Romneys große Show

Eric Frey
4. Oktober 2012, 08:01

Im TV-Duell konnte der Herausforderer überzeugen, weil er sein wahres Programm vertuschte – und Obama dies zuließ

Es war ein fantastischer Abend für Mitt Romney. Der republikanische Präsidentschaftskandidat präsentierte sich in der ersten TV-Debatte sympathisch, warmherzig, kompetent und äußerst moderat. Präsident Barack Obama wirkte hingegen müde, lustlos, langatmig und offensichtlich frustriert, hier überhaupt diskutieren zu müssen.

Wenn solche Debatten Wahlkämpfe mitentscheiden  – und darüber gehen die Meinungen auseinander – dann sind Romneys Siegeschancen am 6. November trotz seiner schlechten Umfragewerte intakt.

Was an diesem Debatte so frustrierend war, ist, dass Romney eine Show abzog, die mit seinem eigentlichen politischen Programm nicht viel zu tun hat. Vielleicht ist Romney tatsächlich so moderat, wie er sich gab – für Finanzmarktregulierung, gegen Steuersenkungen für die Reichen, für den Ausbau des Schulsystems –, aber seine Partei hat ihn nicht nominiert, um eine solche Politik zu machen. Und Romney hat auch bisher so ziemlich das Gegenteil versprochen.

Während der Vorwahlen hatte ein Romney-Berater den Wahlkampf einmal mit einer Zaubertafel  (Etch-A-Sketch) verglichen, bei der das einmal Gezeichnete mit einer Bewegung gelöscht werden kann.  Genau das tat Romney in dieser Debatte.

Deshalb hatte Obama in den meisten Sachpunkten recht. Romneys Programm sieht wirklich Steuersenkungen um fünf Billionen Dollar vor, ohne zu sagen, welche Schlupflöcher und Absetzmöglichkeiten im Gegenzug geschlossen werden sollen.

Das ist kein Zufall: Denn um das zu tun, müsste Romney Privilegien wie die Absetzbarkeit von Hypothekarkrediten abschaffen, die ungemein populär sind. Daher ist mit einer weiteren Ausweitung des ohnehin schon riesigen Defizites zu rechnen.

Romneys Plan für die staatliche Krankenversicherung Medicare würde wirklich die Versorgung für viele Senioren verschlechtern. Und die geplante Zurücknahme von Obamas Gesundheitsreform ist inkonsistent, weil Romney die privaten Versicherungen weiterhin zwingen will, alle Kunden mit bestehenden Krankheiten zu versichern, ohne dass er ihnen den Pool der unversicherten Gesunden eröffnet.

Obama hat in der Debatte weitaus weniger versprochen. Er hielt sich zumeist an die Fakten, und die sind kompliziert und nicht leicht verständlich. Allerdings entsprachen seine langatmigen Ausführungen viel eher der wirtschaftlichen Realität als Romneys "soundbites".

Dem Präsidenten ist es an diesem Abend nicht gelungen, den Unterschied zwischen seiner ernüchternden Ehrlichkeit und Romneys sonnigen Illusionen herauszuarbeiten. Wenn Romney damit in den kommenden Wochen und am 6. November durchkommt, dann wäre das der Sieg von Seifenoper über Dokumentarfilm, von Schein über Fakten.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob amerikanische Wähler sich so leicht in die Irre führen lassen.

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Ok und wer hat die Probleme verursacht?
Nur weil eine Putzfrau das Wc putzt heißt es nicht, dass es vorher von ihr schmutziggemacht wurde?
na von wem kommt die Devise. jedem Amerikaner ein Haus?
Wozu hat es geführt?
Wer räumt jetzt den Schmutz weg...
Kleine Denkanstöße. Bin aber überzeugt, wenn sie diese benötigen, es für sie sowieso zu hoch ist...

Europa hat Probleme weil Amerikas Finanzsystem so herumgepfuscht hat und unseren Banken faule Kredite verkauft hat...
Danach kamen Konjunkturprogramme und Bankenrettungen, die zu dieser hohen Staatsverschuldung und den jetzigen Problemen geführt haben.
Die Krise geht eindeutig von Amerika aus!

Die Frage, die uns jetzt alle beschäftigt

schafft Obama den Grand-Slam?

*klapp* *klapp*

*klapp* *klapp*

Hört Ihr das?

Es sind die Obama-Fans, die um den Wahlerfolg Ihres Auserwählten nun zittern wie Espenlaub...

*klapp* *klapp*
*klapp* *klapp*

Wie finden sie als Konservativer es eigentlich, dass Romney sich gegen Ausgabenkürzungen bei Medicare und effektive Steuersenkungen ausspricht? Wusste ja gar nicht, dass sie so auf sozialistische Politik abfahren.

Ich bin

kein Konservativer und offen gesagt ist es mir genau wurscht was der amerikanische Präsident mit Medicare und Steuersenkungen macht.

Wichtig aus meiner Sicht ist, dass der amerikanische Präsident einen offensiven amerikanischen Kurs geht und sich nicht dafür schämt oder entschuldigt. Dass er ein leuchtendes Vorbild für die Welt ist und die Ideale der freien Marktwirtschaft, des Unternehmertums, der Eigenverantwortung hochhält.

Einen Präsidenten, der Amerika zu einem Europa-Sozialstaats-Abklatsch machen will, brauche ich nicht. Es gibt schon genügend europäische Länder, die sich mit ihren Ausgaben gerade ins Grab bringen und dem Etatismus frönen. Amerika hingegen soll Amerika bleiben....

Romney hat gestern Obama links überholt. Er hat versprochen Ausgabenkürzungen bei Medicare rückgängig zu machen (normalerweise sagen ja Republikaner immer, dass sie genau das wollen) und gleichzeitig hat er sich von seinen Steuersenkungen für Superreiche distanziert. (Ebenfalls ein Herzstück republikanischer Politik.)

Obama wurde damit auf dem falschen Fuß erwischt und hat sich die ganze Debatte nicht mehr erfangen.

Was hat man als Durchschnittsmensch davon, den Republikaner zu wählen?

Ich wähle schon seit 20 Jahren die Grünen

obwohl sie in jeder einzelnen Fragen alles mir zu Fleiss machen. Ist nicht immer so logisch:)

Nichts.

Leider macht der Durchschnitt aber selten das wovon er wirklich was hat.

Viele Menschen wählen nicht das, was ihnen gut tut

sondern den, der das verkörpert, was sie gerne WÄREN (siehe Strache, Haider, Stronach & Co). Auch Ronald Reagan wurde hauptsächlich vom Mittelstand gewählt - den er dann vernichtet hat Ist leider so!

ruhig blut erstmal,

also diese kolumnen hier sind ja besser als die realität, einfach köstlich.

gut, objektiv ist mal keiner. sponsert obama hier wen?
wenns um naivität geht, weiss ich gewiss, wer vorne liegt.

fakten?
zu weihnachten 2011 hat obama die 100% verschuldungsgrenze gerissen. vorgestern die 103%.
wieviele billionen schulden kamen unter obama dazu?

(ohne fed implizite) raten wir mal auf gefühlte 5 bis 6 echte us dollar billionen. keine wunder bei einem defizit von mind. 1 billion im jahr - auf die nächsten jahrzehnte, wenns denn ginge (egal wer regiert)

aber egal, wer wie was tun wird. obama ist spitze. seine show ist besser, ich weiss.

aber trösten wir uns: die tv auftritte beieinflussen keine 10% der unentschlossenen wähler.

der rest ist eh fi

dass diese Schuldengrenze plötzlich über dem Radar liegt wundert mich immer wieder. Unter Bush ist diese Grenze wie unter nahezu jedem anderen Präsidenten ohne großes Theatergrollen erhöht worden.

Nur diesmal musste eine Partei in Verbindung mit der Unwissenheit und Einfältigkeit der Leute unbedingt damit ins Feld ziehen.

Also ich weiß was ich davon zu halten habe.

es ist erstaunlich wie nachhaltig obama die finanzkrise vorgeworfen wird, and das am liebsten von denjenigen die sie am meisten mitverschuldet haben: den deregulatorikern.

wir wissen alle nicht wie die usa heute unter einem rep praesidenten dastehen wuerde. das argument der schulden ist in der debatte einfach nicht stichhaltig.

Ich kenn mich nicht so gut mit den jeweiligen Positionen der Parteien zur Schuldenpolitik aus, daher frag ich mal: Wären unter einem republikanischen Präsidenten die Schulden niedriger gewesen? Und wenn ja, warum?

Und wie würden Romneys Steuersenkungen dabei helfen?

Klar sponsert Obama den Standard. Ist ja wahlentscheidend in den USA, was in einer österreichischen Kleinzeitung steht.

Die 750-Zeichen-Grenze sei gelobt.

x

fehlte.

ich wäre dafür, sie auf 751 zu erhöhen.
es fehlt nämlich immer nur eins, das nächste.

Fakten interessieren doch fast niemanden mehr in den USA.

Schon der Carter Jimmy hat damals böse eine aufs Maul bekommen als er gesagt hat wies so aussieht wenn man nicht einen Stufe rutner dreht- der Reagon hat gechecked dass man mit "träumen" weiter kommt als mit der wahrheit auch wenns wohl irgendwann dann kracht...

Die Fakten sind kompliziert

schwer verständlich und kaum nachprüfbar. Halte deshalb die "Richtung" die ein Land einschägt für wesentlich wichtiger. Das kann man auch leichter bei einer solchen Diskussion transportieren.

....just some sith-lord mind tricks

Bei Präsidentenwahlen, an der Börse, bei den Ratingagenturen zählen offenbar nur mehr schwankende Stimmungen und der Eindruck den jemand, oder etwas macht!

Und da denke ich mir oft, das kann es doch nicht sein: Auch ein Krokodil das ruhig und leise im Wasser beim Ufer liegt macht einen entspannten und friedlichen Eindruck! Auch ein Tiger sieht recht kuschelig aus, wenn er schläft und tötet Wärter im Zoo mit einem Biss, wenn sie unachtsam sind.

So eine naive Menschheit wäre doch schon ausgestorben, wenn sie nicht gelernt hätte hinter die Kulissen zu blicken und ein paar Zusammenhänge zu erkennen!

Ich denke es sind nicht alle Wähler so blöd, wie sie von Politikern offenbar eingeschätzt werden. mM

[as predicted] [US2012]

Das hat sich leider schon die ganze Zeit über abgezeichnet.
Siehe: www.derstandard.at/plink/134... 9/28280461
Ich glaube Obama hat seinen Gegner unterschätzt.

korrektur

Obama hat ihn nicht unterschätzt, sondern erst einmal kennen gelernt. Hat eine auf die Nase bekommen, aber es war kein KO. Es war ein OK für die nächste Runde.

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