Halblustiges Inferno

2. Oktober 2012, 17:17
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"Best of Apocalypse" im Wiener Stadtsaal

Wien - Vom Konzept her erinnert der Abend natürlich an Franz Wittenbrink, der u. a. am Burgtheater den Liederabend Pompes Funèbres inszenierte: Helmut Jasbar wählte ein Dutzend Songs aus, die sich irgendwie, zumindest assoziativ, mit dem Weltuntergang beschäftigen, und fügte sie zum Themenabend Best of Apocalypse zusammen. Auf der Bühne allerdings tut sich, im Gegensatz zu Wittenbrink, nicht viel: Katharina Straßer und Cornelius Obonya, entspannt auf Barhockern sitzend, singen bloß die großteils bekannten Lieder, die Jasbar für seine Band Birds of Vienna überraschend neu arrangierte.

Der recht große Stadtsaal ist aber der falsche Ort für einen solch intimen, mitunter jazzigen oder kammermusikalischen Abend: Er hätte besser in ein verrauchtes Kellerlokal, in eine Bar gepasst. Und er hätte straffer, kürzer, ohne Pause sein müssen.

Die Entertainer haben keine Schuld: Sie singen mit Leib und Seele. Straßer erinnert ein wenig an die Mendt, Obonya an Dean Martin. Die meisten Songs (u. a. von Tom Waits, Bob Dylan, Leonard Cohen, The Beatles, Snow Patrol, Pink Floyd und Prince) gelingen, die ruppige Version von Personal Jesus (Depeche Mode) beeindruckt, und Straßer glänzt u. a. mit Marry The Night (Lady Gaga).

Das Hauptproblem bleiben jedoch die Doppelconférencen mit eher halblustigen Texten. Durchgekaut wird immer wieder das Gleiche: Was wäre zu tun, wenn tatsächlich die Welt unterginge. In einem der besten Momente meint Straßer, sie würde noch schnell Nutellapalatschinke und Stelze essen. Aber dann müsste er wirklich kommen, der Weltuntergang. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 3.10.2012)

Termine: 3.-7. 10., jeweils 20.00

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