Pro-Ethik-Siegel für Werbefreiheit und gegen Verbote

  • Das neue "Pro-Ethik-Siegel" des Werberats.
    foto: werberat,at

    Das neue "Pro-Ethik-Siegel" des Werberats.

Bis Mitte September sind 275 Beschwerden beim Werberat eingegangen

"Je fortschrittlicher das gesetzliche Regelungssystem betreffend Werbung und Verbraucherschutz in einem Lande ist, a.) desto stärker verlagert sich die Aufgabe der Werbeselbstbeschränkung auf jene Gebiete der Ethik und Moral oder b.) desto weniger muss die Werbeselbstbeschränkung auf dem Gebiet der Ethik und Moral beachtet werden": Das ist eine der Multiple-Choice-Fragen, die Interessierte beantworten müssen, um das Pro-Ethik-Siegel des Österreichischen Werberats zu bekommen.

Dieses neue Siegel soll eine Auszeichnung für werbetreibende Unternehmen, Agenturen und Medien sein, die in ihren Werbemaßnahmen "die ethischen und moralischen Grundsätze des Ethik-Kodex der Österreichischen Werbewirtschaft unterstützen, den gemeinschaftlichen, sozial-ethischen Gedanken der Kommunikationsbranche tragen und und für Werbefreiheit und gegen Werbeverbote eintreten".

Das Siegel wird für zwei Jahre vergeben und wird ungültig, wenn der Werberat Beschwerden über Werbemaßnahme des Unternehmens erhält und dafür ein Stopp ausspricht. Sollten Beschwerden eingehen, die zu einer Sensibilisierungs-Entscheidung führen, werden die Unternehmen verwarnt. Nach drei Verwarnungen wird das Pro-Ethik-Siegel ebenfalls entzogen.

Orientierungshilfe und Wettbewerbsvorteil

Was haben Unternehmen vom Pro-Ethik-Siegel? Das Siegel stärke das Vertrauen für Unternehmen, biete Orientierungshilfe für Kunden und schaffe damit einen Wettbewerbsvorteil, sagt Werberats-Präsident Michael Straberger. Unternehmen, die sich für das Siegel interessieren, müssen nach der Registrierung auf werberat.at einen kurzen Onlinetest durchführen, hier werden Grundkenntnisse des Ethik-Kodex abgefragt.

Nach Prüfung durch den Werberat - auch darüber, ob der Werberat innerhalb der vergangenen zwei Jahre eine Stopp-Entscheidung über Maßnahmen des Antragstellers verhängt hat - erfolgt die Online-Bezahlung. Die Kosten liegen je nach Unternehmensgröße zwischen 79 und 680 Euro für zwei Jahre. Mit "200 bis 300 Teilnehmern" rechnet Straberger innerhalb eines Jahres.

"Ethik-Kodex" statt Selbstbeschränkungskodex

Apropos Kodex: Der derzeit gültige Selbstbeschränkungskodex der Werbewirtschaft wird ab Dezember "Ethik-Kodex" der Werbewirtschaft heißen. Neu formuliert und präzisiert wurden auch die Punkte "Ethik & Moral" sowie "Kinder" und "Gewalt". Hier wurden etwa Jugendliche (12. bis vollendetes 18. Lebensjahr) in den Kodexpunkt einbezogen und festgelegt, dass sich Werbung für Produkte wie Tabak, Alkohol, Waffen, Nahrungsergänzungsmittel und Schlankheitspräparate nicht an Jugendliche wenden darf.

275 Beschwerden bis Mitte September

Bis Mitte September sind dieses Jahr 275 Beschwerden beim Werberat eingegangen, ähnlich viele wie im Vorjahr. Für zehn Kampagnen wurden dieses Jahr ein Stopp ausgesprochen, 14 gerügt. Im Wahljahr 2013 erwartet Werberats-Präsident Straberger einen Anstieg der Beschwerden. 2010 war der Werberat etwa mit rund 570 Beschwerden konfrontiert.

Der Werberat ist nur für Wirtschaftswerbung und nicht für polititsche Werbung zuständig, will Beschwerden zu politischen Kampagnen aber zumindest "quantitativ" veröffentlichen. Die Idee, die Zuständigkeit des Werberats auf politische Werbung auszudehnen, dürfte vom Tisch sein. "Politische Einflussnahmen" und eine "Instrumentalisierung" des Werberats sollen ausgeschlossen sein, so Straberger. (ae, derStandard.at, 2.10.2012)

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15 Postings
Ohne Werbung wären die hirnverbrannte (Un-)Logik und der affige Lebensstil, die Normalität erklärt wurden, gar nicht möglich.

Die Werbeleute wird man in einer besseren Zukunft einmal als die größten Verbrecher ansehen. Sie haben mit ihrem "Marketing" die Hirne von Groß und Klein gnadenlos zuasphaltiert.

Hier von Ethik zu reden, ist eigentlich ein Hohn.

Was zur Hölle?

Kann sich der Werberat keine g'scheite Grafik leisten? Das ist doch einfach nur schiach!

Wann immer mein kleiner Sohn Werbung im Fernsehen sieht (was selten der Fall ist), erkläre ich ihm "Werbung ist Lüge."

Jetzt ist er 5 und wenn er mal wieder irgendeinen hirnlosen Werbespot sieht und mich verwundert anschaut, reicht die Erklärung "Das ist nur Werbung" um die richtige Zuordnung in seinem kleinen Kopf zu bewirken.

Werber sind Absatzmaximierer und zumindest zum Teil professionelle Lügner.

Zwei immanente Eigenschaften die im Gegensatz zu ethischen Werten stehen.

Wenn Selbstregulierung in einer Branche sicher nicht funktioniert, dann in der Werbebranche.

Ethik und Moral? Wir Werbefritzen bringen lieber Arsxx und Titten.

Wär doch gelacht, wenn es uns nicht gelingt, die kleinen Volksschulgschrappen, die ohne Atempause mit unserem Bullshit eingedeckt werden, zu konsumgeilen, instinktgesteuerten Tschapperln zu erziehen.

Weitere kuriose "Fälle" beim Werberat ...

"Werbung der Salzburg AG (...) ist böse und dämonisch."

http://www.werberat.at/beschwerd... px?id=3416

"Respektloser Umgang mit Lebensmittel"

http://www.werberat.at/beschwerd... px?id=3459

"Defekter Akku von Bohrmaschine"

http://www.werberat.at/beschwerd... px?id=3455

"Erbärmlicher deutscher Text"

http://www.werberat.at/beschwerd... px?id=3269

"Fällt eigentlich niemand beim ORF-WERBERAT (!) auf, dass die Werbung immer blöder wird ..."

http://www.werberat.at/beschwerd... px?id=3201

Ethik ist die Lehre von der Moral.

Heißt das nun, dass über die Werbung nun Moral gelehrt weden soll?

Da Moral Werte transportiert,

und zwar solche und solche, tut sie das bereits. Die ethische Frage ist, welche Werte transportiert werden sollten? Die momentanen erscheinen da recht fragwürdig und insofern wäre Werbung die eine (andere) Moral lehrt, durchaus interessant..

um 680 Euro,

kauf ich mir lieber ein Zegna Sakko von der Stange!
Grausliches Siegel!

BESCHWERDE: WER HAT DIESE GRAFIK VERBROCHEN?

SCHÄMT EUCH ALLE!

?

wissen Sie wieviel das gekostet hat!? Das war nicht billig!

http://www.werberat.at/beschwerd... liste.aspx

Also mit welchen Beschwerden sich der Werberat rumplagen muss..

Jemand fühlt sich tatsächlich durch die Aussage "Spitzt eure Schweinsohren" angegriffen? Mann, deren Sorgen möchte ich wirklich haben.

Wenn man sich die Reaktionen auf Beschwerden beim Werberat anschaut, dann kommt man zum Schluss, dass die Werbeargenturen und auftraggebenden Firmen ohnehin Narrenfreiheit haben. Es muss schon einen extrem krassen Fall geben, dass einmal eine Kampagne gestoppt wird.

Klar keine Einschränkungen bzgl. magersüchtigen Models die gefährliche Idealbilder in unseren pubertierenden Töchtern verursachen

und keinerlei Einschränkung bzgl. Werbung für Tabak, Alkohol, Glücksspiel usw.

Geht's noch?

Einerseits werden wir über viel zu viele Kanäle zugemüllt und andererseits soll durch möglichst nichts sicher gestellt werden dass die schwächeren und manipulierbareren Teile unserer Gesellschaft in für sie selbst gefährliche Richtungen gedrängt/ verführt werden?

Kann der Medien/ Werbungs Lobbyist der das fordert in der NAcht noch gut schlafen?

Leider kann er seine Wünsche gegenüber der Politik dank der stark konzentrierten Medienlandschaft in Österreich gut durchsetzen - hat er ja ihre Wiederwahl quasi in der Hand.

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