Spanien will komplett unter Rettungsschirm

Der Antrag auf ein Hilfsprogramm zur Budgetsanierung könnte bereits am Wochenende erfolgen, Rajoy dementiert

Madrid - Nach langem Zaudern will Spanien nach Angaben ranghoher EU-Diplomaten nun doch komplett unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen - allerdings tritt jetzt Deutschland auf die Bremse. "Die Spanier haben zunächst etwas gezögert, aber nun sind sie bereit, Hilfe zu beantragen", sagte eine hochrangige europäische Quelle. Drei andere Spitzen-Diplomaten aus der Euro-Zone bestätigten den Sinneswandel. Spanien könnte demnach bereits am Wochenende den Antrag auf ein volles Hilfsprogramm zur Haushaltssanierung stellen - und damit noch vor dem regulären Treffen der Euro-Finanzminister am Montag in Luxemburg.

Konterkariert wird das postwendend von Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. Die spanische Regierung habe noch nicht entschieden, ob sie ein neues Hilfegesuch einreicht, betonte er bei einem Treffen mit den regionalen Führern seiner konservativen Volkspartei (PP) in Madrid.

Zur Stützung des kriselnden Banksektors hat das hoch verschuldete Land bereits Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Die damit verbundenen Reformauflagen beziehen sich aber nur auf die Bankenbranche. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte zuletzt die spanischen Reformbemühungen gewürdigt und erklärt, das Land brauche kein zweites Hilfsprogramm.

Bündelung der Euro-Hilfsanträge

Hinter vorgehaltener Hand sagten nun mehrere europäische Diplomaten und auch eine ranghohe deutsche Quelle, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der zunehmenden Skepsis in den eigenen Reihen dem Bundestag immer weitere Einzelentscheidungen über Euro-Hilfsanträge ersparen wolle. "Es macht keinen Sinn, anstehende Entscheidungen über Griechenland, Zypern und wahrscheinlich auch Spanien jeweils einzeln in den Bundestag zu schicken", hieß es in den Kreisen. "Es macht vielmehr Sinn, sie zu bündeln - wegen ihres Inhalts und auch aus politischen Gründen."

Auf die Frage, ob Deutschland Spanien geraten habe, mit dem Hilfsantrag zu warten, sagte ein Regierungssprecher in Berlin, jedes Land entscheide eigenständig. Deutschland dränge weder in die eine noch in die andere Richtung. Eine Sprecherin des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy erklärte dazu, sie wisse nichts von einem deutschen Veto gegen einen Hilfsantrag. Die EZB hatte angekündigt, unbegrenzt Staatsanleihen eines strauchelnden Euro-Landes zu kaufen, sollte dieses komplett unter den Rettungsschirm schlüpfen und sich den damit verbundenen Auflagen beugen.

Jeder vierte Spanier ohne Job

Die Zahl der Arbeitslosen in Spanien ist im September abermals deutlich gestiegen. Im Monatsvergleich kletterte sie nach Angaben des Arbeitsministeriums um 79.645 Personen. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg um 57.000 gerechnet. Aktuell sind rund 4,7 Millionen Menschen in Spanien arbeitslos gemeldet. Das Euro-Krisenland steckt in einer tiefen Rezession und leidet unter der höchsten Arbeitslosigkeit in der gesamten Europäischen Union. Jeder Vierte ist ohne Job. Noch schlimmer ist die Situation bei Jugendlichen unter 25 Jahren. Hier liegt die Arbeitslosenquote über 50 Prozent.

Experten sehen vorerst kein Ende der Misere. Der Reformkurs der spanischen Regierung dürfte die Nachfrage in der viertgrößten Euro-Volkswirtschaft zunächst sogar noch weiter abwürgen und die Perspektiven am Arbeitsmarkt damit zusätzlich verschlechtern. "Der Teufelskreis aus Rezession und Sparmaßnahmen ist noch nicht durchbrochen", sagt Chefökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank. Der wirtschaftliche Abschwung reiße Löcher in die Haushaltsbudgets der Krisenländer, auf die diese mit weiteren Sparmaßnahmen reagierten, durch die die Rezession noch vertieft werde. "Das fünfte Austeritätspaket innerhalb von zehn Monaten ist zu viel für ein Land, das bereits in der Rezession steckt."

Spanien befindet sich jedoch im Dilemma: Im Spätsommer geriet das Land an den Anleihemärkten so stark unter Druck, dass die Zinsen für neue Kredite eine Höhe erreichten, die viele Experten als langfristig untragbar betrachten. Erst nachdem die EZB Hilfe in Aussicht stellte, entspannte sich die Lage wieder.  (APA/Reuters, 2.10.2012)

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so sieht es am ende

mit kreditfinanzierten wohlstand aus.
irgendwann wird zurückgezahlt.
mit zinsen und zinseszinsen

Wenn der Schirm immer größer wird, ...

... und gleichzeitig der Ständer immer dünner/leichter, dann .....

und dazu kommt noch

der wind, der langsam hurricane-stárke erreicht...

Schlechte Banken bringen alles ins Wanken...

u. die eu-spitzenpolitik "hilft" dabei...

aus den 60 Milliarden für die Banken (Vorwoche), sind inzwischen
auch schon 105 Milliarden geworden

Und es werden noch viel mehr Milliarden werden die in Spanien verpuffen

Verlassen Sie sich darauf.

- als halbwegs realistisch erscheinen mir ca. 999 milliarden teuro für die FI in spanien - die werden zitzerlweise (in 70 milliardenschritten) bekanntgegeben...!

Schon nach 10 Jahren Euro ...

... haben wir eine Wirtschaftskrise mit einer höheren Arbeitslosigkeit als in der 1930er Jahren.

Was hat das mit dem Euro zu tun?
Eine Währung für unterschiedlich starke Staaten bewirkt, dass Geld blitzschnell und kostenlos hin- und her verschoben werden kann. Das nennt man Steuerflucht Kapitalflucht oder Spekulation. Es fehlt eine Finanztransaktionssteuer.

Die Rettungspakete würden nur einen Bruchteil kosten, könnten sich die Reichen nicht durch den freien Kapitalverkehr fast jedes Beitrags entziehen.

seit wann verhindert aber eine steuer

die zu besteuernde grundlage?

sprich, nur weil sie eine transaktion besteuern, wird sie nicht verhindert und die negativen folgen haben sie erst wieder.

ja, sie können die steuer verwenden zur milderung der umstände, aber sinnvoll ist es bei gott nicht. nicht bei den griechen ...

aber als schmäh, zur beruhigung, zur gerechtigkeit trägts sie bei, das stimmt. verhindern wird sie nix, ausser ein paar arbitrage oder knapp kalkulierten geschäften. bei global ein paar hundert bio euro wird man die paar "verhinderten geschäfte" nicht mal merken.

ja vielleicht den high-frequ. handel könnens eindämmen. aber das machens jetzt bald eh anders auch.

Für den normalen Zahlungsverkehr ...

... ist die Finanztransaktionssteuer unbedeutend, weil minimal. Betroffen sind ausschließlich kurzfristige hochfrequenz Spekulationen.

Die FTS ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Schritt (Stabilität, Steuereinnahmen)

Ja, die fehlt! Aber wer will sie nicht? Die sind die gefährlichen. Daher raus mit England.

Die Briten sind nur ein Vorwand!

Tatsächlich würden die Finanztransaktionssteuer die Finanzmärkte ca. 90% ihrer Gewinne kosten (Daytrading). Dummerweise sind die Bankenlobbyisten ausgerechnet die "Berater" der EU-Kommission!

http://www.youtube.com/watch?v=WSm06mwXjFc

Spekulant: "Was ist das schöne an Bankenaufsicht und Finanztransaktionssteuer?"

Zuhörer: ???

Spekulant: "Das sie nie kommen werden."

(Irgendwo gelesen)

Ansonst sehr empfehlenswert:
http://www.ethlife.ethz.ch/archive_a... k_mf/index

Bin kein "grüner" wie der Franzose, aber ich bin als SPÖ Wähler seiner Meinung!

Ein Europa, mit einer Währung (natürlich raus mit England), Merkel als erste Prräsidentin,ein Heer, ein Aussenministerium,ein Umweltministerium (natürlich in Wien) ein Finanzministerium usw.. Wohin mit den freiwerdenden Beamten: Helfen in Altersheimen - beim Spielen uns Spazierengehen. Oder in den Schulen -als Zweitlererinnen usw.. Nur meine Meinung von der Zukunft Europas! Aber auch ohne Straches und Stronachs.

Es geht doch nicht darum ein paar Ministerposten einzusparen, sondern WER die Entscheidungen trifft!

Im Rahmen der EU werden Politiker - egal welche - ganz offen von Lobbyisten gekauft.
Das ist keine Demokratie!

sie verwechseln das mit wien

da verhindert die lobby sogar, dass sie als solche bezeichnet wird

Wieder einmal werden bei diesem Thema als Quelle keine Namen genannt, sondern auf anonyme informierte Kreise verwiesen.

Auch den Profiteuren dieser unglaublichen Abzockaktion ist es bis jetzt gelungen anonym zu bleiben und sich hinter den "Finanzmärkten" zu verstecken. Das Geniale daran ist, dass die aufgebrachten Betroffenen gar nicht wissen, gegen wen sie eigentlich demonstrieren oder revoltieren sollen.

Nachdem die Frau Glawischnig ...

... das ganze als Zünglein an der Waage ermöglicht hat, werden wir sie bald im Reigen der "Europäer" sehen.

100 Milliarden für den Banksektor?

Waren das nicht vor ca.8 Wochen 30, dann 45 und vor ein paar Tagen noch 60?
Warum sind meine Anregungen, den ESM mit einigen Fantastilliarden zu füllen, dann infantil? Worin unterscheiden sie sich von der realen Politik?

"Spanien ist auf einem guten Weg"

versicherte uns noch vor kurzem der deutsche Finanzminister. Schon vergessen?

Und einmal ganz ehrlich: Legoland ist das einzige Land in Europa, das nicht überschuldet ist!

kein stress!

der schirm wird schon halten!

es zahlen schliesslich auch spanien selbst, griechenland, italien und portugal mit!

etwas offtopic - aber trotzdem ein lustiger link zur gestrigen presse: http://diepresse.com/home/wirt... t/index.do

die deutsche bank macht jetzt auf lehman brothers,... vielleicht keine so schlechte idee. wir nehmen die spanische immo-blase, verpacken sie im neuen mäntelchen, raten sie hoch und verkaufen sie an die amis zurück,...

ihre einsätze bitte! - rien ne va plus,...

Re: <!-- 42 -->

Und Sie glauben, die Amis würden diese kaufen? ;-))

Albatros99

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