Die Gaben der drei guten Feen

Bettina Stimeder
7. Oktober 2012, 16:45
  • Alexandre Desplat komponiert in perlendem Rhythmus,...
    foto: hersteller

    Alexandre Desplat komponiert in perlendem Rhythmus,...

  • ...Robert Wilson sorgt für den Rahmen,...
    foto: hersteller

    ...Robert Wilson sorgt für den Rahmen,...

  • ...Lang Lang erweckt alles zusammen zum Leben.
    foto: hersteller

    ...Lang Lang erweckt alles zusammen zum Leben.

  • Gemeinsam an Tischen über Papier brüten Robert Wilson (links), Alexandre Desplat (Mitte) und Lang Lang (rechts) über Kunst, Geist und Champagner.
    foto: hersteller

    Gemeinsam an Tischen über Papier brüten Robert Wilson (links), Alexandre Desplat (Mitte) und Lang Lang (rechts) über Kunst, Geist und Champagner.

Das Champagner-Haus Dom Pérignon schickt drei neue Jahrgänge in die Welt - Robert Wilson, Lang Lang und Alexandre Desplat gestalteten ein künstlerisches Rahmenprogramm

Der Regisseur, Künstler und Designer Robert Wilson äußert sich wortreich über die Stille, über das Nichts. Und darüber, wie schwer es ist, dem Nichts künstlerisch zu begegnen. "Stellen Sie sich auf eine Bühne und tun - nichts! Sie werden sehen, wie schwer das ist." Und er tritt den Beweis an, pflanzt sich in voller Länge und Breite auf und tut - nichts, aber das mit voller Wucht. Er bringt auf diese Weise der Pressekonferenz zum gemeinsamen Auftritt mit dem Pianisten Lang Lang und dem Komponisten Alexandre Desplat eine Fermate bei.

Der Regisseur, der Starpianist und der oscarverwöhnte Filmkomponist treffen sich auch nicht wegen nichts. Schon seit Februar sind sie miteinander in Kontakt, um sich über das Wesen der schöpferischen Kraft auszutauschen und der Welt an einem Septemberabend zu zeigen, was dabei herausgekommen ist. Das ist auch nicht für nichts, sondern hat was mit Champagner zu tun, im Besonderen mit der schöpferischen Kraft von Richard Geoffroy (siehe Interview Seite 39), seit 1990 bei Dom Pérignon und der Mann, der im Alleingang entscheidet, welcher Jahrgang aus dem Keller geht. Das Konzept heißt Vintage, und bei Dom Pérignon gibt es nichts anderes. Nun beschloss der Chef de Cave, die Vintages Dom Pérignon Oenothèque 1966, Rosé 2000 und 2003 in die Welt zu schicken.

Um diese Geburten zu feiern, hat das Champagner-Haus Robert Wilson, Lang Lang und Alexandre Desplat wie gute Feen ins Schloss zu Versailles geladen, um den kleinen Champagner-Prinzessinnen ihre Gaben und Wünsche in die Wiege zu legen. Es mag vielleicht ein wenig übertrieben erscheinen, drei Weltstars als Feen zu bemühen.

"Ich trinke Sterne!"

Allerdings: Wer weiß schon, wann Geoffroy den nächsten Jahrgang in den Vintage-Rang erhebt. Also lässt Dom Pérignon es ordentlich krachen. Und zwar: Desplat komponierte, Lang Lang spielt, und Robert Wilson arrangierte weiß gekleidete Performer nebst Lichtelementen, was in seiner Gesamtheit in der Schlosskapelle im Salon d'Hercule zur Aufführung gelangte. Die Musik: ein impressionistisches Perlen. Das Spiel: reine Energie. Die Inszenierung: ein Rahmen der Stille. Diese außerordentliche Champagner-Taufe findet insgesamt nur dreimal statt.

Auch der Ort ist kein Zufall, fällt die Hochblüte von Versailles zeitlich doch mit dem Wirken des guten Vaters Pérignon vom Orden der Benediktiner zusammen, der so lange mit den kleinen lustigen Blasen im Wein experimentierte, bis er das richtige Zusammenspiel aus Britzeln, Luftigkeit und Bodenständigkeit in einem Wein entdeckte und seinem Entzücken mit dem Ausruf "Ich trinke Sterne!" Ausdruck verlieh.

Vielleicht ist es des Doms Faszination mit dem stillen Glitzern, die den Regisseur Wilson die Gedankenbrücke vom lautesten Getränk der Welt (vom Korken-Plopp bis zum Perlen-Britzel) zur Stille als Ort der schöpferischen Kraft schlagen ließ. Oder die simple Erkenntnis, dass das künstlerisch-spirituelle Erleben kurz weilt und seine Intensität daraus bezieht, dass vorher und nachher die Stille herrscht - das Nichts. (Bettina Stimeder, Rondo, DER STANDARD, 5.10.2012)

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