Wiener Parkpickerl: Mehrere hundert Strafen am ersten Tag

4. Oktober 2012, 11:53
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Pendler und Besucher weichen an den Stadtrand aus - Betroffene Politiker kritisieren sich gegenseitig

Wien - Am Montag ist die neue Parkpickerlregelung in Wien in Kraft getreten, nach dreitägiger Schonfrist stellen Polizei und städtische Parkwächtertruppe seit Donnerstag auch Strafzettel aus. Den Informationsbroschüren, die in den vergangenen Tagen schon hinter die Scheibenwischer von Falschparkern geklemmt wurden, liegen nun Erlagscheine über 36 Euro bei.

In den Gemeindebezirken Meidling, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring und Hernals wurden weite Flächen zu Kurzparkzonen umgewidmet, nur Anrainer mit dem blau-weißen Pickerl auf der Scheibe dürfen länger als drei Stunden stehen bleiben.

Bis zum frühen Nachmittag hat es laut Parkpickerlkoordinator Leopold Bubak schon 875 sogenannte Beanstandungen gegeben: "Das ist eigentlich schon sehr viel und wird noch steigen", sagte Bubak im Gespräch mit der APA.

Meiste Strafen in Meidling

Die meisten der Strafen hätte es bisher in Meidling gehagelt: "Dort haben wir bis am Nachmittag 320 Beanstandungen gehabt", stellte Bubak fest. Er rechnete aber, dass bis zum Abend hin die Anzahl der ausgestellten Organmandate in der Höhe von je 36 Euro noch weiter steigen werde.

Auswirkungen sind zu beobachten

Pendler und Besucher müssen nun an den Stadtrand ausweichen oder in Bezirke wie Währing und Hietzing, die noch nicht Teil der Parkraumbewirtschaftung sind.

Das wirkt sich aus: Während in den neuen Zonen Stellflächen im Überfluss vorhanden sind, wurden sie außerhalb plötzlich Mangelware. Auch die Betreiber der großen Parkgaragen in den äußeren Stadtgebieten und in Niederösterreich melden eine deutlich erhöhte Auslastung. Die Kapazitäten der Park-and-Ride-Anlagen in Hütteldorf und Ottakring sind laut einem Bericht von orf.at voll ausgeschöpft.

Auch auf die Bezirke innerhalb des Gürtels scheint sich die Neuregelung auszuwirken. Weil viele Bewohner von Margareten, Mariahilf, Neubau und Josefstadt, die bisher außerhalb des Gürtels geparkt haben, auch dort nicht mehr stehen bleiben dürfen, schnellten die Anträge auf Parkpickerl in diesen Bezirken hoch. Laut orf.at handelt es sich hier allein in den vergangenen Tagen um mehr als 500 neu beantragte Pickerl.

"Diktatorische" Pickerleinführung

Während die Wiener Grünen die Wirksamkeit des Parkpickerls bekräftigen, weil "durch den geringeren Parkplatzsuchverkehr und den Rückgang an PendlerInnen-Autos die Feinstaub- und Lärmbelastung zurückgehen", spricht ÖVP-Stadtchef Manfred Juraczka in einer Aussendung von grünem "Autofahrer-Bashing pur". 

Karl Homole, der ÖVP-Bezirksvorsitzende von Währing, wirft der rot-grünen Stadtregierung vor, "das Parkpickerl diktatorisch über die Menschen hinweg eingeführt zu haben". Die Bewohner Währings haben sich in einer von Homole lancierten Befragung deutlich gegen die flächendeckende Kurzparkzone ausgesprochen.

Bezirkspolitische Scharmützel

Die SPÖ wiederum bezeichnete Homole als "einzigen Bremser" bei einer konstruktiven und zielführenden Verkehrslösung in Währing. SPÖ-Bezirkschef Josef Eichinger nannte die Vorgeschichte der Zonenausweitung einen "demokratiepolitisch vollkommen korrekten Vorgang. Hier von einer diktatorischen Maßnahme zu sprechen offenbart, wie sehr Homole das Wasser bis zum Hals steht."

Homole selbst fordert eine sofortige Rücknahme der neuen Regelung und den Rücktritt von Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne). Kritik an den Grünen kommt auch von der FPÖ, deren Verkehrssprecher Anton Mahdalik grüne Schadenfreude über die "kriegsähnlichen Zustände auf den Straßen" ortet.

VCÖ lobt, ÖAMTC kritisiert

Uneins über den Erfolg des Pickerls sind sich auch die Verkehrsclubs. Laut VCÖ haben die neuen Zonen eine "spürbare Entlastung gebracht. Deshalb sollte die Parkraumbewirtschaftung rasch auf weitere Bezirke ausgeweitet werden, um Verdrängungseffekte zu vermeiden."

Für ÖAMTC-Sprecher Bernhard Wiesinger hingegen ist das "gesamte Projekt Kurzparkzonen-Erweiterung geprägt von fehlender Transparenz und mangelnder Bürgerbeteiligung". Vor allem die schlecht kommunizierte Ausweitung der Zone in Gebieten des 2. und 3. Bezirks kritisiert Wiesinger. (red, derStandard.at, 4.10.2012)

  • Parkplätze gibt es in den neuen Kurzparkzonen reichlich. Anders als früher muss das Fahrzeug dafür aber seit Montag mit Parkpickerl oder Kurzparkschein ausgestattet sein. Wer zuwiderhandelt, wird ab heute bestraft.
    foto: privat

    Parkplätze gibt es in den neuen Kurzparkzonen reichlich. Anders als früher muss das Fahrzeug dafür aber seit Montag mit Parkpickerl oder Kurzparkschein ausgestattet sein. Wer zuwiderhandelt, wird ab heute bestraft.

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