Deutsche Telefonica-Tochter O2 soll noch im Oktober an die Börse

3. Oktober 2012, 14:37
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500 Millionen Euro Dividende für heuer geplant - Weitere Erhöhung vorgesehen - Spanische Muttergesellschaft will Mehrheit behalten

Zum ersten Mal seit fünf Jahren könnte noch im Oktober ein milliardenschwerer Börsengang in Deutschland über die Bühne gehen: Der spanische Telefonriese Telefonica hat am Mittwoch offiziell angekündigt, Deutschlands kleinsten Mobilfunkanbieter O2 noch in diesem Jahr an die Frankfurter Börse zu bringen. Banker erwarten, dass die Spanier Ende des Monats bis zu 20 Prozent an der Telefonica Deutschland Holding AG über die Börse verkaufen werden, um Schulden abzubauen. Telefonica hielt sich zum Volumen des Börsengangs bedeckt und erklärte nur, die Mehrheit behalten zu wollen.

"Die Anleger wollen eine liquide Aktie. Deshalb darf das Volumen nicht zu klein sein"

Im November 2007 war die Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA das letzte deutsche Unternehmen, das mehr als eine Milliarde Euro mit einem Börsengang erlöst hatte. Nun könnte Telefonica Deutschland folgen. Bei dem Initial Public Offering (IPO) könnte das Unternehmen mit 7,5 Mrd. Euro bewertet werden, sagte ein Insider. Bei einem Volumen von 20 Prozent könnte der IPO damit 1,5 Mrd. Euro bringen. Doch der Spielraum ist noch groß, zunächst soll das Interesse der Investoren ausgelotet werden. "Die Anleger wollen eine liquide Aktie. Deshalb darf das Volumen nicht zu klein sein", sagt ein Banker aus dem Konsortium.

Verkauft werden nur Aktien aus dem Besitz von Telefonica, eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant. Der Erlös geht damit an die mit mehr als 50 Mrd. Euro verschuldeten Spanier, O2 muss die Aufrüstung des deutschen Mobilfunknetzes auf den modernen LTE-Standard aus dem operativen Geschäft finanzieren. 2013 und 2014 zusammengenommen werde das aber weniger kosten als der Aufbau des 3G-Netzes 2010, erklärte der Konzern. Damals hatte Telefonica Deutschland nach Angaben eines Sprechers 678 Mio. Euro investiert.

1,1 Mrd. Euro Schulden

Gelockt werden die Anleger mit einer hohen Dividende: 500 Mio. Euro soll Telefonica Deutschland 2013 ausschütten - und in den Folgejahren noch mehr. Der Löwenanteil davon geht aber auch nach Spanien. Immerhin hat Telefonica der deutschen Tochter nur 1,1 Mrd. Euro Schulden aufgeladen. Das ist etwa so viel wie der operative Gewinn (OIBDA) im vergangenen Jahr - und diese Verschuldungsquote solle auch nicht steigen, verspricht Telefonica.

Die Investitionen der Vergangenheit lasten allerdings auf dem Gewinn: Unter dem Strich blieb 2011 bei 5 Mrd. Euro Umsatz nur ein Gewinn von 71 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2012 verdiente Telefonica Deutschland mit O2 und der Billigmarke Fonic operativ 597 (Vorjahr: 532) Mio. Euro bei 2,55 (2,44) Mrd. Euro Umsatz. "Der positive Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2012 belegt unser nachhaltiges Wachstum", sagte Finanzchefin Rachel Empey. "Wir streben auch weiterhin profitables Wachstum und Effizienzsteigerungen an, die zu einem höheren Cashflow führen."

In Osteuropa und Lateinamerika hat Telefonica Tochterfirmen bereits an die Börse gebracht. Deutschland haben die Spanier aus drei Gründen auserkoren. Das Land gilt als Fels in der Brandung, während die Konjunktur anderswo in der Schuldenmisere stottert. "Das ist das Juwel in der Krone", wirbt ein Banker. Der hiesige Mobilfunkmarkt gehört zu den "allerstärksten in Europa", wie die Analysten von Merrill Lynch erklären. Der Umsatz der Branche in Deutschland zog im zweiten Quartal um 3,3 Prozent an, während er im Rest Europas um vier Prozent einbrach. Zudem lässt sich O2 als Wachstums-Story verkaufen: Gut 1,3 Millionen Handy-Kunden wurden 2011 gewonnen. Insgesamt zählt O2 25 Millionen Anschlüsse.

Doch die besten Zeiten könnten bald vorbei sein: Die Bundesnetzagentur setzt Ende des Jahres zu einer neuen Gebührensenkungsrunde an, die die vier Mobilfunknetzbetreiber Millionen an Umsatz kosten dürfte. Der Gebührenschnitt dürfte das Wachstum der Unternehmen in Deutschland auf annähernd Null drücken, erläutert Merrill Lynch. (APA, 03.10. 2012)

 

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