Ein Roboter mit Blaulicht und ein Physik-Popstar

2. Oktober 2012, 18:56
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Elf Beispiele zeigen, wie aus einer Idee ein Produkt wird, Spiele sorgen für kindgerechte Unterhaltung - ein Tag im Donauzentrum mit vielen Forschungsfragen

Wie baut man einen Roboter, der für die Feuerwehr ausrücken kann? Wie kann ein Bienenkasten Bienen heilen? Wie können Pauken optimiert werden? - Fragen wie diese werden üblicherweise in Wiener Forschungseinrichtungen diskutiert, letzten Samstag aber an einem ungewöhnlichen Ort: im Einkaufszentrum.

Das Wiener Forschungsfest 2012 hat letzten Samstag seine erste Station im Donauzentrum in Wien-Kagran gemacht. Bei der Eröffnung standen die Besucher buchstäblich unter Strom: Der TU-Physiker Bernhard Weingartner setzte eine Gruppe von Mädchen und Burschen als Verbindungsstück von seinem iPhone zu den Lautsprechern ein. Käme der Strom aus der Steckdose, wäre das Experiment freilich tödlich. Erst als sich die Kinder die Hand gaben, war der Stromkreis geschlossen, und Musik dröhnte aus den Boxen. Tosender Applaus.

"Das wird jetzt gefährlich!"

Die Kinderinsel "Wiffzack", bei der mit verschiedenen Materialen gebastelt wurde, ein Quiz, das Fragen zu den Forschungsstationen stellte, und nicht zuletzt Weingartners Forschungsshow begeisterten das junge Publikum. Als er mit -200 Grad kalter Luft eine Plastikflaschenrakete baute oder damit einen Luftballon in sich zusammensacken ließ, um ihn anschließend mit seinem "Zauberatem" in seine ursprüngliche Form zu bringen, jubelten die Kinder. Seine warnenden Worte "Bitte nicht zu nahe kommen, das wird jetzt gefährlich!" erhöhten die Spannung zusätzlich. Danach standen sie Schlange für ein Autogramm, wie bei einem Popstar.

Auch für die Jugendlichen gab es ein altersadäquates Angebot, die Arbeiterkammer bot Berufsorientierungsberatung an. Obwohl sich viele Junge Leute in den umliegenden Bekleidungs- und Technikgeschäften tummelten, beim Forschungsfest blieben sie eher aus.

Die Exponate waren den ganzen Tag umringt von Interessierten: Manche waren extra wegen des Festes nach Kagran gekommen. Andere kamen zufällig vorbei und stellten spontan ihren Einkaufskorb ab, um mit einem Roboter zu experimentieren - etwa mit "taurob tracker", einem Roboter, der speziell für Feuerwehreinsätze konstruiert worden war.

Roboter tritt zum Dienst an

Bei unvorhersehbaren Gegebenheiten wie Explosionsgefahr kann das Gefährt mit roter Karosserie und Blaulicht vorgeschickt werden und den Einsatzkräften Bildmaterial liefern. Nach zweijähriger Entwicklung von Matthias Biegl und Lukas Silberbauer ist "taurob tracker" nun serienreif. Nächstes Jahr wird er seinen Dienst antreten, zunächst bei der Wiener Berufsfeuerwehr, erzählte Biegl, während Silberbauer den Kindern zeigte, wie sie "taurob tracker" steuern können.

Auch aus dem Bereich Musik waren Erfindungen zu sehen. Auf den Pauken der Brüder Lanner, die in einem dreijährigen Forschungsprozess Klangqualität, Metallverarbeitung und Design optimierten, durften die Besucher sogar selbst trommeln.

Auch ein Bienenkasten war zu sehen. Der Imker Wolfgang Wimmer hat den " Varroa Controller" konstruiert, um die Varroa-Milbe, die seit 30 Jahren eine der stärksten Bedrohungen für Europas Bienen darstellt, zu eliminieren. Während es bisher nur chemische Behandlungsmethoden gab, hat Wimmer eine einfache und natürliche Lösung gefunden: Fieber. Die Bienenlarven halten etwas höhere Temperaturen als die Varroa-Milben aus.

Sein Bienenkasten ist mit Temperaturmessern und einer Heizung versehen. Während der künstlichen Fieberphase von zwei Stunden sorgt ein kleines Wasserbecken dafür, dass die Bienenbrut nicht austrocknet, während die Milben sterben. (Tanja Traxler/DER STANDARD, 3. 10. 2012)


Wissen: Forschung on Tour
Das Forschungsfest ist neben der Langen Nacht der Forschung einer der größten Events in Wien, in denen Forschung einem breiten Pu blikum zugänglich gemacht wird. Es wird auf Initiative von Vizebürgermeisterin Renate Brauner mit der Technologieagentur der Stadt Wien, der ZIT, ausgetragen.

Heuer tourt das Forschungsfest zum dritten Mal durch Wiener Einkaufszentren. Der Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis steht dabei im Zentrum, formuliert in der Frage "Wie wird eine Idee zu einer Innovation?". An elf ausgewählten Beispielen wird diese beantwortet - mit den Produkten selbst, mit Infotafeln und natürlich von den Erfindern.

Am 6. Oktober macht das Fest im Zentrum Simmering Station, am 13. Oktober in der Millennium City. (trat)

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zit

  • Der Feuerwehrroboter "taurob tracker" begeisterte die jungen Gäste am Wiener Forschungsfest im Donauzentrum. Der Roboter wurde in Zusammenarbeit mit der Wiener Feuerwehr für Spezialeinsätze wie Explosionen entwickelt.
    foto: bubu dujmic

    Der Feuerwehrroboter "taurob tracker" begeisterte die jungen Gäste am Wiener Forschungsfest im Donauzentrum. Der Roboter wurde in Zusammenarbeit mit der Wiener Feuerwehr für Spezialeinsätze wie Explosionen entwickelt.

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