Rätseln um Cyberangriff auf Weißes Haus

  • Konservative Medien machen Barack Obama für die Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit Cyberattacken verantwortlich
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    Konservative Medien machen Barack Obama für die Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit Cyberattacken verantwortlich

Konservative Medien kritisieren Obamas Sicherheitspolitik und werfen dem Weißen Haus Relativierung der Angriffe vor

Das Weiße Haus, der Sitz des US-amerikanischen Präsidenten, wurde letzten Monat Opfer eines Cyberangriffs. Der Angriff, der angeblich von China aus gestartet wurde, wurde mittlerweile vom Weißen Haus bestätigt. Eines der ersten Medien, die darüber berichteten, war das als konservativ geltende Online-Medium "Free Beacon". 

Zu Wenig Druck auf China

Dem Bericht zufolge war das Netzwerk des Military Office im Weißen Haus betroffen, das für nukleare Kommandos vorgesehen ist. Free Beacon beruft sich dabei auf Aussagen von Mitarbeitern, die mit der Sache betraut waren. Einer dieser Mitarbeiter bezeichnet den Angriff sogar als einen der unverfrorensten, die es bisher auf die USA gab. Zudem würde der Mitarbeiter Präsident Barack Obama für zu wenig Druck auf China im Zusammenhang mit Cyberattacken kritisieren. 

Nur zu Übungszwecken

Zusammenhängen könnte der Cyberangriff mit Spannungen in Asien, die durch die Stationierung zweier US-amerikanischer Flugzeugträger vor den japanischen Senkaku Inseln ausgelöst wurde. Diese Inseln sind Gegenstand eines Streits zwischen China und Japan, der bereits seit 1895 andauert. Laut US-Regierung wäre die Stationierung allerdings nur zu Übungszwecken gedacht und hätte nichts mit dem chinesisch-japanischen Inselstreit zu tun.

Netzwerk für nukleare Kommandos

Die Quellen von "Free Beacon" sagen weiter, dass davon ausgegangen wird, dass sich die für den Cyberangriff verantwortlichen Rechner in China befinden würden. Das Netzwerk, das neben nuklearen Kommandos auch für die Kommunikation und die Reisen des Präsidenten bereitsteht, wird auch für interne Telefonkonferenzen und medizinische Notfälle im Weißen Haus verwendet. Sämtliche Krisenpläne, die im Falle eines Krieges über dieses Netzwerk kommuniziert werden, waren somit Ziel einer solchen Attacke. Informationen, die nach außen gelangen, könnten so dazu verwendet werden, den Aufenthaltsort des Präsidenten zu bestimmen oder die Kommunikation dessen nach außen zu verhindern. 

Keine Daten nach außen gelangt

Das Weiße Haus relativiert die Attacke und bezeichnet sie als "Spear Phishing Attacke", die im Gegensatz zu normalem Phishing auf bestimmte Individuen oder Institutionen ausgerichtet ist. Man hätte zudem Maßnahmen dagegen ergriffen. Es seien keinerlei Daten nach außen gelangt. Genauere Untersuchungen würden aber noch stattfinden, denn bislang ist unklar, wie es den Angreifern gelingen konnte in das Netzwerk einzudringen, falls die Quellen von Free Beacon recht haben sollten.

Weißes Haus als "Kronjuwel" chinesischer Cyberattacken

Da konkret dieses spezielle Netzwerk angegriffen wurde, gehen besagte Mitarbeiter davon aus, dass chinesische Militär-Hacker unter der Führung des "4th Department of General Staff of the People's Liberation Army" dafür verantwortlich seien. Chinesische Cyberangriffe seien laut einem ehemaligen McAfee-Mitarbeiter ein konstantes Problem in den USA, da die Chinesen sehr aggressiv vorgehen würden, um US-Regierungseinrichtungen und Einrichtungen aus dem privaten Sektor zu infiltrieren. Das Weiße Haus sei nur "der Kronjuwel" dieser Kampagne. Im Falle einer militärischen Auseinandersetzung will sich China laut einem Bericht von Northrop Grumman Vorteile verschaffen und strebt auch ganz offen die "Cyber-Dominanz" an. 

Einige Zweifel an Berichten

Ob man den Berichten eines konservativen Mediums in Zeiten des Wahlkampfs zu 100 Prozent Glauben schenken darf, dessen ist sich auch das Magazin Politico nicht ganz sicher. Dort schreibt man, dass Free Beacon vor einiger Zeit auch einen Bericht brachte, in dem es hieß, dass ein russisches Atom-Uboot vor der Küste der USA lauere, was auf Obamas mangelnde Unterstützung des Militärs zurückzuführen sei. Das Ausmaß der Angriffe ist allerdings schwer abschätzbar, denn wie die angeblich chinesischen Angriffe stattgefunden haben, ist nicht im Detail bekannt. (iw, derStandard.at, 3.10.2012)

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2 Postings
ich bezweifle das da ein funke Wahrheit dran ist,

die Amerikaner sind und waren niemals so dumm ein Netzwerk das irgendetwas mit Atomwaffen zu tun hat mit urgendeinem anderen Netz oder gar dem Internet zu verbinden.

Einezige Möglichkeit! Kriegserklärung der USA an China... lol

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