Kapsch und Fekter uneins bei Forschungsförderung

4. Oktober 2012, 13:00
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Die EU hat ihre Förderung für industrielle Forschung umgestellt und lässt das Geld künftig Klein- und Mittelbetrieben zukommen

Alpbach - Die EU hat ihre Förderung für industrielle Forschung umgestellt und lässt das Geld künftig Klein- und Mittelbetrieben zukommen und nicht mehr der Großindustrie. Das könnte zur Abwanderung von forschungsintensiven Leitbetrieben führen, was auch die KMU treffen würde, kritisierte der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, am Mittwochabend bei der Eröffnung des Alpbacher Finanzsymposiums. Es sei zwar falsch gewesen, dass die Großindustrie bisher den Großteil der Fördermittel kassierte, aber ganz ausschließen dürfe man sie auch nicht.

Das veranlasste Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) mit den Worten "jetzt hat er mich provoziert" spontan aus dem Zuhörerraum auf das Podium zu stürmen. Die großen Firmen hätten "die Töpfe ausgeräumt" für Forschung, die sie ohnehin betrieben hätten. Dabei gebe es gerade in Österreich viele mittelständische Unternehmen, die in ihren Nischen "Weltmeister" seien und Unterstützung bräuchten. Österreich sei bei der öffentlichen Forschungsförderung Nummer drei in der OECD aber bei privaten Forschungsgeldern "grottenschlecht", so Fekter.

Immerhin 60 Prozent der Forschungsgelder kommen aus der Industrie, warf Kapsch dagegen ein, "aber gefördert über öffentliches Geld", wischte dies Fekter beiseite. Kapsch sieht durch die neue Förderpolitik auch weniger Probleme für die Großindustrie, aber "gerade Unternehmen mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern kommen unter die Räder". Aber er sei gerne bereit, zu Fekter ins Büro zu kommen, um über den Rahmen für die Förderung industrieller Forschung zu diskutieren, bot der oberste Vertreter der heimischen Industrie an.

Molterer macht sich Sorgen um Mittelstand

In Sachen Förderung hat auch Wilhelm Molterer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), etwas zu sagen. Besondere Sorgen machen ihm die mittelgroßen Unternehmen (midcaps). Die kleinen könnten sich in den Regionalbanken finanzieren, die großen am Kapitalmarkt Geld aufnehmen, aber die dazwischen seien "für die Banken zu groß, für den Kapitalmarkt zu klein". Außerdem seien insbesondere in diesem Bereich viele Unternehmen innovativ, ohne förderbare Forschung im eigentlichen Sinn zu betreiben - aus der Produktion heraus. Hier Unterstützung zu gewähren sei eine wichtige Aufgabe, auch für die EIB, meinte Molterer am Donnerstag beim Finanzsymposium in Alpbach. (APA, 4.10.2012)

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