Wechselkurssturz löst Unruhen in Teheran aus

4. Oktober 2012, 12:22
57 Postings

Teherans einflußreiche Bazaris protestierten gegen Ahmadi-Nejads Wirtschaftspolitik - USA sehen Erfolg der Sanktionen

Am Tag nach den gewalttätigen Protesten gegen den Kursverfall der iranischen Währung, die am Mittwoch die Hauptstadt erschütterten, blieb der Teheraner Bazar geschlossen. Aus Unsicherheit wurde vorerst kein Wechselkurs für US-Dollar und Euro bekanntgegeben. Am Mittwoch notierte der Euro bei 45.000 Rial und der US-Dollar bei rund 36.000 Rial, was einen Verlust von rund 30 Prozent innerhalb weniger Tage bedeutet: vor einer Woche lag der Kurs noch bei 24.000 Rial für einen Dollar.

Auf der Internetseite Mazanex, die Kurse bereitstellt, hieß es: "Leider ist der Zugang zu dieser und verschiedenen ähnlichen Seiten nicht mehr möglich." Der Geldwechsler SarafiJalali.com teilte mit: "Im Sinne der Politik der Zentralbank der Islamischen Republik des Iran und als Hilfe zur Organisation des Devisenmarktes des Iran, stellen wir derzeit keine Kurse bereit. Abhängig der Genehmigung der Zentralbank wird ein neuer Kurs bekanntgegeben."

Sprechchöre: "Lasst Syrien in Ruhe, tut etwas gegen unsere Not"

Der Kurseinbruch ist unter anderem auf die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zurückzuführen: der Teheraner Zentralbank fehlen angesichts sanktionsbedingter Ölexportausfälle dringend benötigter Devisen, und dass in Krisenzeiten Gold und Auslandswährungen besonders begeht sind, verschlimmert die Lage.

USA sehen Auswirkungen der Sanktionen

Die USA sehen in den Unruhen ein Zeichen dafür, dass die Sanktionen Wirkung zeugen: David Cohen, Staatssekretär für Terrorismusbekämpfung im US-Finanzministerium, forderte am Dienstag, als nächstes den Verkauf von Dollar oder Gold an den Iran zu verbieten, berichtet die "Financial Times".

Zuwendungen der reichen Teheraner Bazaris spielten eine zentrale Rolle bei in der Revolution von 1979, die den Schah stürzte und zur Gründung der Islamischen Republik führte. Eine Islamische Handelsvereinigung verurteilte unterdessen scharf die jüngsten Proteste. Sie seien das Resultat einer Verschwörung iranischer Feinde, die Angst unter den Händlern geschürt hätten.

Larijani kritisiert Ahmadi-Nejad

Während die Bevölkerung mit Preisverdoppelungen bei den Lebensmitteln kämpft und ihre Mieten nicht bezahlen kann, hat die jüngste Talfahrt der Währung Rial auch im Majles (Parlament) deutliche Spuren hinterlassen. Immer mehr Parlamentarier machen Präsident Ahmadi-Nejads Wirtschaftspolitik für Wirtschaftslage und Geldentwertung verantwortlich.

Parlamentspräsident Ali Larijani brachte die Stimmung auf den Punkt: "Dr. Ahmadi-Nejad hat es verabsäumt, hier die richtigen Schritte zu setzen", kommentierte er im Gespräch mit nationalen Medien. Die Antwort Ahmadi-Nejads ließ nicht lange auf sich warten: Es tue ihm leid, dass Larijani solch staatstragenden Dinge wie die aktuelle Wirtschaftslage über die Medien des Geheimdienstministeriums thematisiere, merkte der Präsident an.

Ahmadi-Nejad erklärte, dass "die Feinde" die Ausfuhren behinderten. "Wir werden das hoffentlich ausgleichen können." Die Zentralbank habe genug harte Devisen bereitgestellt, um Importe zu finanzieren. Der Präsident warf den Gegnern der Islamischen Republik vor, einen "psychologischen Krieg" zu führen. Es gebe für den Kursverlauf des Rial keinen wirtschaftlichen Grund.

Währungszentrum soll Devisenversorgung sichern

In der vergangenen Woche hatte die Regierung ein Währungszentrum eingerichtet, das Importeure mit Dollar versorgen soll. Das scheint den Rial-Kursverfall eher beschleunigt zu haben. Dagegen sagte Wirtschaftsminister Schamseddin Hosseini der Nachrichtenagentur Mehr, das Währungszentrum werde Schritt für Schritt fertiggestellt "und das führt schließlich dazu, dass den Gaunern das Handwerk gelegt wird". (red/Reuters, derStandard.at, 4.10.2012)

Share if you care.