Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Moleskine genießt Kultstatus. Skizzen werden untereinander geteilt, viele führen gezeichnete Online-Tagebücher.
Walter Meischberger hat darin über seinen Freund Karl Heinz Grasser geschrieben und auch der junge Che Guevara notiert im Film die "Reise des jungen Che" seine Erlebnisse zwischen zwei Deckeln. Jung und Alt fahren auf das Notizbuch von Moleskine ab, das es erst seit 1997 gibt. Klassisches Design, das schon Van Gogh und Hemingway geliebt haben, wurde dank durchdachtem Marketing zum Kultobjekt. Ihren - mittlerweile markenrechtlich geschützten - Namen verdanken die Heftchen dem Schriftsteller Bruce Chatwin. Der britische Bestsellerautor dürfte sich dabei auf den schweren Baumwollstoff Moleskin bezogen haben, der die Buchdeckel im 19. Jahrhundert umhüllte.
Der große Erfolg treibt das italienische Unternehmen nun an die Börse. Der Schritt aufs Mailänder Parkett soll noch im Herbst erfolgen. "Ein erstes Fenster tut sich zwischen Ende Oktober und Anfang November auf", ließ Marco Ariello, Partner des Mehrheitseigners Syntegra Capital, letzte Woche aufhorchen.
Moleskine wäre nach Salvatore Ferragamo, Brunello Cucinelli und Prada bereits die dritte italienische Premiummarke, die innerhalb kurzer Zeit um die Gunst der Anleger buhlt. 250 Millionen Euro könnte der Börsengang bringen. Syntegra kann sich in diesem Fall über viel Geld freuen. 2006 hat die Finanzfirma einen 75-Prozent-Anteil am Heftchen-Produzenten erworben. Für rund 60 Millionen Euro.
Mit dem Geld will Moleskine international wachsen. Nach Europäern und US-Amerikanern sollen auch Asiaten auf den Geschmack kommen. Noch werden über 90 Prozent des Geschäfts mit Notizbüchern gemacht. 14 Millionen Stück gingen 2011 über die Ladentheken. Umsatz und Gewinn haben im Vorjahr 67 beziehungsweise 16 Millionen Euro betragen. Nun will man die Kunden dazu bewegen, sich auch mit Schreibwaren, Taschen und allerlei Lesebedarf einzudecken.
Moleskines Zielgruppe sind kreative und kulturbewusste Städter, die Firma nennt sie "zeitgemäße Nomaden". Seit dem Siegeszug von Facebook, Twitter und Co. verbringt diese immer mehr Zeit im Internet. Moleskine hat sich deshalb von Evernote eine eigene App entwickeln lassen, mit der das Verwalten und Teilen von Notizen und Zeichnungen revolutioniert werden soll.
Das papierne Notizbuch findet seine digitale Entsprechung, gewohnte Raster und Sticker inklusive. Die Anwendung soll sogar Handschriften erkennen können. Damit das klappt, sollte man das von Oma abgeluchste Rezept aber sauber niederschreiben, bevor man es fotografiert und hoch lädt.
Technisch eindrucksvoll ist das automatische Verorten von Notizen. Das gelingt durch Sticker im Buch, die beispielsweise die Form eines Flugzeugs haben. Weil jeder etwas anderes mit Flugzeugen verbindet, kann man den dazu gehörigen Online-Ordner frei benennen. Der Eine versieht seine Urlaubserinnerungen damit, der Andere seine Skizzensammlung historischer Propellerflugzeuge.
Fotografiert man sein Werk, schaufelt die Anwendung das Gekritzelte in den jeweiligen Ordner und sorgt dafür, dass man es sowohl auf seinem Smartphone, als auch auf privaten Tablet und dem PC im Büro sichten kann.
Aber auch ohne App wird Moleskine in den sozialen Netzwerken begeistert aufgenommen. Bemerkenswert für die puristischen Büchlein, die primär eine gute Kopie des im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verwendeten Notizhefts sind. Skizzen werden untereinander geteilt, viele führen gezeichnete Online-Tagebücher. Von "unschuldigen grasgrünen Augen" bis hin zu sezierten Körperteilen reichen die Sujets. Einige werden als Cover dann sogar von Moleskine verkauft.
Die Währung, in der die Menschen für die Zurschaustellung ihrer Werke bezahlt werden, ist Aufmerksamkeit. "Statt geizig nach dem eigenen großen Werk zu schauen, geht es um das Weitergeben und Teilen", erklärt der Literaturwissenschafter Stephan Porombka den großen Unterschied zum einzelgängerischen Künstlerbild der Vergangenheit.
Die Firma Moleskine will die Aufmerksamkeit nicht nur genießen, sondern auch zu Geld machen. Machen die Anleger mit, ist es in den nächsten Wochen so weit. Mit der Vorbereitung des Börsengangs wurden die Banken Goldman Sachs, Mediobanca und UBS betraut. Im Vorfeld hat Syntegra bekundet, einen Teil der Aktien behalten, den Großteil aber zu Barem machen zu wollen.
Syntegra dürfte demnach die Zügel bei Moleskine aus der Hand geben. Einem Nomaden gleich wird sich die Finanzfirma neuen Projekten zuwenden. Die Oase mit den abgerundeten Ecken bleibt den Fans des Notizhefts aber allemal. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 4.10.2012)
Gegründet vom Verlag Modo&Modo gehört Moleskine heute den Finanzfirmen Syntegra Capital und Index Ventures, Teilen des Managements sowie dem Firmengründer Francesco Franceschi. Am Hauptsitz in Mailand sind laut Unternehmensangaben rund 50 Menschen beschäftigt, produziert wird überwiegend in China.
Nach Jahren der Vormachtsstellung war der IPO-Markt in Hongkong kräftig gescshrumpft, jetzt scheint es wieder aufwärts zu gehen
Der italienische Notizbuch-Hersteller wird im Mittelstands-Segment der Mailänder Börse gehandelt
es geht ja nicht nur um den look, die bücher sind auch ausserordentlich stabil, besonders mein lieblingsmodell, dass dicke A5-hardcoverbuch mit den unlinierten seiten.
ein kritikpunkt: beim kalender ist die graue schrift manchmal schwer leserlich, auch die typo ist zu zart.
Es gibt sogar einen von Fanatics gebauten Moleskine Serviettenspender in einem brasilianischen Café
http://www.behance.net/gallery/M... er/5041957
gemäß dem Motto: Jederzeit kann dir der einfall deines lebens kommen, unser café latte hilft ;)
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.