Unruhe im Autokonzern Magna

2. Oktober 2012, 18:18
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BMW zieht Mini-Produktion aus Graz ab - Konzern dürfte vor Umbau stehen

Graz - Die Verkaufszahlen entwickeln sich angeblich unerwartet positiv, die angepeilten Kapazitäten von 60.000 Stück pro Jahr wurden daher nach oben revidiert - und dennoch hat sich der deutsche Autokonzern BMW jetzt entschlossen, die Produktion des Mini aus dem Grazer Magna-Steyr-Werk abzuziehen.

Mittelfristig soll die Herstellung des Kleinwagens auf Großbritannien und die Niederlande konzentriert werden. Das niederländische Werk in Born sei der Produktionsstätte in Graz logistisch überlegen, hieß es aus der BMW-Konzernspitze. Magna werde aber weiterhin "ein wichtiger Produktionspartner" von BMW bleiben. Magna Europe unterstrich in einer ersten Reaktion, das Unternehmen habe "vitales Interesse" an einer Fortsetzung der "guten und erfolgreichen Zusammenarbeit". Der Mini Countyman läuft seit August 2010 in Graz vom Band. Im Laufe des Jahres soll der Mini Paceman hinzukommen. Wann die Produktion verlagert wird ist noch unklar.

Obzwar BMW etwas euphorische Prognosen kolportierte, soll sich der Mini aber alles andere den zu einem Verkaufshit entwickelt haben. Zu teuer, heißt es in Branchenkreisen. Der Mini sei eher als Prestigeprojekt von BMW zu werten.

Neue Beine

Die geplante Auslagerung des Minis dürfte Wasser auf die Mühlen jener Manager im Magna-Konzern sein, die seit Monaten dabei sind, das Unternehmen mit seinen mehr als 100.000 Beschäftigten und 21,6 Mrd. Euro Umsatz auf neue Beine zu stellen. Und die mit der Entwicklung in Graz unzufrieden sind. Dem Vernehmen nach sollen in dem von Frank Stronach gegründeten kanadischen Konzern global Produktionseinheiten neu formiert werden. Inwieweit dies Magna-Steyr betrifft, ist noch offen. Eine für Montag dieser Woche in Graz geplante Aufsichtsratssitzung zum Thema wurde kurzfristig abgesagt. Bei Magna war am Dienstag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Magna-Steyr soll jedenfalls im Fokus der Konzernzentrale in Kanada stehen. Die Entwicklungen entsprächen nicht den Vorstellungen der neuen Führungscrew in Kanada, heißt es in Unternehmenskreisen. Man hab zu spät auf den Ausfall von Kapazitäten wie etwa den Mini reagiert, zumal sich diese Entwicklung seit Monaten abgezeichnet habe.

Unruhe schaffen aber nicht nur Gerüchte über Umstrukturierungen. Die Magna-Steyr-Chefetage griff zuletzt auch massiv in die anstehenden Lohnverhandlungen ein. Magna-Steyr will die Lohnrunde im Herbst nicht mittragen und fordert einen "Rabatt".

Magna will die ersten drei Prozent Lohnerhöhung nicht gewähren, allenfalls darüberliegende Prozentanteile, heißt es. Magna-Steyr-Chef Günther Apfalter sorgte mit einem diesbezüglichen Brief an die Metallgewerkschafter für einigen Unmut. Man ersuche um "besondere Berücksichtigung bei der anstehenden Lohnrunde, um die Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeugindustrie zu erhalten", hieß es. Sogar die Drohung einer Absiedelung steht im Raum. (Walter Müller, DER STANDARD, 3.10.2012)

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