Zebra vor Windrad statt Gnus vor Kohlekraftwerk

Südafrika entdeckt den Wert erneuerbarer Energien

Johannesburg/Wien - Wenige Länder haben bessere Voraussetzungen, ihren Energiebedarf großteils mittels Sonne, Wind und Wasserkraft zu decken, als Südafrika. Auf der Sollseite stehen gut 300 Sonnentage im Jahr, lange Küsten mit guten Winden sowie große, unbesiedelte Flächen. Auf der Habenseite steht indes noch fast nichts. Doch das könnte sich ändern.

"Früher waren erneuerbare Energien ein Nullthema in Südafrika. Inzwischen hat es schon drei Kapazitätsausschreibungen für erneuerbare Energien gegeben, die letzte im August", sagte Stefan Pistauer dem Standard. Pistauer war sieben Jahre Wirtschaftsdelegierter in Johannesburg und ist nun fix in die Wirtschaftskammer nach Wien zurückgekehrt.

Förderstruktur ist noch unklar

Bei den Ausschreibungen seien private Investoren eingeladen worden, sich mit Ideen im Bereich Wind, Solar und Biomasse einzubringen. Der Zuschlag erging oder ergeht noch an Projekte, die die ausgelobten Megawatt (MW) zu niedrigsten Kosten garantieren.

Neben den natürlichen Ressourcen machen vor allem die Zielsetzungen der Regierung in Pretoria (18.000 MW erneuerbare Energiequellen bis 2030) den Markt Südafrika attraktiv. In der ersten Ausschreibungsrunde wurden gut 600 MW an Windenergieprojekten vergeben; sie sollen 2013 ans Netz. In den ersten drei Runden ging es um insgesamt 3600 MW erneuerbare Energien.

Derzeit ist noch unklar, welche Förderstruktur auf die Kapazitätsausschreibungen folgen wird, um das Ziel von 18.000 MW bis 2030 zu erreichen. Manche Experten jedenfalls meinen, dass Südafrika-Besucher dereinst mehr Zebras vor Windrädern oder Solaranlagen sehen werden als weidende Gnus vor Kohlekraftwerken.

90 Prozent aus Kohlekraftwerken

Heute ist das noch anders. Etwa 90 Prozent der in Südafrika nachgefragten Energie wird in Kohlekraftwerken produziert. Zusätzlich gibt es Atomstrom. Der Anteil erneuerbarer Energien ist mikroskopisch klein.

Südafrika hatte früher die weltweit niedrigsten Strompreise. Nach Stromengpässen hat sich das Blatt gewendet. Das dritte Jahr in Folge wurden im heurigen Sommer die Strompreise um durchschnittlich 25 Prozent erhöht. (Günther Strobl, DER STANDARD, 4.10.2012)

Share if you care