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Seltsame Praktiken bei der Vergabe von Staatsbürgerschaften offenbarte am Mittwoch der parlamentarische Korruptions-Untersuchungsausschuss. So wurde den millionenschweren russischen Kraftwerksbetreibern Alexej B. und Artem B. in Kärnten die Staatsbürgerschaft verliehen, obwohl es dazu eine negative Stellungnahme des Bundeskriminalamts gegeben hatte.
Der grüne Fraktionsführer Peter Pilz zitierte aus Akten, wonach der damalige Kabinettschef des Innenministeriums, Philipp Ita, eine Weisung des damaligen Bundeskanzlers und zeitweiligen Innenministers Wolfgang Schüssel (ÖVP) weitergeleitet hatte, dass das Ansuchen der Russen positiv für den Ministerrat vorzubereiten sei - vorbehaltlich einer positiven Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums. Diese wurde nachgereicht - in Form einer Weisung von Minister Martin Bartenstein (ÖVP), so Pilz. Die beiden russischen Geschäftsmänner wurden in der letzten Ministerratsitzung der schwarz-orangen Bundesregierung unter Kanzler Schüssel eingebürgert.
In einer Geschäftsordnungssitzung haben die Regierungsparteien die Wünsche der Opposition für neue Ladungen im U-Ausschuss abgelehnt. Geladen werden sollten unter anderen einmal mehr Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und der Ex-ÖBB-Personenverkehrsvorstand Stefan Wehinger, beide sollten zur Inseratenaffäre befragt werden.
Am Mittwoch sagten folgende Auskunftspersonen aus:
Bernadette Gierlinger, Sektionschefin im Wirtschaftsministerium, hat bereits ausgesagt. Sie betonte: "Wir prüfen streng nach Gesetz." Es habe keine einzige Einflussnahme gegeben, es sei kein Druck ausgeübt worden.
Samo Kobenter, Sport-Sektionschef im Verteidigungs- und Sportministerium, wurde zu Staatsbürgerschaften im Bereich des Profisports befragt. Er konnte wenig Erhellendes aussagen, der Großteil der Fragen bezog sich auf die Zeit seiner Vorgänger.
Mathias Vogl, Sektionschef im Innenministerium, konnte nicht sagen, wie oft es vorkam, dass der Kabinettschef Wolfgang Schüssels, Philipp Ita, eine Einbürgerungsentscheidung seiner Fachbeamten ignorierte - und die Verleihung einer Staatsbürgerschaft per Weisung "gepusht" habe.
Andrea Ecker, Sektionschefin im Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, sagte aus, dass sie als Sektionschefin nur ein "kleines Puzzleteilchen" gewesen sei und der Ministerrat über die Staatsbürgerschaften entschieden hat. (APA/red)
derStandard.at berichtete live:






Dann am 9. Jänner 2007 schreibt Haider an Schüssel: Die verstorbene Ministerin Prokop und er hätten vereinbart, die Einbürgerung der beiden Russen durchzuführen. War damals Schüssel Ressortleiter für Inneres? Ja das war er. Am 9. Jänner 2007 - Mail an Vogel vom Büro des Kabinettschef Mag. Ita: Laut Ita sollten die beiden Staatsbürgerschaften für 10.1. 2007 POSITIV vorbereitet werden. Herr Kabinettschef kümmert sich persönlich darum, dass das Wirtschaftsministerium eine eindeutige Stellungnahme abgibt, heißt es im Mail. Vogel: Ich sehe, dass dieses Email ergangen ist. Ich habe es CC bekommen.
Kobenter: Ist mir noch nie untergekommen. Kann es für die Vergangenheit nicht generell ausschließen, weil ich die Aktenlage nicht kenne.
Pilz. Abteilung C2.7 10. Oktober 2006: In Hinblick auf die restriktive Auslegungpraxis wird die frühzeitige Verleihung der Staatsbürgerschaft NICHT befürwortet. Es stimmt nicht, dass C2.7 gleich positiv beschieden hat. Negativ war auch der Bescheid der Tourismusabteilung.
Pilz: Selbstverständlich unterstütze ich den Antrag auf Ladung des Herrn Wehinger. Pilz will weiters mehrere Ladungsanträge einbringen. Wehninger, ehemaliger Vorstand Trattner, Schedl, Wolfgang Fellner, Wolfgang Maier und eine Reihe weitere Auskunftspersonen aus dem Österreichverlag. Dazu gehört nach wie vor die Ladung des Bundeskanzlers Werner Faymann. Weiters kündigt Pilz Ladungen zur Causa Berlakovich ein - wegen Verdachts der Untreue. Auch sein Vorgänger Josef Pröll verdächtige Pilz dieses Delikts.
3.10., 14:43Katrin Burgstaller
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