Spaltpilze auf der Bankenbilanz

2. Oktober 2012, 18:36
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Zum Trennbankensystem und zur Definition von Zockereien

Frage: Ein Trennbankensystem soll Sparer vor Zockerei schützen. Wie soll das funktionieren?

Antwort: Spareinlagen dienen den Banken zur Finanzierung. In London und in Europa wollen Behörden nun verhindern, dass diese stabilen Einlagen von Kunden für riskante Geschäfte an den Finanzmärkten genutzt werden. Sie wollen einen "Zaun" ("ring-fence") um die Kundeneinlagen errichten. Dann müsste der Staat nicht mit Steuergeld einspringen, wenn eine Bank in Probleme kommt. Alternativ wird die faktische Trennung gefordert. Dann dürften Institute, die Spareinlagen nehmen, keine Investmentaktivitäten verfolgen. Das war in den USA zwischen 1933 und 1999 Gesetz.

Frage: Welche "Zockereien" sollen Banken nun verboten werden?

Antwort: "Zockerei" wird sehr unterschiedlich definiert. Die Volcker-Regel zur Bankenregulierung in den USA verbietet drei Aktivitäten: Eigenhandel, Hedge- und Private-Equity-Fonds. Beim Eigenhandel (Prop-Trading) handelt die Bank auf eigene Kosten. Zudem wollen die USA die Finanzierung von riskanten Fonds begrenzen. In Europa soll die Regulierung weiter gefasst sein und Investmentbanking-Aktivitäten wie Aktienemission umfassen.

Frage: Wie wichtig sind die Investmentgeschäfte für die Banken?

Antwort: Das ist unterschiedlich. In Europa ist das Kerngeschäft der Banken die Vergabe von Krediten, die mit Einlagen finanziert werden. In den USA aber sind Wertpapiere wichtiger. Knapp 80 Prozent der US-Finanzaktivität passiert an den Kapitalmärkten. Unternehmen geben etwa Anleihen und Aktien aus, um sich zu finanzieren. Die Geldinstitute verdienen aber an den Provisionen.

Frage: Welche Rolle spielt das Investmentbanking in Österreich?

Antwort: "Auf der Aktiv- und der Passivseite spielt Investmentbanking eine immer wichtigere Rolle, weil dort die Erträge liegen", sagt Franz Hahn, Ökonom des heimischen Forschungsinstitut Wifo. Banken werden selbst mehr im Wertpapiergeschäft engagiert sein (Aktiv) und ihre eigene Bilanz mit Anleihen finanzieren (Passiv). Ein Blick in die Erfolgsrechnung der Banken bestätigt die wichtige Rolle. Die Bank Austria machte in ihrer Sparte Corporate&Investment Banking 2011 einen Umsatz von knapp 1,1 Mrd. Euro. Die gesamte Bank setzte sieben Mrd. Euro um. Die Erste Group setzte 2011 jeden siebten Euro mit Investmentbanking Aktivitäten um (Group Corporate & Investment Banking sowie Global Markets), die Raiffeisenbank International RBI knapp jeden sechsten Euro. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 3.10.2012)

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