Mit Finten ins Reich der Tea Party

  • Die Frau, die sich Janeane Wilson nennt, bei einem Treffen mit Mitt Romney.
    foto: wilsilu pictures

    Die Frau, die sich Janeane Wilson nennt, bei einem Treffen mit Mitt Romney.

Der Film "Janeane from Des Moines" blickt hinter die Kulissen des republikanischen Wahlkampfs

Janeane Wilson wirkt von Aussehen und Habitus her wie einem feuchten Traum erzkonservativer Republikaner entsprungen: weiß, 47 Jahre alt, Bibelfreundin mit grünem Daumen und Ehefrau eines Lastwagenfahrers aus Des Moines, Iowa. Sie beklagt den Kurs, den Amerika eingeschlagen habe seit ein schwarzer Mann im Weißen Haus sitzt, greint ob der schwierigen Lage, in die US-Präsident Barack Obama die "kleinen Familien" manövriert habe. Gesundheitsreform, Abtreibungen und Homoehe: für Wilson ist derlei liberale Programatik allesamt des Teufels.

Kurz: Janeane aus Des Moines, die eigentlich Jane Edith Wilson heißt und von Beruf Schauspielerin des satirischen Fachs ist, passt prototypisch in das Schema Wählerin, um deren Gunst republikanische Kandidaten wie Mitt Romney, Michelle Bachmann und Rick Santorum seit beinahe einem Jahr schon buhlen. Weder den Politikern, die Wilson bei ihren Auftritten während der Vorwahlen im Agrarstaat im Mittelwesten Audienzen gewährten und mediengerecht in Szene setzten, noch den zahlreich anwesenden Journalisten fiel der Bluff auf.

Aus unzähligen Treffen mit den republikanischen Bewerbern und deren Anhängern in Iowa enstand nun ein Film, "Janeane from Des Moines", eine so genannte "Mockumentary", die tief hinter die Kulissen der republikanischen Agitprop-Wahlkampfmaschine blicken lässt.

Im Dunstkreis der republikanischen Wahlkampftour besuchte Wilson auch Zusammenkünfte der radikalkonservativen Tea Party-Bewegung. Und traf dort auf verarmte Mittelständler, die sich ihre Krankenhauskosten nicht mehr leisten können und vehement gegen Obamacare agitieren - so wie die fiktive Janeane Wilson selbst.

"Wir wollten herausfinden, warum Menschen politische Überzeugungen pflegen, die völlig konträr zu ihren eigenen Interessen sind", erklärt Regisseurin Grace Lee die Beweggründe des Films, der dieser Tage beim Filmfestival im kanadischen Toronto präsentiert wurde. "Antworten haben wir keine gefunden. Aber wir hoffen, dass so wenigstens darüber gesprochen wird." Im Oktober läuft "Janeane from Des Moines" auch in US-amerikanischen Kinos an, gerade rechtzeitig vor der Präsidentschaftswahl. (red, derStandard.at, 2.10.2012)

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