"New Star Soccer": Ein Fußballer-Leben für die Hosentasche

  • Der Homescreen zeigt übersichtlich in mehreren Kategorien den Stand der Dinge.
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    Der Homescreen zeigt übersichtlich in mehreren Kategorien den Stand der Dinge.

  • Das Spielgeschehen wird bis zum Eingreifen des Spielers im Ticker präsentiert.
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    Das Spielgeschehen wird bis zum Eingreifen des Spielers im Ticker präsentiert.

  • Die präzise Vorlage aus 30 Metern Entfernung drischt der Mitspieler unhaltbar ins Netz.
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    Die präzise Vorlage aus 30 Metern Entfernung drischt der Mitspieler unhaltbar ins Netz.

  • Ehre, wem Ehre gebührt.
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    Ehre, wem Ehre gebührt.

  • Das Ende einer fantastischen Saison.
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    Das Ende einer fantastischen Saison.

Mix aus Geschicklichkeits-, Rollen- und Managerspiel im WebStandard-Test

"New Star Soccer" ist ein erstaunliches Indie-Projekt. Die Ein-Mann-Produktion New Star Games startete vor einigen Jahren als ausgesprochen simples Spiel. Man schlüpfte in die Rolle eines aufstrebenden Jungkickers und arbeitete sich von den Tiefen der Amateurvereine idealerweise bis in die Sphären von Champions League und Nationalmannschaft vor. Durch Klicks auf Buttons. Das Spiel fand rege Anhängerschaft.

Heute ist die Serie reifer geworden, hat einen kurzen Ausflug ins 3D-Terrain hinter sich und bietet wesentlich mehr Interaktionsmöglichkeiten als simple Dialogscreens. Auf dem Desktop ist "New Star Soccer" (nunmehr in seiner sechsten Generation, "NSS 5") eine Kombination aus Rollenspiel, Lebenssimulation und Arcade-Klassikern wie "Kick-off" oder "Sensible World of Soccer".

Ein anderer Weg

"NSS" hat mittlerweile auch den Sprung auf mobile Geräte geschafft. Schon länger gibt es eine Umsetzung für iOS, diesen Sommer gesellte sich die Android-Ausgabe hinzu. Die im Vorfeld angebrachte Skepsis hat sich als unbegründet erwiesen. Naturgemäß wäre ein schnelles, Präzision verlangendes Fußballspiel in Echtzeit auf einem Tablet oder Smartphone eher schwer umsetzbar. Der Entwickler hat sich für einen anderen Weg entschieden.

Beziehungen

Was aus der Desktop-Version bleibt, ist das Lebensumfeld. Der Trainer, die Mitspieler und im weiteren Verlauf auch Sponsoren und Lebensgefährtin (klischeehafterweise mit Geschenken und Reisen) wollen bei Laune gehalten werden. Daneben gilt es, in zunehmend schwerer werdenden Trainings-Minispielchen die eigenen Fertigkeiten zu verbessern und Besitztümer zu sammeln, die das Ansehen steigern und bei Regeneration und Glückseligkeit helfen. Für alle Tätigkeiten steht ein begrenztes Energie-Reservoir zur Verfügung, das mit Energy-Drinks wiederbefüllt werden kann, die je nach Preis auch andere Boni mit sich bringen. Aufgepeppt wird die manuelle Beziehungspflege von Zwischenereignissen.

Ein Star muss mehr leisten

Es gilt einen Spagat zu bewältigen, dessen Anforderungen schwerer werden. Mit dem Aufstieg in höhere Ligen und Gehaltsstufen und dem zunehmenden Ruhm um die eigene Spielerpersönlichkeit, verlangt auch das Umfeld immer mehr. Reichen in der sechsten englischen Liga ein paar angekommene Pässe und vielleicht ein Assist, um zum "Man of the Match" gewählt zu werden, muss man seine Erfolgsquote schon deutlich steigern, ist man einmal in der deutschen Bundesliga oder der Premier League vorstellig geworden. Dafür kann nach Aufstieg im Star Ranking der Vertrag nachverhandelt oder ein attraktiverer Verein gesucht werden.


Auf der Jagd nach Erfolgen hat man auch mit Wind und Wetter zu kämpfen.

(Fast) ganz Europa

"New Star Soccer" bietet dabei eine erstaunliche Breite. In nahezu jedem kleineren und größeren Land kann man in wenigstens einer Liga (meist jedoch zwei oder mehr) anheuern und um die Meisterschaft internationale Bewerbe mitkicken. Die Vereine sind nicht mit vollständigen, aber durchaus erkennbaren Namen ("Man U") vertreten. Wer auf Da

Bei welchem Verein und in welcher Liga man spielt, macht einen Unterschied. Realistischerweise ist ein Fortkommen in Meisterschaft und Champions League etwa mit Liverpool deutlich leichter, als mit einem österreichischen Bundesligisten wie Sturm Graz. "David-gegen-Goliath"-Überraschungen sind aber möglich. Als britischer Viertligist gegen eine Macht wie Manchester United anzutreten übt dabei seinen ganz eigenen Reiz aus. Das Qualitätsgefälle gibt es auch bei Nationalteams.

Hat man ein gewisses Niveau erreicht, klopft irgendwann der Nationaltrainer an. Entsprechende Erfolge vorausgesetzt, kickt man dann auch um den EM- und WM-Pokal mit. Dass das Spiel derlei Großereignisse nicht präsentationstechnisch hervorhebt, ist schade.

"Anstoss" meets "Magical Kicks"

Die Matches bestehen aus einem Ticker, der an die Frühzeit der "Anstoss"-Managerserie erinnert. Unterbrochen wird dieser von Szenen, in welche man als Spieler selbst eingreift. Es gilt Gegenangriffe abzufangen - eine Übung, die sich 1:1 auch im Training findet -, Pässe zu schlagen, Vorlagen zu liefern oder das Runde selbst ins Eckige zu knallen.

Umgesetzt sind die Action-Sequenzen ähnlich wie das beliebte Flashgame "Roberto Baggio Magical Kicks". Mit einer Zieh-Geste wird Richtung und Stärke des Schusses oder Passes vorgegeben. Anschließend wird festgelegt, an welcher Stelle der Ball getroffen wird, was über Höhe und Drall entscheidet. Ein strichgerader Pass ist damit ebenso zu machen, wie eine punktgenaue Bananenflanke oder ein Schlenzer ins Kreuzeck. Je weiter man trainiert ist und je besser das eingekaufte Schuhwerk ist, desto mehr ist möglich.

Erschwert wird dies nicht nur von den Gegnern am Spielfeld, sondern auch von wind und Wetter und einem sich bewegenden Ball beim Ausführen des Schusses.   Nach ein paar Matches hat man den Dreh raus, und die Übung entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Schmerzlich vermisst werden ein Replay-Feature und die Option, besonders schön abgeschlossene Spielszenen zu speichern.


Been there, done that (Screenshot: derStandard.at/Pichler)

Lob, Tadel, Statistiken

Für besonders gute und konstante Leistungen verdient man Lob in Zeitungsmeldungen und Awards. Wer grottig kickt, wird nicht nur mit verminderten Beziehungswerten sondern auch von den Schlagzeilen bestraft.

Das Spiel hält Saison- und Allzeit-Statistiken fest und informiert über Einsätze, Tore, Performance, aber etwa auch die größte Distanz, über die Treffer und Pässe geglückt sind. Darüberhinaus ist auch erfasst, welchen Vereinen man mit wieviel Erfolgt bisher gedient hat und welche Titel bereits eingeheimst wurden. Auch das motiviert.

Nichts für Ernsthafte

Grafisch ist das Geschehen recht einfach und "retro" gehalten, was gut dazu passt. Wer keine bierernste und komplett realistische Karriere-Simulation sucht, darf sich hier heimisch fühlen. Kleinere Bugs und fallsweise nicht nachvollziehbare Matchbewertungen sind ausgesprochen verzeihbar.

Fazit

Wer einmal die fordernde Einstiegsphase hinter sich gelassen und den Duft des Erfolges geschnuppert hat, verbringt mitunter Stunden in der fesselnden Fußballwelt auf seinem kleinen Smartphone-Display. Das Spiel maßt sich in keinerlei Weise an, den großen Managern oder Simulationen Konkurrenz machen zu wollen. Es dreht sein eigenes Ding, das simpel und umfangreich zugleich sowie ungeheuer verspielt und unterhaltsam ist.

Auf iOS ist das Spiel kostenlos und kann per In-App-Käufen (der Karrieremodus kostet 0,79 Euro) erweitert werden. Bei Google Play werden für die Komplettversion 2,49 Euro fällig - ein mehr als fairer Preis für unzählige Stunden Spielspaß. (gpi, derStandard.at, 07.10.2012)

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