Bergbauernsohn, der Jörg Haider die Stirn bot

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Hans Schönegger führt jetzt auch die Kärntner Landesholding

Er war einer der ganz wenigen Landesmanager in Kärnten, die sich von Jörg Haider nicht an die Kandare nehmen ließen. Und so wurde der Unbeugsame auch nie integraler Bestandteil des Systems Haider, dessen schlimme Auswüchse heute von der Justiz aufgearbeitet werden. Immer wieder wehrte Hans Schönegger als Vorstand des Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds (KWF) Begehrlichkeiten Haiders ab und setzte dem allgewaltigen Landeshauptmann mit der Dickköpfigkeit des Bergbauernbuben, als der er 1955 in Sillian geboren wurde, entgegen: " Nein, Jörg, so geht das nicht." Und der akzeptierte das, obwohl es viele Begehrlichkeiten gab. War und ist der KWF doch das wichtigste wirtschaftspolitische Steuerungsinstrument Kärntens.

Kärntens politischen Korruptionssumpf hat Schönegger daher unbeschadet überlebt. Das wohl auch, weil er stets auf Äquidistanz zu Politikern, egal welcher Couleur, ging.

Das Rüstzeug für seine Geradlinigkeit und Ausdauer wurde schon in der kargen Kindheit auf dem Bergbauernhof mitgegeben. Als eines von fünf Geschwistern musste er sich das Geld für den Besuch der Mittelschule auf dem Bau verdienen. Auch sein Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik an der Universität Innsbruck hat sich Schönegger selbst finanziert. Seinen langen Atem gegen alle Widrigkeiten der Politik verdankt er dem Laufen - 40 Kilometer wöchentlich. "Laufen ist wie Beten - eine meditative Tätigkeit", sagt er.

Auch Haider konnte auf sein exzellentes Fachwissen trotz aller harten Bandagen nicht verzichten. 1995 trat Schönegger in den KWF ein und wurde 1998 zum Vorstand bestellt. Schönegger war aber auch als Aufsichtsrat im Austrian Research Center oder als Mitglied des Rates für Forschung und Technologieentwicklung begehrt. Untrennbar verbunden mit seinem Namen ist die Idee und Umsetzung des Klagenfurter Technologiezentrums Lakeside Park. Zahlreiche Technologiefirmen siedelten sich unter seiner Geschäftsführung hier an, 1000 Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Jetzt übernimmt der verheiratete Vater zweier Töchter, der sich im Kärntner Metnitztal niedergelassen hat und von dort jeden Tag nach Klagenfurt pendelt, auch das Ruder in der Kärntner Landesholding. Vorerst interimistisch, nachdem sein Vorgänger Hans-Jörg Megymorez im Birnbacher-Untreue-Prozess verurteilt worden war. Dass er die Doppelfunktion bewältigt, bezweifelt niemand. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 3.10.2012)

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