Guggenheim-Museum in Bilbao zeigt erstmals Egon-Schiele-Ausstellung

2. Oktober 2012, 10:58

99 Werke des österreichischen Künstlers stammen aus der Wiener Albertina. Guggenheim-Museum feiert 15. Jubiläum

Bilbao - Am Montag wurde im weltbekannten Guggenheim-Museum in Bilbao zum ersten Mal eine große Egon Schiele (1890-1918) Ausstellung eröffnet. "Egon Schiele ist einer der populärsten Künstler der Moderne und sein Werk ist unverzichtbar, um die Kunst des 20. Jahrhunderts überhaupt verstehen zu können", erklärte Juan Ignacio Vidarte, Direktor des Guggenheim-Museums gegenüber der APA die besondere Bedeutung, eine Schiele-Ausstellung ins Jubiläumsprogramm des Museums aufzunehmen, das in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert.

Die insgesamt 99 Werke des berühmten österreichischen Expressionisten stammen aus der Sammlung der Wiener Albertina, welche mit 180 Zeichnungen und 35 Skizzenzeichnungen die weltweit größte Sammlung von Schieles Werken auf Papier besitzt. Obwohl Egon Schiele schon seit fast hundert Jahren tot ist, seien die Ästhetik und der Inhalt seiner Werke zeitgenössischer denn je, rechtfertigte Vidarte die Ausstellung in seinem Museum, das weltweit als eines der modernsten Museen überhaupt gilt.

Brücke zur Gegenwart

Auch Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder zeigte sich am Montag in Bilbao begeistert von der Möglichkeit, die Zeichnungen und Aquarelle Schieles im Guggenheim-Museum zeigen zu können. "Es ist etwas ganz Besonderes, Egon Schiele in einem solchen Museum für zeitgenössische Kunst zu zeigen, weil er damit auf einmal eine Brücke zur Gegenwart bekommt, die er in einem Altmeistermuseum auf diese Weise nicht hat. Schiele ist in der performativen Kunst auf einmal aktuell geworden und das spürt man hier", erklärte Schröder, der auch die Ausstellung kuratiert, gegenüber der APA. In den drei großen, grauen Räumen des futuristischen Museumsgebäudes könnten die feinen Zeichnungen Schieles "regelrecht atmen", meinte Schröder.

"Es ist die Monumentalität des Raumes, die sich mit der inneren Monumentalität der Blätter Schieles hier vereinen kann und seinen Zeichnungen eine ganz neue Dimension gibt", so Schröder weiter. Die großen Räume des 24.000 Quadratmeter großen und verwinkelten Museums von Architekt Frank Gehry spiegeln tatsächlich auf räumlicher Ebene wider, was Egon Schiele mit seinen Werken vermitteln wollte - die Verunsicherung des Menschen im Raum, den Verlust der Umgebung und des eigenen Ichs. Schiele versuchte stets, das Verlorengehen und die Zerrissenheit des Menschen in der Welt und der Gesellschaft auszudrücken. Das mache Egon Schiele besonders heute in Zeit der Finanzkrise und der gesellschaftlichen Spannungen zeitgenössischer denn je, so Schröder.

Viele internationale Anfragen

Der Albertina-Direktor erklärte, dass neben dem Guggenheim-Museum zwanzig andere Museen von internationaler Bedeutung angefragt hätten, Schieles Zeichnungen zeigen zu können. Die delikaten Aquarelle und Papierarbeiten können aber nur zwei bis drei Mal in fünf Jahren verliehen werden und er entschied sich für das Guggenheim, das für ihn "eines der großartigsten Bauwerke der Geschichte ist und eines der modernsten und zeitgenössischsten Museen überhaupt".

Schröder legte die Ausstellung im Guggenheim-Museum chronologisch an. Sie widmet sich allen zentralen Themen Schieles wie der Auseinandersetzung mit der symbolischen Totenstadt Krumau, mit dem Kind und der kindlichen Sexualität, dem tabuisierten Sexualakt und der Triebhaftigkeit des Menschen sowie vor allem dem in seinem Werk vorherrschenden Selbstbildnis. Bewusst konzentrierte Schröder die Ausstellung zudem auf Schieles provokative Aktdarstellungen und pathologisch wirkenden Selbststilisierungen auf Papier, da seine schweren und dunklen Gemälde nicht in die Moderne des Museums gepasst hätten.

Die Egon Schiele Ausstellung ist ab Dienstag auch für Publikum geöffnet und noch bis 6. Jänner 2013 im nordspanischen Bilbao zu sehen. Im Jubiläumsprogramm des bedeutenden Guggenheim-Museums, das im vergangenen Jahr rund eine Million Besucher zählte, wird ab dem 30. Oktober und bis zum 17. Februar 2013 auch Claes Oldenburg zu sehen sein. (APA, 2.10.2012)

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