Die Politik der EZB: Nicht Durchbruch, nicht Apokalypse, aber Aufschub

In seinem letzten Beitrag beleuchtet Ökonom Michael Hart die Geldpolitik der EZB und welche Rolle sie bei der Bewältigung der Krise spielen kann

Der wiederholten Eskalation der Eurokrise begegnete die EZB mit einem neuen Anleihen-Ankaufsprogramm (OMT) in unlimitierter Höhe. Die Märkte reagierten (zumindest vorerst) euphorisch, während die Skeptiker darin den Anfang vom Ende erkennen. Dabei versucht die EZB durch einen umfangreichen Maßnahmenkatalog dem Dilemma zwischen der Wahrung der Preisstabilität und dem Erhalt des Euros zu entkommen.

Letztlich bleibt es aber doch nur ein großer - wenn auch gewiefter - Bluff. Sollten die Zielländer nämlich wirklich nicht in der Lage sein, ihr Sparprogramm zu erfüllen, so könnte es sich die EZB gar nicht leisten, den Geldhahn abzudrehen. Letztlich wird für manche Länder aber dennoch kein Weg an einem Bekenntnis der Zahlungsunfähigkeit vorbeiführen und eine Umschuldung unausweichlich sein.

Die Geldpolitik der EZB gewährt Regierungen Aufschub und erlaubt es ihnen, sich dem Marktdruck zeitweilig zu entziehen, um den öffentlichen Haushalt zu sanieren und die nötigen Strukturreformen durchzusetzen. Die OMTs sind daher für die betroffenen Staaten eine Chance, eine Lösung zu finden. Aber sie sind nicht die Lösung selbst. (mh, derStandard.at, 1.10.2012)

Michael Hart (43) ist Ökonom und Marktstratege, ausgebildet an der London School of Economics und der Columbia-Universität. Er lebt nach einigen Jahren in New York derzeit in London. Er hat für verschiedene Investmentbanken gearbeitet sowie für die öffentliche Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und das unabhängige Forschungsinstitut Roubini Global Economics. Hart tritt regelmäßig bei CNN, CNBC und Bloomberg Television auf und publiziert in einschlägigen Fachmedien. Seine jüngsten Analysen und Kommentare finden Sie unter macroathart.com.

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18 Postings
Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben.

Respekt

da ist ja unglaublich gut. Kompetent, interessant, an den Fakten orientiert. Zahlt sich doch aus ab und zu wieder einmal in den Standard zu schauen.

Aber warum keine weiteren Folgen mehr ?

Gemeint war wohl, dass es sich um den derzeit(!) letzten Beitrag handelt. Warum sollte der Blog herausgenommen werden?

Das ist eine Zeit/Kosten Frage und es rechnet sich leider nicht fuer mich, auch wenn es Spass macht. Es gibt in der Zukunft aber vielleicht eine Neuauflage auf www.club2.at.

Habe ich richtig gehört???? Letzte Folge?

Wieso werden so gute Beiträge nicht weiterhin gebracht??? Endlich einmal Jemand, der große Themen verständlich "rüberbringen" kann! Die Videos regen zum DENKEN an, und sind, in Vergleich zu anderen von diesem Verlag, untermauert mit Recherchen und Statistiken, und trotzdem für (fast) Jeden verständlich erklärt.
Die Hartbeat-Videos nicht mehr zu bringen wäre ein schwerwiegender Verlust für den "Standard".

Ich mag Ihre Sendung.

ich auch. Im Vergleich zum wirren Ideologen Misik ist der Hart offensichtlich einer der über ökonomischen Sachverstand verfügt und die 4 Grundrechenarten beherrscht.

Mir fehlt aber ein bissl das herablassend Oberlehrerhafte das ich beim Misik so lustig finde.

vor allem die erste, in der er kinderarbeit als bedingung für wirtschaftswachstum in schwellenländern lobpreist!?

Eine (bewusste?) Misinterpretation. Ich befürworte die Legalisierung der Kinderarbeit dort, wo sie aus Armutsgruenden nicht abzuschaffen ist, um die Betroffenen vor einem Abtreiben in die kriminelle Ausbeutung zu schützen. Es ist im Prinzip das gleiche Argument, das auch auf Drogen und Prostitution zutrifft.

nein nein mein lieber, die interpretation geht schon in ordnung.

selten hab ich zynischeres gehört, als den betreffenden beitrag aus ihrem satten maul!

Schon die letzte Folge? Schade!

War das so geplant oder wurde der Gegenwind hier zu stark?

Auch wenn ich mit Ihren Meinungen wenig anfangen konnte finde ich es schade das Ihr Video-Blog schon endet.
Erst Meinungen die der eigenen widersprechen regen erst wieder zum Denken an! (leider auch viele zum Schimpfen...)

interesting aber die grundprobleme löst es nicht.

staaten sollten sich selbst mit vollgeld finanzieren dass von den zentralbanken zur verfügung gestellt wird, sie müssen ja auch, über umwege wie hilfskredite, anleihenkäufe, ezb, etc. die preis- und währungsstabilität aufrechterhalten.

damit das nicht dazu führt dass politiker sich soviel geld drucken wie sie brauchen sollte dies nach strengen kriterien von einer unabhängigen 4. instanz, der monetative ausgeführt werden.

in beinahe allen ländern sind die staatsschulden bereits so gross dass uns die ratingagenturen über zinssätze sofort in den bankrott treiben können wenn wir nicht so agieren wie es ihrer ideologie zufolge sein sollte, ergo sind wir ohne abkoppelung von diesem system keine souveränen staaten mehr.

justmy2cents.

Naja, die Macht der Ratingagenturen ist längst nicht mehr so groß wie früher, zumindest was Staatsanleihen betrifft.
Sowohl Österreich als auch die USA zahlen trotz herabstufung weniger Zinsen als noch mit AAA-Rating. Ein Kommentar in der Financial Times hat mal schön dargelegt, wie unsinnig es ist, davon auszugehen, dass die Märkte bei einer Herabstufung nicht bereits längst wüssten, wie es um die betreffenden Staaten steht. Wozu beschäfftigen Banken sonst Analysten? Die Ratingagenturen hinken bei Staatsanleihen grundsätzlich immer hinterher

wirklich der letzte beitrag?

dem himmel sei dank

"Die Geldpolitik der EZB gewährt Regierungen Aufschub und erlaubt es ihnen, sich dem Marktdruck zeitweilig zu entziehen"

Also ist diese Maßnahme so eine Art Tuch, welches die Sanitäter vor die Trage halten, damit der Mob die Leiche nicht sieht.

Ist eher die Erste Hilfe bevor die Sanitäter kommen

Kernaussage passt.

Details etwas inkonsistent. Erst: "EZB entgeht Dilemma der Monetisierung", dann "kommt einer Monetisierung der Staatsschulden sehr nahe", und am Schluss: Die derzeitige Loesung ist eine Mischung aus 1 (=Fiskalunion) und 2 (=Monetisierung) also was jetzt? (Antort: es ist natuerlich noch keine).
Ihre Definition von "Fiskalunion" (Vergemeinschaftung der Schulden) passt eher zu "Transferunion". Eine Fiskalunion ist viel breiter, mit zentral koordinierter Budgetgebahrung, etc. (http://de.wikipedia.org/wiki/Fiskalunion) Vergemeinschaftung von Schulden kann aber muss nicht Teil einer Fiskalunion sein.

Ich habe mich mit den verschiedenen Aspekten und Interpretationen einer Fiskalunion in diesem Artikel auseinandergesetzt: http://macroathart.com/2012/07/0... -is-right/

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