Der Poet als Chronist des Augenblicks

Michael Pekler
2. Oktober 2012, 17:09
  • Auf dem Weg in den Westen - und in ein neues Zeitalter: Sal Paradise (Sam Riley, hinten) und seine Gefährten Dean Moriarty (Garrett Hedlund) und Marylou (Kristen Stewart) in "On the Road".
    foto: filmladen

    Auf dem Weg in den Westen - und in ein neues Zeitalter: Sal Paradise (Sam Riley, hinten) und seine Gefährten Dean Moriarty (Garrett Hedlund) und Marylou (Kristen Stewart) in "On the Road".

Lange galt Jack Kerouacs Beatnik-Bibel "On the Road" als unverfilmbar. Walter Salles hat es nun mit einem Zugang versucht, der die Aufbruchseuphorie des Romans in rauschhafte Miniaturen zerlegt

Wien - In der Reihe der angeblich unverfilmbaren Romane ist dieser ganz weit vorn. Jack Kerouacs On the Road (Unterwegs) hat bereits mehrere Adaptierungsversuche hinter sich, doch bisher war der 1957 erschienene Meilenstein der US-Nachkriegsliteratur jedem zu groß - und wohl auch zu riskant. Francis Ford Coppola, der sich in den 70er-Jahren die Rechte für eine Verfilmung sicherte, hat diese dann erst gar nicht versucht.

Denn Kerouacs Roman gilt nach wie vor einer ganzen Generation als eine Art Heilige Schrift, neben der höchstens William S. Burroughs' Naked Lunch und Allen Ginsbergs Howl bestehen. Erst vor wenigen Jahren erschien die über 500 Seiten starke Urfassung des Romans, die Kerouac bereits 1951 verfasste und in der die realen Personen - wie Neal Cassady und Burroughs - noch nicht durch Pseudonyme ersetzt sind. Dass er dafür eine 40 Meter lange Rolle aus Papierblättern bastelte und seine Erlebnisse wie im Wahn in die Schreibmaschine hämmerte, war der Legendenbildung nicht abträglich.

Als literarisches Manifest bot sich die Geschichte des jungen Poeten Sal Paradise, der sich von New York auf den Weg Richtung Westen macht, um das Nachkriegsamerika nicht nur zu entdecken, sondern mit allen Sinnen zu spüren, nachgerade an. Raus aus dem Mief der kläglichen Bürgerlichkeit, hinein in rasendem Tempo in die einen Aufbruch verkündende Zeit. Dass Kerouac von der Hippie-Generation später vereinnahmt wurde - eine Parallele zu Tolkien und dessen Ring-Trilogie -, liegt an diesem unbändigen Willen zum Neubeginn.

Das Schlimmste, was diesem Lebensstoff hätte passieren können, wäre ein herkömmliches Roadmovie gewesen. Dieser Versuchung ist Walter Salles, der sich bereits mit Die Reise des jungen Che an einer Ikone der Gegenkultur versucht hat, zum Glück nicht erlegen. Stattdessen ist On the Road, von Coppola nunmehr produziert, ein Vignettenfilm geworden. Wie Klebebilder reiht Salles die Erlebnisse des reisenden und dabei ständig in einen kleinen Schreibblock notierenden Dichters (Sam Riley) aneinander, lässt den Erfahrungssüchtigen und dessen Gefährten - allen voran seinen engsten Verbündeten Dean Moriarty (Garrett Hedlund) - wie aus dem Nichts an Schauplätzen zwischen New York, Denver und San Francisco auftauchen und wieder verschwinden.

Diese Miniaturen, aus dem vor sich hin wuchernden Roman herausgeschnitten, erfüllen zwar ihren Zweck dahingehend, dass tatsächlich jede bizarre Begegnung, jede abenteuerliche Frauenbekanntschaft, jeder wahnhafte Rauschzustand wie Knotenpunkte eines Netzes wirken, das sich über die Landkarte Amerikas legt.

Andererseits bekommt der Film dadurch ein enormes Problem: Salles entgeht völlig der für Kerouac wesentliche Abstand zwischen Leben und Schreiben, er macht aus ihm einen Chronisten, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Doch Kerouac war nicht, wie Thoreau am Waldensee, ein freiheitsliebender Beobachter seiner selbst: Er war in jedem Augenblick ganz bei sich. (Michael Pekler, DER STANDARD, 3.10.2012)

Ab Freitag

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der trailer

wirkt auf jeden fall abstossend

endlos langweiliger film...

...der kein klischee auslässt.
zielpublikum sind menschen die in ihrer jugend selbst kein leben hatten, weil sie selbst zu brav und angepasst waren. Dafür finden es jetzt unheimlich cool zuzusehen, wie andere sich ständig zugedröhnt durchs leben schnorren und es mit ein bissl freier liebe probieren.
sorry leute, über die phase war ich mit 17 raus...
die charaktere dieser "litaraturverfilmung" findet man in jeder teenieschnulze hollywoods:
der typ, der mit seiner homosexualität nicht klarkommt,
der aufreißer, der am realen leben scheitert und
der hauptdarsteller, der am schluss mit den mädels im dicken auto wegfährt.
"La Boum - die Fete" für Bobos....

nur das la boum gefühlte 40 Jahre später spielt.

time changes...

Hatte das Vergnügen Twilight abends in einem Lokal auf einem Fernseher sehen zu dürfen.
Die Mädels haben immer wieder hingesehen...zum Glück hatte ich folgendes im Auto dabei:
http://www.amazon.de/Schl%C3%B... 683&sr=8-2

Das war ein Spaß!

Passenderer Titel dieses Schlumpfwerks: cul de sac.

On the Road

Österreich-Premiere ist heute um 20:00 im Votivkino

Ich frage mich,

warum es in einem christlichen Land erlaubt ist, so einen Sex- und Drogenschund zu verfilmen.

unverfilmbar?

aus meiner sicht war heart beat schon eine teilverfilmung:
http://en.wikipedia.org/wiki/Hear... eat_(film)
großartig: nick nolte als neal cassady

Verboten?

Hat schon jemand einen Torrent gefunden? Würde mir diesen Film gerne anschauen. In Vlbg. scheint er nicht gezeigt zu werden. Ich glaube solche Literatur und solche Filme sind von der ÖVP und der Kirche in Vlbg. immer noch verboten. :-)

nein...

...nur fakes, ich habe gestern geschaut, da ich auch in meinem wohnort voraussichtlich bis 2020 warten muss.

Sich den Film illegal zu ziehen ...

... ist natürlich die ideale Taktik um die Filmemacher zu unterstützen und es den Konservativen so richtig zu zeigen.

Die illegegale Methode ist Notlösung

Ich fahre nicht nach Wien oder Graz um den Film zu sehen. Wenn sie ihn in Vlbg. spielen gehe ich hin zahle und sehe ihn im Kino an. Ist das nicht möglich sauge ich ihn herunter.

Das ist keine Notlösung

Das ist asozial und respektlos gegenüber den Machern. Die können nichts dafür dass die Kinos in Vorarlberg den Film nicht zeigen.

In dem Fall wartet man schlicht auf die DVD. Gibt genug andere großartige Filme mit denen man sich bis dahin die Zeit vertreiben kann.

Asozial?

Sind die Macher sozial Bedürftige? Dann dürfen sie um eine Spende ansuchen welche sie auch bekommen werden.
Wenn der Film nicht angeboten wird sind sie selbst schuld.

uuufpassa! da pfarra vu andelsbuch häd di scho rot gstrichlat.

Habe eher Angst

als Kommunist verfolgt zu werden und Exkommuniziert zu werden. :-)

schade, ja, die wenigen programmkinos hier (feldkirch, schaan) haben den film bisher nicht angekündigt. övp ahja naja

übertreibe

Na ja, ich übertreibe natürlich ein wenig. Ganz so reaktionär sind wir in Vlbg. natürlich nicht mehr. Es hat aber schon seltsame Kulturpolitsche Vorfälle gegeben (Flint). Ist schon ne Weile her, aber es ist immer noch dieselbe politische Gedankenwelt in der Landesregierung.

Hab ihn schon gesehen...

Ein sehr gutes Stimmungsstück, dass sich wohl nur dem geneigten Zuschauer eröffnen dürfte und im letzten Drittel auch für den ein kleines Bisschen an 'drive' verliert. Insgesamt aber eine gute Umsetzung des Romanklassikers.

7/10

wo gibts den torrent?

Nix da Torrent. Kino.

Wo denn?

Läuft doch erst ab Sa.

War letzten Dienstag im Sneak Preview im Apollo (W).

ich fand ihn zu lang. Das Ende war für mich dann sehr stimmig und schön, aber die 2 Stunden davor waren streckenweise eher langweilig.

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