"Jesus, Hurensohn": Kirche in Jerusalem beschmiert

Jüdische Extremisten als Täter vermutet - Bischöfe kritisieren Israels Bildungssystem: Gelehrt werden Misstrauen und Intoleranz

Jerusalem - Unbekannte Täter haben erneut eine Kirche in Jerusalem mit christenfeindlichen Parolen beschmiert. Ein israelischer Polizeisprecher sagte am Dienstag, unter anderem sei auf das Tor der Dormitio-Abtei in hebräischer Sprache "Preisschild" geschrieben worden. Mit dieser Parole reagieren radikale jüdische Siedler in den vergangenen Jahren immer wieder auf Räumungen ihrer "Außenposten" im Westjordanland durch israelische Behörden. Der israelische Staatspräsident Shimon Peres verurteilte den Vandalenakt scharf. Er verstoße gegen die Werte des Judentums und schade dem Staat Israel. "Es ist verboten, heilige Stätten anzugreifen", sagte Peres.

Nach Berichten von Kirchenvertretern schrieben die Täter auch "Jesus, Hurensohn" auf das Tor. Die katholischen Bischöfe des Heiligen Landes verurteilten die Übergriffe am Dienstag scharf. Der Angriff sei "Teil unerträglicher Akte der Intoleranz", die sich in Israel und der Welt zeige. Die Bischöfe wiederholten ihre Forderung nach einer "radikalen Veränderung" des israelischen Bildungssystems, in dem Misstrauen und Intoleranz gelehrt würden.

Seit Jahresbeginn wurden in Israel wiederholt Graffiti-Attacken auf christliche Orte sowie arabisch-jüdische Begegnungsstätten verzeichnet, zuletzt vor einem Monat auf das Trappistenkloster in Latrun, westlich von Jerusalem. An einer baptistischen Kirche waren unter anderem Drohungen wie "Tod dem Christentum" und "Wir werden euch kreuzigen!" zu lesen. Auch an einem nahe gelegenen griechisch-orthodoxen Kloster brachten Unbekannte hebräischsprachige Graffiti mit Drohungen wie "Tod den Christen" an. Ähnliche Parolen fanden sich auch an einer arabischen Schule in Jerusalem

Die Dormitio-Kirche ist eine römisch-katholische Kirche auf dem Zionsberg, südlich der ummauerten Altstadt von Jerusalem. Dort soll die Gottesmutter Maria im Kreis der Jünger Jesu gestorben sein; daher der Name Dormitio Mariae (Mariä Entschlafen). 1898 erwarb der deutsche Kaiser Wilhelm II. das Grundstück und übergab es dem "Deutschen Verein vom Heiligen Lande" zur Nutzung für die deutschen Katholiken. In den folgenden Jahren entstanden die Dormitio-Kirche und ein Kloster, die heutige Abtei "Dormitio Beatae Mariae Virginis", in das deutsche Benediktiner einzogen. Die Kirche wurde am 10. April 1910 geweiht. (APA, 2.10.2012)

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