der EZB-Präsident verteidigte das Kaufprogramm gegen Kritiker, die der EZB Staatsfinanzierung durch die Hintertür vorwerfen. Der Beschluss habe die starken Spannungen im Euroraum verringert. Seit der Verkündung des Programms Anfang September sanken die Risikoaufschläge für Anleihen angeschlagener Euroländer spürbar, ohne dass die Notenbank Bonds kaufte. Die Wirkung ließ zuletzt allerdings nach. "Alles in allem war der Effekt positiv", bilanzierte Draghi. Mit dem Kaufprogramm habe die Notenbank "ein absolut wirksames Sicherheitsnetz" gespannt, "um zerstörerische Szenarien, die eine große Gefahr für die Preisstabilität werden könnten, zu verhindern".

Draghi versicherte, die Notenbank handle "strikt innerhalb ihres Mandats". Die möglichen Anleihekäufe seien erforderlich, damit die EZB mit ihrer Geldpolitik den gesamten Euroraum gleichermaßen erreiche.

An die Adresse der deutschen Bundesbank, die Anleihenkäufe als verbotene Fiskalpolitik ablehnt, sagte Draghi: "Wenn Preisstabilität die Tradition der Bundesbank ist, steht die EZB völlig im Einklang mit der Bundesbank." Wegen der unterschiedlichen Positionen ist die Diskussion über eine frühere Veröffentlichung von Protokollen der EZB-Ratssitzungen in vollem Gange. "Das ist ein komplexer Prozess, wir denken darüber nach, wie wir vorankommen, es gibt Vor- und Nachteile", sagte Draghi.

Zinssenkung kein Thema

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Zwar steckt die Wirtschaft im Euroraum weiter in der Rezession, was für eine Lockerung der Geldpolitik spricht. Andererseits ist Zentralbankgeld für Banken so günstig wie nie seit Einführung des Euro 1999. Deshalb ist die Wirkung einer Zinssenkung umstritten. Über einen Zinsschritt nach unten habe der EZB-Rat am Donnerstag nicht einmal diskutiert, sagte Draghi.

Beobachter schließen eine weitere Verbilligung von Zentralbankgeld in den kommenden Monaten nicht aus. Dagegen spricht jedoch, dass sich die Inflation auch wegen steigender Energiekosten unerwartet hartnäckig hält. Im September kletterte die jährliche Teuerungsrate nach einer ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat nochmals leicht auf 2,7 Prozent. Sie liegt damit deutlich über der Warnschwelle der EZB, die stabile Preise bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht. (APA, 4.10.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 30
1 2
Verstoß gegen die Maastrichtkriterien !

EZB Käufe von Staatsanleihen sind verstoß gegen die Maastrichkriterien !

Es ist eine Volksabstimmung in allen EU-Ländern nötig, ob dies gemacht werden darf !

Das ist RECHT, alles andere ist LUG BETRUG und wird bei Bürgern lediglich Wut und Nachahmereffekte zur Folge haben.

transmission

transmission erreicht er durch den kauf von altpapier nach kilopreis - interessant.

der kauf von schrottpapieren ist ein sicherheitsnetz und dient der preisstabilität - noch interessanter. ich werde meine dissertation vom professor noch einmal prüfen lassen, offenbar habe ich den letzten 20 jahren den fund des steins der weisen verpasst.

in wahrheit ist der mann bloss ein münzfälscher, ein pokerspieler, der als einsatz unsere ersparnisse verwendet.

US Schrottagenturen haben der europaeischen Zentralbank einen Sch..ss zu erzaehlen.

Darum heisst es auch EZB und nicht DZB, ob's dir passt oder nicht.

dissertation nochmal prüfen lassen - das ist jedenfalls ratsam. aber gleich vom psychologen, damit nägel mit köpfen gemacht werden.

Wie sieht Ihr Ansatz aus?

Ich würde Drahgi verhaften lassen. Liegt für Geldfälschung nicht eine Haftstrafe vor?

Goldkurs steigt noch immer - oder schon wieder?

Tja, die Talfahrt des Euro/US-$.

Hochmut kommt vor dem Fall

Über einen Zinsschritt nach unten habe man nichteinmal diskutiert sagt eigentlich alles. Der Euro wird scheitern und bei diesen Zentralbankern ist das auch gut und richtig!

Wiso nicht Gemeinwohl-Ökonomie

Die EU ist ein Neoliberales Projekt und schadet der breiten Masse. Es muss dringend verbessert werden. Griechen, Spanier, Deutsche, Österreicher, ... leben mit der selben Währung.

Würgen wir die Wirtschaft der Südländer ab, mit absurden Maßnahmen, dann würgen wir damit unsere Eigene ab.

Es gibt so viele kluge Konzepte die funktionieren: ich hab neulich erst von der Gemienwohlökonomie gelesen ...

für einen funktionierenden Euro, sofern man das will, gibt´s nur eine Lösung - Anpassung der Stückkosten im ganzen Euroraum. Und das wiederum geht nur mit einer Fiskalunion. Alles andere ist nur Symptombekämpfung.

anpassung über fiskalunion ..

aha.
die innovativen., produktiven volkswirtschaften lassen sich dann ihre vorteile zugunsten des rests abschöpfen, oder wie darf man das verstehen ?

alles wird gut, wenn keiner mehr was hat, außer den apparatschicks ( das credo der internationale ?? )

Freundchen, du solltest etwas genauer lesen!
Da steht unter anderem "sofern man das will" und nicht "ich bin dafür"!

Das Spiel ist (hoffentlich) aus

Normalerweise steigen die Kurse, wenn die EZB was zu verkünden hat. Heute passiert nichts dergleichen. Sind die Anleger etwa enntäuscht, dass es nicht aus der EZB-Pulle gibt?

http://www.start-trading.de/blog/2012... e-anleger/

Die EZB hat vermutlich ihre Moniton verschossen, was soll sie noch machen ausser Geld drucken? Die Leitzinsen sind schon sehr niedrig, Anleihe-Ankauf-Programm ist auch schon gestartet. Mehr ist nicht möglich. Das Spiel ist (hoffentlich) aus.

die kurse steigen eh,

die goldkurse nämlich. in € ein rekord nach dem anderen, tag für tag.

wo sind die strengen Auflagen

für die Banken, welche die Krise heraufbeschworen haben?
Es gibt keine, dafür aber immer ein billiges geld für banke, welche dann wieder damit spekulieren und im negativen Ausgang zahlt wieder das Volk für die banken

Die Bereitschaft zur Rettung des € eindrucksvoll unterstrichen

Da hätte aber der Zinssatz deutlich angehoben gehört. Die lockere Geldpolitik greift nicht und wir beobachten eine Liquiditätsfalle. Dies führt mittelfristig in eine Depression.

Das billige EZB Geld kommt nämlich nicht als Investition in der Realwirtschaft an, sondern überschwemmt die Finanazmärkte, wo sich die Geldmenge immer mehr aufbläht.

Dazu kommt jetzt ein für eine Liquiditätsfalle typischer Nachfragerückgang.

Wir werden uns IMHO mit rein monetären Maßnahmen daraus nicht befreien können.

Glaube nicht dass wir einer Deflation entgegensteuern. Gegenteilig werden teurere Importe (getrieben durch immer wieder fallenden EURO) von Grundgütern sowie Anhebung der Steuerquote für eine langsam anschwellende Inflation sorgen.

wo haben Sie Volkswirtschaft studiert?

Was Mario Draghi zu sagen hat ...

Eigentlich gab es nicht viel Neues, bis das Thema Inflation zur Sprache kam - da regen sich Sorgenfalten auf der Stirn des EZB-Chefs.

http://bit.ly/StmlEU

sehr schön

die ezb verborgt geld billig an banken, die wiederum kaum kredite an unternehmen und private vergeben, sondern mit dem billigen geld lieber hochriskant spekulieren. falls es schiefgeht, ´werden sie sowieso wieder ´mit steuergeldern gerettet. zeit, daß die ezb als akteur auftritt und günstige kredite an unternehmen vergibt. so kann das nicht funktionieren.

ausser rotem strich kein

argument?

man kann das auch drastischer ausdrücken

Die Banken stehlen unser Sozialprodukt.

Und die Politik hilft brav dabei mit.

habe auf 0,5 gehofft.

das kommt schon noch,

nämlich dann, wenn noch mehr geld in das system gepumpt werden muss, als jetzt schon. oder wenn die ratingagenturen wieder zuschlagen.

Posting 1 bis 25 von 30
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.