Women on Waves kommt nach Marokko

3. Oktober 2012, 10:17
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Das Abtreibungsschiff wird heute vor Smir Anker legen und Frauen die Möglichkeit zur medikamentösen Abtreibung geben

Das "Abtreibungsschiff" der niederländischen NGO "Women on Waves" wird am Donnerstagnachmittag vor der marokkanischen Stadt Smir anlegen. Auf dem Schiff können Frauen eine sichere medikamentöse Abtreibung bis zur sechsten Woche der Schwangerschaft durchführen. Women on Waves kommt auf Einladung der marokkanischen Organisation "Alternative Bewegung für individuelle Freiheiten" (MALI) nach Smir.

Abtreibung verboten

In Marokko ist Abtreibung per Gesetz verboten und gesellschaftlich tabuisiert. Dennoch werden täglich hunderte illegale Abtreibungen in dem nordafrikanischen Land durchgeführt, sagt Women on Waves. Der Zugang zu einem sicheren Abbruch ist wie in so vielen Ländern, wo Abtreibung verboten ist, vom Wohlstand der einzelnen Frauen abhängig. Betroffene mit wenig Einkommen greifen oft auf unsichere Methoden zurück, die zu Komplikationen und im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) machen unsichere Schwangerschaftsabbrüche 13 Prozent der schwangerschaftsbedingten Todesfälle weltweit aus.

Informationen über medikamentöse Abtreibung

Neben der medikamentösen Abtreibung wird die NGO auch eine Hotline in Marokko anbieten, die Frauen über sichere Abbrüche informieren soll. In Marokko ist das Abtreibungsmedikament Misoprostol unter den Namen "Artotec" erhältlich. Der Wirkstoff befindet sich auf der WHO-Liste der essentiellen Medikamente. Viele Frauen wüssten jedoch nicht, dass sie mit dem Präparat eine sichere Abtreibung zuhause durchführen könnten, kritisiert Women on Waves.

Die Organisation MALI setzt sich seit längerem für eine Legalisierung der Abtreibung in Marokko ein. Von ihr stammt auch eine Online-Petition, die das Recht auf straffreien Abbruch fordert. Im Jahr 2009 wurden AktivistInnen der Gruppe verhaftet, nachdem sie auf Facebook dazu aufgerufen hatten, während des Ramadans tagsüber und öffentlich zu Essen. In Marokko wird ein solches Verhalten mit einer Geldstrafe und Gefängnis von bis zu sechs Monaten geahndet. (red, dieStandard.at 3.10.2012)

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