Syrische Armee nimmt Region um Damaskus unter Beschuss

2. Oktober 2012, 12:36
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Militär will Region um die Hauptstadt wieder unter seine Kontrolle bringen

Beirut - Die syrische Armee hat nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Dienstag mehrere Orte in der Nähe von Damaskus unter schweren Beschuss genommen. In der Rebellenhochburg Douma nordöstlich der Hauptstadt hätten die Truppen von Staatschef Bashar al-Assad mindestens zwei Zivilisten getötet, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei einem Angriff aufständischer Kämpfer gegen eine Einrichtung der Armee wurden dort demnach sechs Regierungssoldaten getötet.

Die amtliche Tageszeitung Al-Baas berichtete, das Militär sei seinem Ziel nähergekommen, die gesamte Region um Damaskus wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Von den Rebellen verbreitete Videoaufnahmen zeigten zahlreiche Menschen, die in der Nacht in Autos aus Douma flohen.

Touristenziel unter Beschuss

Nach Angaben der Aufständischen nahm die Armee auch das von ihr seit Monaten belagerte frühere Touristenziel Zabadani unter Beschuss. Die Ortschaft Yabroud wurde demnach mit schwerer Artillerie und Mörserfeuer angegriffen. Landesweit wurden laut der Beobachtungsstelle mindestens elf Menschen getötet.

In der seit Wochen umkämpften nordwestsyrischen Stadt Aleppo konzentrierten sich die Kämpfe zwischen Armee und Rebellen demnach auf das Stadtviertel Hanano City. Die Regierungszeitung Al-Watan berichtete, das Militär habe Verstärkung nach Aleppo entsandt.

US-Journalist auf Video

Nach sieben Wochen tauchte ein in Syrien verschollener US-Journalist in einem Internet-Video auf, das ihn als Gefangenen einer Terrorgruppe zeigt. An der Herkunft gibt es allerdings Zweifel. Austin Tice war im Umland von Damaskus verschwunden. Der Medienkonzern McClatchy, für den er aus Syrien berichtete, teilte am Montagabend mit, Tice habe sich am 13. August zum letzten Mal per E-Mail gemeldet. Danach sei der Kontakt zu dem Journalisten, der auch für die "Washington Post" und andere Medien schrieb, abgebrochen.

Das Video zeigt Tice mit verbundenen Augen. Er wird in einer Berglandschaft von vermummten Männern, die "Gott ist groß!" rufen, herumgeschubst und ist sichtlich verzweifelt. Das Material wirft allerdings Fragen auf: Eine Website, die dem Regime von Präsident Assad nahesteht, hatte im September berichtet, Tice sei am 24. September von Regimetruppen in Dariya festgenommen worden. Die Kämpfer im Video tragen nun erstaunlich blütenweiße, frisch gebügelte Gewänder. Auch wurde das Video bei YouTube veröffentlicht und nicht auf einer der Islamisten-Websites, die üblicherweise Videomaterial aus dem terroristischen Untergrund verbreiten.

Die syrischen Behörden haben sich zum Schicksal des Amerikaners bisher nicht geäußert. Im August hatten die Regimetruppen einen türkischen und einen palästinensischen Kameramann festgenommen, die für den Sender "Al-Hurra" arbeiteten. Einer der beiden wurde später im Staatsfernsehen vorgeführt, wo er ein "Geständnis" ablegen musste. (APA, 2.10.2012)

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