"Resident Evil 6": Kritiker verreißen den Survival-Shooter

Großteil der Fachpresse kritisiert schwache Umsetzung und Mangel an Identität

Es sollte die visionäre Neuausrichtung eines der größten Spielefranchises werden. "Resident Evil 6" hätte die einst so beliebte, aber über 16 Jahre und zahlreiche Fortsetzungen und Auskoppelungen auch etwas träge gewordene Zombie-Saga in ein neues Zeitalter führen sollen. Entwickler Capcom wollte den Sprung mit Diversität vollbringen: Im sechsten Hauptwerk schlüpft man gleich in vier unterschiedliche Charaktere, um in eigenständigen Handlungssträngen Zeuge einer biologischen Katastrophe zu werden. Das Ergebnis sorgt für eine eher unerfreuliche Überraschung: "Resident Evil 6" ist einer der am schlechtesten bewerteten Großproduktionen des Jahres. Während manche Kritiker den Wille zur Veränderung loben, verreißen einige namhafte Publikationen das Spiel geradezu.

Bioterror

Die Handlung setzt zehn Jahre sind nach dem ersten Vorfall in Raccoon City ein. Der Präsident der Vereinigten Staaten entschließt sich dazu, die Wahrheit ans Licht zu bringen in dem Glauben, auf diese Weise das aktuelle Aufleben des Bioterrorismus einzudämmen. Eigentlich sollte ihm der persönliche Freund des Präsidenten, Leon S. Kennedy, zur Seite stehen. Doch nach einem bioterroristischen Angriff auf den Tagungsort steht er einem Präsidenten gegenüber, der bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist.

Zur gleichen Zeit erreicht Chris Redfield, seines Zeichens Mitglied der Bioterrorism Security Assessment Alliance, die Republik China und steht der Gefahr eines Bioterror-Angriffs gegenüber. Keine Nation scheint mehr sicher vor einem Anschlag und den darauf folgenden Ausbrüchen: die ganze Weltbevölkerung eint die gemeinsame Angst, dass es keine Hoffnung mehr gibt.

Vier Kampagnen

Der Spieler übernimmt auch die Rolle als Jake Muller und, sofern man alle drei Szenarien komplettiert hat, auch die Rolle von Ada Wong. Jede Kampagne weist ihren eigenen Spielstil auf. So sind Leons Erlebnisse am stärksten am Horror-Ursprung der Serie orientiert, während Chris einen Shooter-Helden mimt. Die drei ersten Geschichten werden mit einem computergesteuerten oder menschlichen Partner (lokal oder online) bestritten. Als Ergänzung zur Story stehen diverse Modi bereit. In Mercenaries gilt es beispielsweise, eine Horde an Gegnern auszuschalten. In Agent Hunt übernimmt man die Rolle von Gegnern und versucht die Kampagnen anderer Spieler zu sabotieren. 

"Unglaublich starke Spielwelt"

Der Variationsvielfalt können die einen oder anderen Tester Positives abgewinnen. "Von der alten Identität befreit, bleibt ein massives Action-Spiel über, das versucht alle Genre-Features zu vereinen, anstatt neue zu kreieren", fasst Gametrailers zusammen. "Dennoch, verglichen mit anderen zeitgenössischen Werken, bleibt es an der Spitze seiner Klasse." Gleichzeitig sei die technische Weiterentwicklung der Serie hervorzuheben. "Resident Evil 6" zeichnet sich laut IGN durch eine "unglaublich starke Spielwelt, Lichteffekte und Kreaturendesign" aus. Die neuen Gegnertypen weisen "einige der besten Designs und Konzepte in der Geschichte des Franchises auf."

"Schlecht umgesetzt"

Das größte Problem der vierteiligen Kampagne sei die merkliche Varianz bei der Qualität und der fehlende Blick fürs große Ganze. "Es ist ein Spiel, dass die Serie mit einer losen Kollektion an Action-Szenarios vor dem gemeinsamen Hintergrund eines lauen Sci-Fi-Horrors neu definiert. Das Spiel versucht so sehr zu gefallen, dass es sich für keine Identität entscheiden kann.", urteilt Edge Magazine. Leons Kampagne ist Eurogamer zufolge das Highlight und am engsten mit den Wurzeln des Originals verstrickt. Als Chris Redfield erlebe man hingegen "einen zweitklassigen Third-Person-Sprint, der durch endlose Schießereien mit Infanteristen und idiotische Dialoge unterbrochen wird." Unterm Strich hielten vor allem die einzelnen Elemente einer genaueren Prüfung nicht stand. Gamespot rechnet den Autoren einen spannenden Aufbau der Geschichte an, doch das Erlebnis werde durch "schlecht umgesetzte, geskriptete Ereignisse" ruiniert. (zw, derStandard.at, 2.10.2012)

"Resident Evil 6" ist für PC, PS3 und Xbox 360 erschienen.

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