Ahmadinejad wirft Westen Wirtschaftskrieg vor

2. Oktober 2012, 18:00
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Präsident: Iran hält trotz Sanktionen an Nuklearprogramm fest, ist aber zu Teilverzicht auf Urananreicherung bereit

Teheran - Der Iran wird nach den Worten von Präsident Mahmoud Ahmadinejad trotz des wirtschaftlichen Drucks und der Sanktionen des Westens an seinem Nuklearprogramm festhalten. "Wenn einige glauben, sie könnten den Iran unter Druck setzen, dann täuschen sie sich und sollten ihre Haltung korrigieren", sagte Ahmadinejad am Dienstag in einer im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz in Teheran. "Wir sind kein Volk, das bei der Nuklearfrage einen Rückzieher macht", fügte er hinzu.

Ahmadinejad äußerte sich einen Tag, nachdem die iranische Währung auf einen historischen Tiefstand gefallen war. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, hatte dies am Montag als Zeichen des "Erfolgs" der Sanktionen gegen Teheran wegen seines umstrittenen Atomprogramms gewertet. Der iranische Rial verlor seit Ende 2011 mehr als 80 Prozent seines Wertes. Gründe sind der Mangel an Devisen und die starke Inflation in Folge der Sanktionen.

Zum Handelsschluss entsprach ein US-Dollar am Montag 35.000 iranischen Rial, am Dienstag mussten für einen Dollar zwischenzeitlich sogar bis zu 37.000 Rial gezahlt werden. Ahmadinejad sagte zu den von der EU und den USA verhängten Sanktionen gegen den iranischen Bankensektor sowie Öllieferungen, der Westen führe einen wirtschaftlichen "Krieg" gegen das Land. "Der Feind glaubt, den Widerstand des iranischen Volkes brechen zu können, aber er irrt sich", sagte der Staatschef laut dem Fernsehbericht.

Iran zu Teilverzeicht bereit

Der Iran ist laut Ahmadinejad aber bereit, die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent einzustellen, wenn es dafür aus dem Ausland entsprechendes Material erhält. "Auf 20 Prozent angereichertes Uran wird nur (im Reaktor in Teheran) für Medikamente benötigt und hat sonst keinen Nutzen", sagte Ahmadinejad. Die Anreicherung von 3,5 auf 20 Prozent sei zudem sehr teuer.

Für den Einsatz zur Stromerzeugung will Teheran demnach weiter Uran niedrig anreichern. Für Atombomben ist eine Anreicherung auf 90 Prozent nötig. Westliche Staaten unterstellen dem Iran, Kernwaffen anzustreben.

Ahmadinejad erklärte, Teheran wolle zurück zum nie umgesetzten Abkommen von 2010 mit Brasilien und der Türkei. Das Abkommen sah vor, 1,2 Tonnen niedrig angereicherten Urans aus dem Iran in Russland zu lagern, bis auf 20 Prozent angereichertes Uran aus dem Ausland in Teheran eintrifft. Die IAEA hatte zuvor angeboten, dass der Iran sein Uran zur Anreicherung an Russland und Frankreich liefert und auf eigene Anreicherung verzichtet. (APA, 2.10.2012)

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    Mahmud Ahmadinejad, Präsident

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