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Bei Medikamentenentwicklungen geht es nicht immer darum, das Rad vollkommen neu zu erfinden. Mitunter können auch bereits bekannte Wirkstoffe in neuen Kombinationen medizinische Probleme lösen. Allein: Auch diese therapeutische Option muss in Studien erst einmal ihre Wirksamkeit beweisen.
Dem Kampf gegen krankmachenden Biofilm hat sich das Wiener Pharmaunternehmen ProFem verschrieben. Konkret geht es um den vaginalen Scheidenpilz, eine Erkrankung, an der 75 Prozent aller Frauen zumindest einmal im Leben erkranken, der jedoch bei fünf bis zehn Prozent zu einem chronischen Leiden wird.
"Es gibt Bereiche in der Frauenheilkunde, die in der Forschung komplett vernachlässigt sind, und für die es deshalb auch keine therapeutische Lösungen gibt", sagt Marion Noe, Gründerin von ProFem, und freut sich, dass ihr 2006 gestartetes Projekt eben den FemPower-Preis der Stadt Wien gewonnen hat. Dieses von der ZIT, der Technologieagentur der Stadt Wien, initiierte Programm unterstützt Frauen in leitenden Funktionen. Dass die Gynäkologin und Biochemikerin Noe sich für ein tabuisiertes Frauenleiden einsetzt, macht die Entscheidung der Jury zusätzlich stimmig.
Hermetischer Biofilm
Candida albicans heißt der Pilz, dem ProFem das Garaus machen will. Er siedelt sich im Verbund mit anderen Bakterien in der Schleimhaut als Biofilm an. Normalerweise halten sich Mikroorganismen eigentlich gegenseitig in Schach, "aber es gibt Fälle, in denen das Gleichgewicht gestört ist und durch unterschwellige Entzündungen immer wider aufflammende Infektionen getriggert werden", erklärt Noe, die - als sie noch als Gynäkologin im Wiener AKH arbeitete - besonders damit haderte, Frauen mit dieser Erkrankung keine langfristig erfolgreiche Therapie anbieten zu können.
Die Ursachen für Scheideninfektionen sind vielfältig. Stress, die Antibabypille, Hormonschwankungen im Zyklus, Immunschwäche, Diabetes - all das kann die Basis für wiederkehrende Krankheitsattacken werden. ProFem arbeitet an einer Creme, die den Biofilm durchdringen und die Wirkstoffe der Medikamente in die betroffene Region einschleusen kann. Das neue Medikament setzt auf eine Kombination zweier bereits zugelassener Wirkstoffe. Die Herausforderung besteht unter anderem darin, die richtige Dosis und damit therapeutische Effizienz zu ermitteln. Bis 2014 soll die ProFem-Kombinationstherapie marktfähig sein und ein Frauenleiden, für dessen Behandlung im Jahr weltweit etwa drei Milliarden Dollar ausgegeben werden, lindern.
Das wirtschaftliche Potenzial dieses neuen Medikaments sehen auch andere Förderunternehmen in Österreich. ProFem wurde von einer PreSeed-Förderung der Austria Wirtschaftsservice GmbH hinsichtlich des klinischen Studienprogramms unterstützt und wird seit 2010 von Inits, der universitären Gründerservice Wien GmbH, beraten.
Fahrplan in die Zukunft
"Wir unterstützen Geschäftsideen nicht nur finanziell, sondern auch mit Know-how zur Patentierung und hinsichtlich einer Finanzierungsstrategie, auch was das Privatkapital betrifft", sagt Inits-Leiterin Irene Fialka, die ProFem weiterhin begleiten wird. In den nächsten Monaten steht die Dosis-Eskalationsfindung an 80 bis 100 Patientinnen an. Die Hoffnung Noes ist es, die extrem hartnäckigen Pilzstämme nicht vorübergehend, sondern langfristig nachhaltig zu besiegen. (Karin Pollack/DER STANDARD, 3. 10. 2012)
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