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vergrößern 645x430Salzburg und Tirol beherbergen 50 Prozent der 1,9 Millionen Gästebetten Österreichs.
Salzburg - Nicht nur der faire Preis, die Lage und gutes Essen spielen bei der Urlaubsentscheidung von Gästen eine Rolle, auch die Baukultur ist ein subtiler Wohlfühlfaktor, der noch gesteigert werden kann. Gerade im alpinen Raum schätzen die Gäste die typischen Dorfbauten. Moderne Hangbauten und Hochhäuser werden mehrheitlich abgelehnt, zeigt eine aktuelle Befragung unter 200 Urlaubsgästen.
Zwar finden rund 80 Prozent der Gäste die Häuser im Salzburger Land überwiegend schön, doch auch den restlichen 20 Prozent solle man entsprechen, meint Leo Bauernberger, Geschäftsführer der SalzburgerLand Tourismus GmbH. "Gute Architektur ist eine Visitenkarte für eine Urlaubsdestination", sagt Bauernberger. Gäste im alpinen Raum schätzen Architektur die landschaftlich angepasst, alpin-traditionell, klein, intim und außergewöhnlich ist. "Eine Baukultur die auf regionalen Materialien und Elementen basiert und in die behutsam moderne Elemente einfließen, wird präferiert", fasst Braunberger zusammen. Und: "Die Gäste suchen Authentizität sowie regionale Identität".
Spitzenreiter Saalbach
Mit dem zweitägigen Symposium "Länger zu Gast - Baukultur im Tourismus", erhofft sich Roman Höllbacher von der Initiative Architektur auch bei der Hotellerie das Bewusstsein zu schaffen, wie wichtig Architektur für den Tourismus ist. Die Tagung richtet sich an Hoteliers, Investoren, Tourismusverbände und Architekten. Donnerstag und Freitag sollen im Dialog Wege für die Entwicklung einer spezifischen Baukultur im Tourismus gefunden werden.
Der österreichische Tourismus ist sehr konzentriert: 50 Prozent der 1,9 Millionen Gästebetten in 65.200 Betrieben befinden sich in Salzburg und Tirol. Abgesehen von Wien, ist Saalbach-Hinterglemm mit 17.000 Betten im Winter und 14.000 im Sommer, der Ort mit den meisten Betten in Österreich. Das führe auch zu negativen Entwicklungen: "Richtige Bettenburgen entstehen in den viel besuchten Gebieten", sagt Höllbacher. Der Tourismus im Alpenraum stehe vor erheblichen Herausforderungen.
"Zugepappte Einzelteile"
Eine Eigenheit in der österreichischen Tourismusarchitektur sind An- und Weiterbauten. Der Hotel-Neubau ist die Ausnahme. Oft erbe die junge Generation ein Hotel, das ab den 50er-Jahren unsystematisch in mehrere Etappen gewachsen ist. "Zugepappte Einzelteile zu einem heterogenen Gesamtbild zu gestalten, ist ein Kraftakt", betont der Architekturhistoriker Norbert Mayr. Eine Methode Einzelbauten zusammenzufügen, ist die Überformung. Als besonders gelungenes Beispiel für einen derartigen Umbau sieht Mayr die Seevilla Freiberg in Zell am See (siehe Bild). Die Anlage ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich gewachsen. "Mit der klar akzentuierten Überformung des Haupthauses und des angrenzenden Zimmertraktes konnte der Salzburger Architekt Stephan Schurich ein einheitliches Erscheinungsbild generieren", erläutert Mayr.
Ein wichtiger Punkt sei auch die Innenarchitektur. In touristischen Bauten werde zwar viel dekoriert, doch "es geht um die Qualität der Gestaltung", sagt Mayr. Wenn Altholz auf Beton getackert werde, sei das freilich nicht optimal. Aber es müsse nicht alles erneuert werden. Oftmals könne der Bestand intelligent genutzt werden. Etwa ein Teppichboden aus den 70er-Jahren herauszureißen und den Unterboden zu restaurieren.
Da in der schnelllebigen Tourismusbranche immer Neuerungen erwartet werden, solle auch das Potenzial von gemeinsamer Infrastruktur nicht unterschätzt werden. So könnten zum Beispiel die schon als selbstverständlich angesehenen Wellness-Bereiche von zwei Hotels genutzt werden. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2012)
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