Die Kirche im Dorf: Am Sonntag wählen Burgenlands Gemeinden

2. Oktober 2012, 18:01
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260.000 Burgenländer in 171 Ortschaften stimmberechtigt

Eisenstadt - Ein ruhiger, fast ist man versucht zu sagen, gesitteter Wahlkampf dreht sich im Burgenland in seine letzte Woche. Am Sonntag wählen knapp 260.000 Burgenländer in 171 Ortschaften ihre Gemeindeparlamente und Bürgermeister. Selbst die teilweise schon anklagereifen Ermittlungen gegen Bürgermeister wegen des Verstoßes gegen das Meldegesetz, um mit ungarischen Schülern den Schulstandort zu sichern, haben nur kurz für politische Schuldzuweisungen gesorgt. Und die "Causa Marz" - dort darf die SPÖ wegen Fristversäumnis nicht kandidieren - lässt man verbal einschlafen. Rot und Schwarz mag sich ja seit der Landtagswahl vor zwei Jahren, bei der die SPÖ die Absolute verloren hat.

"Sicherheit" und "Sozialdumping"

Große Überraschungen sind nicht zu erwarten, genauso wenig wie regionale oder gar überregionale Aussagekraft. Das Burgenland neigt von jeher dazu, bei Kommunalwahlen die Kirche im Dorf zu lassen, weshalb die Ansage von Heinz-Christian Strache, die FPÖ wolle das schon als eine Art Denkzettelwahl ansehen, etwas komisch wirkt. Weniger komisch, beinahe hämisch wirkt dagegen die Einladung Straches an den roten Landeshauptmann Hans Niessl, im Wiener Parlament ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen: bei der Aufhebung des Schengenabkommens, der Wiedereinführung des Assistenzeinsatzes, der Ausländerbeschäftigung. Die pannonische SPÖ hat "Sicherheit" und "Sozialdumping" thematisch ja ins Wahlkampffinale gestellt. Und Strache surft darauf.

Auf der Welle eines bundesweiten Trends surfen die verschiedenen Listen. Erstmals müssen die sich bei der Landeswahlbehörde für eine Zugehörigkeit entscheiden, was die SP-nahen Ortslisten im Bezirk Güssing zur eidesstattlichen Einschwörung auf die SPÖ gezwungen hat. In Oberschützen ist diesbezüglich die FPÖ betroffen. Eine eigene Liste hat sich bei den vergangenen Wahlen konstituiert. Die Liste Burgenland hat in Deutschkreutz und in Bad Sauerbrunn immerhin den Bürgermeister zu verteidigen. Der frühere FP-Chef Wolfgang Rauter kämpft um den einschlägigen Sessel in Großhöflein. (wei, DER STANDARD, 3.10.2012)

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