Kindesmisshandlung: "die möwe" will Betreuung für auffällige Eltern

1. Oktober 2012, 14:01
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Fasslabend: Gewalttätige Erziehungsmuster nur mit langjähriger Psychotherapie überwindbar

Wien/Güssing - Eine verpflichte psychotherapeutische Betreuung für Eltern, die durch Gewalt bei der Erziehung ihrer Kinder auffällig geworden sind, hat am Montag die Kinderschutzorganisation "die möwe" verlangt. Anlass ist der Fall eines Babys im Burgenland, bei dem Ärzte Spuren schwerer Misshandlung feststellten. Erwachsene, die Gewalt als "Erziehungsmethode" erlebt und sie somit als "normal" empfunden hätten, würden diese mit hoher Wahrscheinlichkeit an Ihre Kinder weitergeben, erklärte Martina Fasslabend, Präsidentin von "die möwe", am Montag in einer Aussendung.

Hilfe und Aufklärung

Solche Erziehungsmuster könnten nur mittels langjähriger Psychotherapie überwunden werden. Ambulante Betreuung wie im Fall der Mutter des kleinen Mädchens greife oft zu kurz, weil die Problemlage nicht in der Tiefe behandelt werde, so Fasslabend. Gefährdete Eltern bräuchten außerdem tägliche, intensive Unterstützung bei ihren Betreuungsaufgaben. Rechtzeitige psychotherapeutische Hilfe und Aufklärung seien von eminenter Bedeutung, um die Gewaltspirale zu durchbrechen und zu verhindern, dass Kinder oder sogar Babys Opfer elterlicher Gewalt würden. "die möwe" biete Workshops zu diesem Thema für Kinder, Eltern und Pädagogen kostenlos an.

Reform des Mutter-Kind-Passes

Als weitere Forderung nannte Fasslabend eine Reform des Mutter-Kind-Passes unter Einbeziehung psycho-emotionaler Faktoren. Zudem sprach sie sich für qualitätsgesicherte Elternbildungsprogramme in Form eines "Eltern-Führerscheins" aus. In Schulen müssten viel mehr Psychologen und Sozialarbeiter als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen. Weiters brauche es mehr ambulante Versorgungsmöglichkeiten für Kinder mit psychischen Problemen. Die klinisch-psychologische Behandlung von Kindern und Jugendlichen sollte als Kassenleistung angeboten werden. Und schließlich sollten "psychosoziale Frühwarnsysteme" eingeführt werden, forderte die "möwe"-Präsidentin. (APA, 1.10.2012)

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