Mahnschreiben der Bischöfe an die Pfarrerinitiative

2. Oktober 2012, 18:16
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Die Fronten zwischen der Pfarrerinitiative und den Bischöfen bleiben verhärtet: Eine für Mai fixierte Aussprache scheiterte am Unwillen mehrerer Bischöfe

Wien - Für die Bischöfe war eigentlich rund um die Pfarrerinitiative alles gesagt. Oder eben auch nichts gesagt. Denn innerhalb des Episkopats waren die Lager seit Beginn der Pfarrhof-Revolution stets geteilt. Einzelne Bischöfe - etwa der Grazer Oberhirte Egon Kapellari - distanzierten sich mit scharfer Kritik öffentlich von der Reformgruppe rund um Helmut Schüller. Andere hofften im stillen Gebet auf mehr Gehorsam. Eine gemeinsame Erklärung der Bischöfe blieb bisher aus.

Doch der Druck aus Rom stieg in den vergangenen Monaten stetig. Eingemahnt wurde eine Klarstellung zu den "ungehorsamen" Geistlichen. Dem ist man jetzt offensichtlich nachgekommen. Heute, Mittwoch, wird Kardinal Christoph Schönborn ein gemeinsames Hirtenwort der Bischöfe veröffentlichen. Gut sieben Seiten lang - mit einem Passus zur Pfarrerinitiative versehen. Im Vorfeld war aber aus Kirchenkreisen zu hören, dass es sich dabei nicht um die große Abrechnung handeln dürfte.

Bekannte Bischofspost

Und selbst einer der Empfänger der Bischofspost rechnet nicht mit einer großen Überraschung. "Was soll bitte in dem Hirtenbrief schon Neues stehen. Ich rechne lediglich mit der altbekannten Kritik", ist Helmut Schüller, Initiator der Pfarrerinitiative, im Gespräch mit dem Standard überzeugt. Grund für die gedämpften Erwartungen dürften vor allem Negativerfahrungen der vergangenen Monate sein. Zuletzt platzte im Mai kurzfristig ein von Schönborn initiierter Gesprächstermin zwischen Bischöfen und Vertretern der Pfarrerinitiative. Offizieller Grund: bischöfliche Terminprobleme.

Unbekannte Zusperrpläne

Einer der Kritikpunkte der Pfarrerinitiative ist auch die geplante Strukturreform in der Erzdiözese Wien. Ende September hat Schönborn die Angestellten über seinen "Masterplan" bis zum Jahr 2022 informiert. Seither ist die Sorge groß - auch weil er Zahlen schuldig blieb, wie viele der 660 Pfarren geschlossen werden. Zu Recht gibt es da keine Vorgabe, findet Generalvikar Nikolaus Krasa im Standard-Gespräch: "Es geht nicht darum, einen Zahlenraster auf die Diözese zu legen."

Fakt sei: In Wien ist in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Katholiken auf unter 50 Prozent gesunken, in manchen Bezirken liege er schon unter einem Drittel. Und eine Trendumkehr sei nicht in Sicht, sagt Krasa. Im Gegenteil: "Allein schon von den demografischen Entwicklungen müssen wir davon ausgehen, dass wir in der Erzdiözese einfach weniger werden." Trotzdem betreibe man "dieselbe Infrastruktur". Krasa: "Wir stecken in einem Mantel, der uns viel zu groß ist. Entweder versuchen wir durch akrobatische Verrenkungen ihn voll erscheinen zu lassen, oder wir passen das Stück an die wahre Größe an."

Die geplante Neustrukturierung innerhalb der Erzdiözese sieht Großpfarren vor, in denen sich drei bis fünf Priester engagieren. Ihnen sollen dann eine Vielzahl an "Filialgemeinden" - ehrenamtlich geleitet " von Getauften und Gefirmten" - untergeordnet sein. (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2012)

  • Mehr als 500 "Jünger" sind dem Aufruf zum Ungehorsam von Helmut Schüller bereits gefolgt.
    foto: epa/uli deck

    Mehr als 500 "Jünger" sind dem Aufruf zum Ungehorsam von Helmut Schüller bereits gefolgt.

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