Standortabfrage neu: Schnellere Handyortung soll Leben retten

  • Schnellere Standortermittlung soll den Einsatzkräften mehr Zeit verschaffen.
    foto: apa

    Schnellere Standortermittlung soll den Einsatzkräften mehr Zeit verschaffen.

Kontroll-SMS an Betroffene soll vor missbräuchlicher Verwendung schützen

Dank elektronischer Standortabfrage sollen verirrte und verunglückte Personen künftig schneller gefunden werden. Das Konzept der "Standortabfrage Neu" wurde vom Präsidenten des Forum Mobilkommunikation und A1-Chef Hannes Ametsreiter präsentiert.

Schichtleiter entscheidet

Das bisherige Prozedere erforderte mehrere Schritte und benötigte viel wertvolle Zeit. Vom Supervisor der zuständigen Einsatzkräfte wurde ein Fax mit der Bitte um Stamm- und Standortdaten an den Mobilfunkprovider abgesetzt. Daneben erfolgte auch telefonische Kontaktaufnahme sowie eine interne Recherche, ob die Nummer von früheren Notrufen bereits bekannt ist.

Nun entscheidet der Schichtleiter der jeweiligen Leitstelle darüber, ob eine Abfrage notwendig ist. Von besonderer Bedeutung ist die Ortung, wenn Betroffene nicht wissen, wo sie sich gerade aufhalten oder der Anrufer sich nicht mehr verständlich artikulieren kann.

Automatische Antwort und Info-SMS

Die standardisierte, elektronische Anfrage an den Mobilfunker wird automatisch mit der Übermittlung eines Datensatzes über eine sichere Leitung beantwortet. Für die Auswertung der Information ist die Leitstelle verantwortlich, die auch die Verantwortung für die Korrektheit der Abfragen trägt.

Als Hebel gegen Missbrauch fungiert eine SMS an die abgefragte Nummer, die über Rechtsgrundlage, Datum, Uhrzeit und Daten der Abfrage informiert und auch Kontaktdaten der verantwortlichen Stelle beinhaltet. Die Nachricht wird automatisiert versendet, wobei eine Vorlage unter den Mobilfunkern abgestimmt wurde.

Datenschutzexperte sieht Fortschritt

Diese Form der Standortabfrage greift für den Paragraphen 98 des Telekommunikationsgesetzes und bezieht sich in der Regel auf Notfälle mit "Gefahr im Verzug". Zu unterscheiden ist sie von einer Lokalisierung im Rahmen des Sicherheitspolizeigesetzes, etwa bei Ermittlungen von Strafbehörden, die richterlich abgesegnet werden muss und logischerweise keine Information der betreffenden Person beinhaltet.

Georg Markus Kainz, Obmann des Vereins Quintessenz, sieht darin einen Fortschritt in Sachen Datenschutz. "Bislang wurden Betroffene darüber selbst nicht informiert. Wurde eine solche Anfrage beispielsweise von der Polizei gestellt, so musste nur der interne Datenschutzbeauftragte in Kenntnis gesetzt werden."

Mehr Zeit für Rettung

Im Rahmen der Standortermittlung erhalten die Einsatzkräfte die Information, in welcher Funkzelle die jeweilige Nummer aktuell oder zuletzt eingebucht war. Wie exakt das Handy damit aufgespürt werden kann, hängt von der Größe der Funkzelle ab, wobei die Genauigkeit nur ausreicht, um den Aufenthaltsort auf ein gewisses Gebiet einzuschränken. Ist dieses zu groß, rückt zusätzliche Verstärkung, wie eine Rettungshundestaffel, aus.

Insbesondere in Tirol erhofft man sich durch die schnellere Informationsübergabe wertvolle Zeitersparnis und damit höhere Chancen, vermisste und verunfallte Personen lebend zu retten. In dem bergigen Bundesland sind Anrufe von ortsunkundigen Touristen, die vom Weg abgekommen sind, keine Seltenheit, erklärt Martin Eberharter, Leiter der Leitstelle Tirol. 2011 wurden österreichweit insgesamt 550 Handyortungen auf Basis eines Notrufs durchgeführt. (gpi, derStandard.at, 02.10.2012)

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