"Ein schlechtes Jahr" für Österreichs Unis

Lisa Nimmervoll
3. Oktober 2012, 22:00
  • "Austria also had a bad year", heißt es in der Presseaussendung. Die Uni Wien fällt weit zurück, sonst ist keine heimische Universität unter den Top 200 vertreten.
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    "Austria also had a bad year", heißt es in der Presseaussendung. Die Uni Wien fällt weit zurück, sonst ist keine heimische Universität unter den Top 200 vertreten.

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Die Uni Wien hält sich im neuen THE-Ranking zwar unter den besten 200 Unis der Welt, rutscht aber von Platz 139 auf 162 ab. "Beträchtliche Investitionen" in Österreichs Unis seien notwendig, schreiben die Ranking-Macher

Wien - Ganz vorn die üblichen Verdächtigen: Nummer eins des neuen Times Higher Education (THE) World University Rankings, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, ist erneut das California Institute of Technology, die Unis Oxford und Stanford thronen ex aequo auf Rang zwei, Harvard rangiert auf Platz vier (siehe Grafik).

Dann kommen schon die "bad news" für Österreich, dem "ein schlechtes Jahr" bescheinigt wird. Die Universität Wien, die einzige Uni innerhalb der Top 200, ist von Rang 139 im Vorjahr auf 162 abgerutscht. Nur die Uni Innsbruck ist noch gelistet - wie 2011 im Block zwischen Rang 200 und 225.

Der Befund der THE-Autoren: "Österreich verliert seine aktuelle Stellung in der globalen Hochschulbildung." Unter Verweis auf die OECD-Zahlen wird angeführt, dass hierzulande weniger Geld als im OECD-Schnitt in den Hochschulbereich fließt (OECD: 1,6 Prozent, Österreich: 1,4 Prozent). "Schritte zur Erhöhung der Mittel aus Studiengebühren könnten helfen, aber es steht zu befürchten, dass Österreich ohne beträchtliche Investitionen in seine Spitzeninstitutionen bald ganz aus dem Ranking herausfällt."

Dass es auch anders geht, zeigt sich am starken Abschneiden Deutschlands (elf Unis in den Top 200, Uni München Rang 48, mehr Aufsteiger als Absteiger), aber auch die Niederlande bekommen eine "exzellente Performance" bescheinigt: nach den USA und UK am drittbesten repräsentiert mit zwölf Unis in den Top 200, die außerdem alle aufgestiegen sind.

Auffällig die Bewertung der asiatisch-pazifischen Länder. Es sind zwar erst zwei chinesische Unis in den Top 200, aber der Abstieg von 51 der 76 US-Unis in den Top 200 (sieben in Top 10) wird von den THE-Machern kontrastiert mit der zunehmenden Konkurrenz durch "massiv investierende" asiatische Nationen.

China setzt zum Sprung an

Dass im "Best of the rest"-Feld zwischen Platz 201 bis 400 auch chinesische Aufsteiger sind, wird als Beleg dafür interpretiert, dass sich auch andere chinesische Unis den besten 200 der Welt nähern.

Zum schlechteren Abschneiden Großbritanniens gibt es den Hinweis, dass es dort Kürzungen der staatlichen Budgets für Bildung und Forschung gegeben hat.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle forderte erneut eine "differenzierte Betrachtung" von Rankings. "Unsere Hochschulen sind bisweilen besser, als es reine Platzierungen in Rankings vermuten lassen", sagte er unter Verweis auf "Stärkefelder" wie Demografie und Quantenphysik. Seine Vorschläge: "Geregelter Zugang und verstärkter Mitteleinsatz" - privater, also Gebühren.

Das entsprach etwa dem, was Rektorenchef Heinrich Schmidinger erwartete: "Die Ergebnisse der alljährlich veröffentlichten Uni-Rankings lassen in Österreich auf politischer Ebene zunehmend einen Gewöhnungseffekt erkennen." Trotz Kritik an der Aussagekraft der Rankings "muss der wachsende Abstand heimischer Unis zu den 100 besten der Welt zu denken geben". Es bleibe die dringende Forderung nach "beträchtlichen Investitionen". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 4.10.2012)

Methode und Zustandekommen

Dem "Times Higher Education"-Ranking liegt die weltweit größte Umfrage unter Uni-Forschern zugrunde. 16.000 Akademiker wurden alleine im Jahr 2012 befragt. 34,5 Prozent der Gesamtpunktezahl, unterschieden nach Forschung und Lehre, macht dieser Teil der Erhebung aus. Außerdem werden für das Ranking 13 Indikatoren aus den Bereichen Forschung, Lehre, Zitierungen, Internationalisierung und Einwerbung von Drittmitteln aus der Wirtschaft berücksichtigt.

Mit seiner Überarbeitung im Jahr 2010 verabschiedet sich das Ranking wegen "schwerwiegender Mängel" von QS als Datenlieferant. Neuer Datenlieferant ist seither Thompson Reuters. Der Einfluss bibliometrischer Indikatoren (Veröffentlichungen, Zitierungen) auf die Gesamtwertung wurde gestärkt. Dieser Indikator, für den diesmal 50 Millionen Zitierungen analysiert wurden, ist mittlerweile mit 32,5 Prozent der Gesamtwertung fast ebenso wichtig wie die Meinung der wissenschaftlichen Community.

Mit seiner Überarbeitung im Jahr 2010 verabschiedet sich das Ranking wegen "schwerwiegender Mängel" von QS als Datenlieferant. Neuer Datenlieferant ist seither Thompson Reuters. Der Einfluss bibliometrischer Indikatoren (Veröffentlichungen, Zitierungen) auf die Gesamtwertung wurde gestärkt. Dieser Indikator, für den diesmal 50 Millionen Zitierungen analysiert wurden, ist mittlerweile mit 32,5 Prozent der Gesamtwertung fast ebenso wichtig wie die Meinung der wissenschaftlichen Community.

Kritiker bemängeln am "THE"-Ranking ebenso wie an anderen internationalen Ranglisten ein Ungleichgewicht zugunsten englischsprachiger Publikationen. Dadurch würden vor allem geisteswissenschaftliche Arbeiten, die häufig in der Landessprache verfasst werden, benachteiligt beziehungsweise die Übergewichtung technischer und naturwissenschaftlicher Studienrichtungen fortgesetzt. (APA/rwh)

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Times Higher Education World University Rankings

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österr. Bildungspolitik = Sparplan

Wenn wir lange genug die Bildungspolitik nur als Mittel zur Budgetsanierung sehen, dann können uns auch die Rankings der Universitäten wurscht sein. Die kann dann eh keiner mehr lesen.
Auch die Medien kommunizieren mittlerweile primär die Kosten der Universitäten und nicht mehr die Leistungen.

60% der punkteanzahl fürs ranking macht

die anzahl der publikationen und zitierungen durch andere aus. --> als ob DAS den durchschnittsösterreicher interessieren würde. das heisst, es werden fächer gepushed wo viel publiziert werden kann, fächer wo das nicht so ist werden de-facto rausgedrängt.
30% Teaching wo ein wichtiger bereich folgendes ist:
"... a staff-to-student ratio (an institution's total student numbers) as a simple (and admittedly crude) proxy for teaching quality."

ja, unsere universitäten sind in vielen fächern halt darauf ausgelegt lehre zu betreiben für viele studenten.
keine der top unis macht das. die haben alle entweder horrende studiengebühren und/oder andere zugangsbeschränkungen.

Wollen wir das?

mMn lernt man auch als Student am meisten

wenn man dann Forschung betreibt (Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Diss.), das Studium davor ist zum Großteil nur dazu da, die Mittel zu bekommen um die Forschungsarbeit auch machen zu können.

Forschung und Lehre sind einfach nicht getrennt sondern hängen zusammen.

ja

das ist ja völlig klar.
was ist ihr punkt?

dass das staff-to-student ratio...

...in oesterreich zum grausen ist. folglich muss sich das auf die qualitate der forschung auswirken. aber der schluss war wirklich schwierig zu ziehen.

wen wunderts?

zB gibt es kein Übersetzungs- oder auch nur Korrekturservice der Unis bei englischen Veröffentlichungen, jeder kämpft mit seinem eigenen Sprachjargon.

wer nach erlangter studienreife...

...kein englisch kann hat auf einer unis sowieso nichts verloren.

Übersetzungsservice?

Jeder Wissenschaftler heutzutage sollte fähig sein, seine Forschung in englischer Sprache präsentieren zu können. Wenn er das selbst nicht kann, dann wohl ein Mitarbeiter. Und zum Korrekturlesen: ich weiß nicht wie es in anderen Gruppen/Bereichen ist, bei uns gibt man das geschriebene den Kollegen, die lesen das mal Korrektur, und dann kommts meistens noch zum Senior-Staff/Prof. die korrigieren auch nochmal, und dann wirds weggeschickt. Ein zentraler Korrekturservice an der Uni macht schon allein deshalb keinen Sinn, weil die nicht vom Fach sind.

Wer sowas nicht selbst organisieren kann sollte gar nichts publizieren.

Versteh die Aufregung um solche Rankings nicht

Die österreichischen Uni sollen ja nicht super für die Welt sein, sondern entsprechenden Nachwuchs für die akademische Schicht in Österreich ausbilden, die "Weltstars" kommen dann ganz von alleine hervor. Österreich ist ein kleines Land und die Entdeckungen wie zu beginn mancher Fachrichtungen mit beschränkten Mitteln sind heute nicht mehr möglich.

CH, NL u. die skandinavischen Länder sind auch klein, Ö hätte mehr Potential als jetzt.

wird man die uni-schwäche wieder schönfärben?

rektoren mit lehrstuhlkapazundern, sie werden uns sicher wieder eindrucksvoll erklären wollen, das die studienrealität doch sowieso ganz anders abzubilden sei ...

andenkbar - die österr. unis sind wirtschaftlich konstant unterversorgt, permanennt überflutet, studierende unselktiert, aber keinesfalls bildungsfehlgeleitet, sondern viel viel besser, als im ranking ablesbar ...

und wir, wir könnten jetzt schon wetten abschließen, beim nächsten uni-ranking werden wir die gleichen argumente mit neuem update wieder hören dürfen ...

Lieber Redakteur...

Wie wärs wenn Sie einmal ein Land, das Oesterreich geografisch wie auch Bevölkerungsmässig gleichsteht anschauen - nämlich die Schweiz - die hat gleich 7!! Unis unter den ersten 200 - und das ist das wirkliche Armutszeugniss für unser Land. Auch wenn man diese Rankings nicht ganz so ernst nehmen soll, ist diese Tatsache schon bitter. Ich verstehe ehrlich nicht, wieso das hier bzw. in allen Medien nicht etwas mehr herausgestrichen wird um zu zeigen in welch armselige Richtung sich Oesterreich punkto Wissenschaft entwickelt.

ja wenn man sich auf ein bankensystem verlassen kann

dass sich auf korrupte millio/milliadäre verlassen kann, dann kann man sicher viel geld in unis pumpen.
abseits davon haben die tw NC bzw. studiengebühren. also ein völlig anderes system.

Wo ist nun der Unterschied zu OE?

Unsere Banken stehen dem (leider) um fast nichts nach, zahlen nur (ebenfalls leider) keine Steuern...

..Ein Grund: in der .ch werden die Unis aus einem Mix der Privaten (Unternehmen!), Oeffentlichen, (geringen) Gebuehren UND dank professioneller PR der wissenschaftl Tätigkeiten, auch aus Stiftungs- und Schenkungswesen finanziert.

UG 2002

Die Hauptverantwortung für dieses Versagen liegt beim UG 2002. Unter dem - wohlklingenden - Schlagwort "Autonomie" ist ein völlig rückschrittliches, autoritäres Regime eingeführt worden, das rücksichtslosen Networkern attraktive Posten eröffnet. Wissenschaftliche Leistung ist dagegen überflüssig, wenn nicht gar kontraproduktiv. Wer hingegen gut vernetzt ist, darf alles: Da gehen Habilitationen durch, die ganz manifest gegen die gute wissenschaftliche Praxis verstoßen und niemand rührt sich. Der Verstoß wird nachträglich von der ÖAWI bestätigt, aber das hat keine Konsequenzen. Da werden Berufungskommissionen eingesetzt, die derart befangen sind, dass man nur mehr lachen kann. Und am Ende erhält genau der Haus-Adlatus die Professur.

auch Töchterle hat solche Praktiken gedeckt

Na toll, also entsteht das Ranking immer noch zu 65,5% Publikationszahlen (inkl. Zitierungen) und Geld (Einkauf von "Namen" und Zahlungen von Firmen).

Die Amis schreiben seit Jahren auf jedes unnötige Drecks-Paper z.T. über 20 Namen. So macht Ranking sinn ...

auch noch nie...

...publiziert oder gelesen.

Publiziert nicht, aber gelesen mehrere Hundert. Gerade die ITler schreiben schon mal gerne die gesamte Belegschaft eines Instituts in die Autorenliste.

ui...

...mehrere 100, die eroberung der intellektuellen welt.

... wird

bald zu einer Professur reichen wenn der so so weitermacht ;)

na so einfach...

...ist das ohne die richtige seilschaft auch wieder nicht herr kollege. parteibuch?

Das bringt aber dem Institut nichts. Der Trick geht anders: man lässt die Leute innerhalb der Uni so wenig wie möglich kooperieren, sondern fördert internationale Kooperationen. Wenn jeder auf einem Paper mit 19 Leuten von anderen Unis steht, bringt das viel mehr. Besser 20 Papers, wo je einer von der eigenen Uni draufsteht als ein Paper, wo 20 Leute der eigenen Uni draufstehen. In der Summe ist der Nutzen für die Wissenschaft der gleiche! Der Uni bringt es ein besseres Ranking und die Reisekosten verkauft der Rektor dem Steuerzahler dann als "Fixkosten".

Also auf den Paper die ich so verwende

stehn meist 2-5 Autoren. Bei Themen die klar ersichtlich extrem umfangreich sind, da stehen dann vielleicht paar mehr drauf.

20 war nicht übertrieben. Findet man gerade im Gebiet der Informatik häufig.

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