Analyse zeigt Beweglichkeit von Sauropoden-Hälsen

7. Oktober 2012, 18:44
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Deutsche Forscher untersuchten die langen Halsrippen der Giganten daraufhin, welche Kräfte an ihnen wirkten

Bonn - Das charakteristischste Merkmal der größten landlebenden Tiere aller Zeiten, der Sauropoden, war ihr langer Hals. Zugleich ist dies heute das am kontroversesten diskutierte Thema, sagt Nicole Klein vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. Einige Wissenschafter befürworten die Hypothese, dass die Sauropoden den Hals vor allem für das Fressen in hohen Bäumen nutzten und favorisieren somit eine eher vertikale Halshaltung. Andere hingegen argumentieren, dass die Sauropoden den Hals eher als horizontale Verlängerung nutzten und vor allem in niedrigen Bäumen und Sträuchern ihr Futter suchten bzw. den Boden abweideten.

Mit einer Knochenanalyse glauben Paläontologen der Universitäten und Flensburg nun die Frage nach der Haltung des Halses beantworten zu können: Abstützung spielte dabei offenbar weniger eine Rolle als hohe Beweglichkeit. Das verraten die Halsrippen, die bei Säugetieren und den meisten Vögeln stark reduziert sind - bei Sauropoden konnten sie hingegen meterlang sein.

"Seilzüge"

"Eine weit verbreitete Hypothese zur Halshaltung geht von einer Funktion der Halsrippen als Stützstäbe an der Halsunterseite aus", sagt Martin Sander vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. Durch diese Stützfunktion würde in erster Linie die Last des Halses abgefangen und zum Rumpf geleitet. Die konkurrierende Hypothese postuliert, dass die Halsrippen dazu dienten, parallel zum Hals verlaufende Muskelkräfte aufzunehmen. Dadurch wären schwere Muskelpartien zur Steuerung und zum Tragen des Halses nach hinten in den vorderen Rumpfbereich verlegt worden. Der Hals wäre dann wie bei einer Marionette durch "Seilzüge" bewegt worden und konnte somit deutlich schlanker und leichter werden.

Die Untersuchung der Mikrostruktur der Halsrippen ergab schließlich, dass die Halsrippen in erster Linie aus parallel zum Hals verlaufenden Fasern bestehen - "verknöcherten Sehnen" gleich. Die Ausrichtung der Fasern zeigt laut Klein eindeutig den Hals entlang verlaufende Zugkräfte an - und sei somit nicht mit der Stützstab-Theorie vereinbar. Die Ergebnisse legen somit einen leichteren und beweglicheren Hals nahe, als bislang für Sauropoden angenommen wurde. (red, derStandard.at, 7. 10. 2012)

  • Skelett eines Mamenchisaurus: Diese Gattung lebte im späten Jura und hatte einen extrem langen Hals, der etwa die Hälfte der Gesamtlänge ausmachte.
    foto: nicole klein/uni bonn

    Skelett eines Mamenchisaurus: Diese Gattung lebte im späten Jura und hatte einen extrem langen Hals, der etwa die Hälfte der Gesamtlänge ausmachte.

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