Bundesschulsprecher fordert weniger Schularbeiten

1. Oktober 2012, 15:52
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Felix Wagner will, dass stattdessen Projektarbeiten verfasst werden können

Der neue Bundesschulsprecher Felix Wagner fordert, dass Schüler die Hälfte ihre Schularbeiten im Jahr streichen können und stattdessen Projektarbeiten verfassen dürfen. So würden die Talente der einzelnen Schüler besser gefördert, so Wagner. Der 18-Jährige stellte am Montag bei einer Pressekonferenz seine Projekte für das kommende Schuljahr vor.

Die Projektarbeiten sollen eine wissenschaftliche Arbeit sein, bei der sich die Schüler das Thema selbst aussuchen. "Die Entscheidung, überhaupt eine Schularbeit durch eine Projektarbeit zu ersetzen, liegt bei dem Schüler selbst", sagt Wagner. Den Schülern soll also freistehen, ob sie lieber eine Arbeit schreiben wollen oder eine Schularbeit. Den Abgabetermin soll der Schüler gemeinsam mit dem Lehrer festlegen.

Mehr Mitbestimmung für Schüler

Der Schülervertreter fordert außerdem, dass Schüler auch auf politischer Ebene im Bund mitmischen können. Er schlägt dafür das Gremium eines "Bundesschulgemeinschaftsausschusses" vor. In diesem Ausschuss sollen Lehrer, Eltern und Schüler sitzen. "Diese drei Gruppen müssen die Möglichkeit bekommen, den Schulalltag mitzugestalten, um bei Entscheidung über Veränderung im Schulsystem entsprechend mitzuwirken", so Wagner.

Zudem ist der Bundesschulsprecher dagegen, dass den Schulen Veränderungen im System "aufgezwungen" werden. Die Schulen sollen selbst entscheiden können, wie sie die Reformen an ihrem Standort umsetzen. 

Schülerunion stärkste Kraft

Wagner besucht die HTL in Mistelbach in Niederösterreich. Er ist Mitglied der Schülerunion, die der ÖVP zugerechnet wird. Die Schülerunion stellt in diesem Schuljahr 27 der 29 Mitglieder der Bundesschülervertretung. Der Bundesschulsprecher wird von der Bundesschülervertretung gewählt, diese wiederum setzt sich aus drei Landesschulsprechern pro Bundesland und zwei Vertretern der Zentrallehranstalten zusammen. 

Gegen Direktwahl

Die Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS), die der SPÖ nahesteht, hat zuletzt eine Direktwahl des Bundesschülervertreters gefordert. Wagner lehnt das im Namen der Schülerunion ab. "Alle Schüler zu erreichen ist schwer", sagt er. Es würde dann jener gewinnen, der am meisten Geld hat, um es in ein Werbevideo zu investieren, oder der mehr "Likes" auf Facebook hat. Als Schüler habe man weniger Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen.

Der Bundesobmann der Schülerunion, Daniel Perschy, meint im Gespräch mit derStandard.at, dass eine Direktwahl auch schwierig sei, weil die Wahl jedes Jahr stattfinde. 

Bei Ethikunterricht auf Parteilinie

In der Frage des Ethikunterrichts ist die Schülerunion voll auf Parteilinie. Wie die ÖVP fordert auch sie, dass das Fach Ethik als Alternative zum Religionsunterricht angeboten wird. Ein Pflichtgegenstand Ethik und die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts in seiner jetzigen Form lehnt die Schülerunion ab. "Die Schülerinnen und Schüler wünschen sich konfessionellen Religionsunterricht", sagt Perschy. Religion sei ein Kulturgut und deshalb schützenswert.

In einer Aussendung der Schülerunion heißt es dazu, der Religionsunterricht an den Schulen verhindere, dass "der Religionsunterricht in die Hinterhöfe abwandert und so einer Radikalisierung Tür und Tor öffnet". (lis, derStandard.at, 1.10.2012)

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    Felix Wagner wurde am Sonntag zum Bundesschulsprecher gewählt.

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