Duell mit dem zukünftigen Ich

Dominik Kamalzadeh, 3. Oktober 2012, 17:09
  • Joseph Gordon-Levitt (li.) und Bruce Willis hadern in "Looper" mit dem 
Schicksal, das sie über die Grenzen der Zeit zusammenführt.
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    Joseph Gordon-Levitt (li.) und Bruce Willis hadern in "Looper" mit dem Schicksal, das sie über die Grenzen der Zeit zusammenführt.

Dem US-Regisseur Rian Johnson ist mit "Looper" ein verblüffend origineller Science-Fiction-Film geglückt

Joseph Gordon-Levitt teilt sich darin mit Bruce Willis Identität und Zukunft.

Wien - Einen Looper stellt man sich am besten als jemanden vor, der sich auf ein Duell mit einem Kontrahenten aus der Zukunft einstellt. Er hat dabei den entscheidenden Vorteil, dass er immer weiß, wo und wann sich sein Gegenüber materialisiert - gleich einem Gefangenen, gefesselt, mit einem Sack über den Kopf.

Es handelt sich um ein schmutziges Geschäft im Jahr 2044. Eigentlich verbotene Zeitreisen werden von der Unterwelt aus der noch ferneren Zukunft heimlich dazu genützt, Menschen in die Vergangenheit abzuschieben, wo sie dann kaltblütig liquidiert und entsorgt werden. Der Plastikuntersatz steht immer schon bereit.

Wie eigentlich bei fast allen Zeitreise-Filmen darf man sich auch in Rian Johnsons Science-Fiction-Thriller Looper, der seit seiner Premiere auf dem Filmfestival von Toronto begeisterte Resonanz findet, nicht allzu lange mit logischen Fragen aufhalten, sonst droht ein gordischer Knoten im Kopf. Dafür gibt es im Film sogar einen amüsanten selbstreferenziellen Moment, wenn sich Old Joe (Bruce Willis) und Young Joe (Joseph Gordon-Levitt) in einem Diner gegenübersitzen und sich nicht lange mit dieser paradoxen Lage aufhalten, da es ja doch niemanden weiterbringt.

Johnson inszeniert mit einem vergleichbaren vorwärtsgerichteten Blick, denn er will die Dinge in Bewegung halten und nicht ihre Rückseiten studieren. Der originelle Twist des Films, so viel darf man hier auch Spoiler-bangen Zusehern verraten, besteht nun darin, dass ein Looper irgendwann seinem älterem Ich gegenübersteht - und wenn er abdrückt, gibt es einen Golden Handshake und "quality time" bis zum tödlichen Rendezvous.

Tut er es jedoch nicht, haben beide Ichs keine ruhige Minute mehr, weil ein omnipotenter Bösewicht aus der Zukunft alles unternimmt, den Riss im Zeitkontinuum wieder zu schließen. Joe hat nun ebenjenes Problem, dass ihm sein besonders hartnäckiges Alter Ego in Gestalt von Willis begegnet.

Tragisch und romantisch

Er bewegt sich in Looper fokussiert auf der Leinwand wie zu seinen besten Zeiten - und sein Drang, das eigene Leben (und jenes seiner zukünftigen Frau) zu retten, erscheint tragisch und dämonisch zugleich. Rian Johnson weckt nicht nur damit Erinnerungen an andere Science-Fiction-Filme, am offensichtlichsten wohl an Terminator, La Jetée (bzw. 12 Monkeys) oder The Fury, doch er macht dabei nicht den Fehler, die Analogien überzustrapazieren.

Looper ruft geschickt das Gedächtnis des Kinos ab, um ein Universum zu schaffen, in dem es zu neuen, verblüffend wirksamen Verbindungen bekannter Teile kommt.

Eine Noir-Stadt, in der Verbrechen auf offener Straße geschehen, bestimmt den ersten Teil des Films, sie weicht schließlich einem ländlicherem Setting - der Farm von Sara (Emily Blunt) und ihrem Sohn, bei denen der jüngere Joe Unterschlupf findet. Von der Dynamik des Verfolgtseins wechselt der Held schleichend in einen Beschützermodus über. Damit wird auch die Montage merkbar ruhiger, die Handlung faltet sich in mehrere Richtungen, es wächst das Mysterium um jene paar Möglichkeiten, mit denen sich vielleicht etwas an der Zukunft verändern lässt.

Berührende Superkräfte

Manches an Johnsons stilistischen Anstrengungen mag überzogen wirken - etwa der Versuch, Gordon-Levitt kosmetisch an Willis anzunähern, was einen eher störenden Verfremdungseffekt generiert. Doch das tut eigentlich wenig zur Sache bei einem Film, der sich nicht auf das mechanische Abrufen von Standardsituationen beschränkt, sondern der auch große Gesten und ein gewisses Pathos riskiert, um Spezialeffekten eine entsprechende emotionale Resonanz zu verleihen: So berührend wie in Looper waren Superkräfte im Kino schon länger nicht mehr. (Dominik Kamalzadeh, 4.10.2012)

Ab Freitag im Kino

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mir war er etwas zu action bzw. schießerei-lastig, sonst recht unterhaltsam!

also bei mir hat sich beim lesen des artikels ein gordischer knoten im kopf gebildet

klar, einfach und verständlich schreiben ist eine kunst. nicht irgendwelche pseudointellektuellen sätze zeigen, dass jemand wirklich schreiben kann. es beweist eher das gegenteil.

(action-)filme mit bruce sind immer sehenswert, auch wenn die handlungslogik des öfteren hinterherhinkt.

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-apparently no spoilers: JUHUUU =)

-scroll up again: check
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Hahaha, genau so lesen Standard-erfahrene die Kinokritiken.
Ihr Posting war auch das erste was ich an diesem Artikel gelesen habe.

Das war jetzt aber ein Spoiler auf den Artikel!

so

und nicht anders.

noch einmal gehe ich dem standard nicht mehr in die falle :)

Habe gerade das selbe Vorgehen praktiziert. :)

Ich bin ohne große Erwartungen ins Kino

und wurde dann doch überrascht. Gute schauspielerische Leistung, super Soundtrack und sehr gut inszeniert. Die Stimmung wird sehr gut erzeugt. Meiner Meinung nach einige unlogische Handlungsteile, die halt durch das Zeitreisenparadoxon/dilemma entstehen. Ansonsten recht spannender Plot.

Klare Empfehlung.

mal wieder eine ganz ausgefallene story...

Der Film war eine echte Überraschung -> unbedingt ansehen!

Kinder wie die Zeit vergeht!

Ich kann mich noch genau daran erinnern den Trailer zu "Looper" gesehen und anschließend herzhaft geflucht zu haben, weil am Ende irgendwas von "late 2012" gestanden ist, was mir wie eine Eeewigkeit erschien...

Kann es sein, dass Zeitreisen alltäglich sind und gleich Bruce Willis vor der Tür steht? I gfrei mi jedenfalls drauf.

twelf monkeys

bzw: twelf mankis

Äbvel und Pirnen

"looper" könnte der "source code" 2012 sein
kein Hit, aber man behält ihn im Hinterkopf
und im Vergleich mit den rest ist er top.....

Source Code?

Den habe ich als äusserst langweilig und wenig originell empfunden.

looper ist aber um einiges besser als source code!

Guter Vergleich

Mich wundert ehrlich gesagt immer noch, dass Source Code so wenig mediale Liebe erfahren hat.

"so viel darf man hier auch Spoiler-bangen Zusehern verraten"

na endlich nimmt der kamalzadeh auf meine cineastischen bedürfnisse rücksicht!
dass ich das nochmal erleben darf!

ein novum

echt lobenswert

tolle besprechung, klingt interessant - schön wenn altmeister willis gut in form ist...

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