Parteienchaos in Italien: Monti über alles

Kommentar1. Oktober 2012, 18:16
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Das Vertrauen in die angeschlagenen Parteien ist auf ein Rekordtief gesunken

Sechs Monate vor den Parlamentswahlen bietet Italiens politische Szene ein geradezu surreales Bild. Die durch Dauerskandale geschwächten Parteien setzen unbeirrt ihr Gezänk um ein neues Wahlrecht fort. Das dringende Antikorruptionsgesetz wird von Silvio Berlusconis PDL seit Monaten verzögert. Kaum ein Tag, an dem die Medien nicht über neue Fälle von Veruntreuung öffentlicher Gelder berichten. Das Vertrauen in die angeschlagenen Parteien ist auf ein Rekordtief gesunken. Die Hälfte aller Italiener ist so angewidert, dass sie von ihrem Wahlrecht nicht mehr Gebrauch machen will.

In dieser Situation wächst vor allem im Ausland die Befürchtung vor der Rückkehr jener Parteien, die das Land an den Rand des Abgrunds manövriert haben. Nur einem wird zugetraut, Italien aus der Krise zu führen: Mario Monti. Der Mailänder Ökonom hat bisher abgewinkt. Beugt er sich nun dem Druck? Die Lage ist bizarr genug: Drei Parteien gehen mit einem Spitzenkandidaten ins Rennen, der gar nicht auf der Liste steht. Und der offenbar auch nicht wünscht, dass andere über seine Zukunft entscheiden.

Am Montag kündigte Monti vor internationalem Publikum in Mailand erneut seinen Abgang an: "Ich hoffe, ein weniger resigniertes Land zu hinterlassen." Das Hickhack der Parteien kommentierte er bissig: "In Italien verläuft der Unterschied nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen Steuerzahlern und Steuerhinterziehern." (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 2.10.2012)

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